Schertz-lied

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Als die Venus neulich sasse

In dem bade nackt und bloß

Und Cupido auff dem schooß

Von dem liebes-zucker asse

Zeigte sie dem kleinen naben

Alles was die frauen haben.

Marmel-hügel sah er liegen

Von begierden auffgebaut;

Sprach zur mutter überlaut:

Wenn werd ich dergleichen kriegen

Daß mich auch die schäferinnen

Und die damen lieb gewinnen?

Venus lacht aus vollem munde

Uber ihren kleinen sohn:

Denn sie sah und merckte schon

Daß er was davon verstunde

Sprach: du hast wohl andre sachen

Die verliebter können machen.

Unterdessen ließ sie spielen

Seine hand auff ihrer brust:

Denn sie merckte daß er lust

Hatte weiter nachzufühlen

Biß ihr endlich dieser kleine

Kam an ihre zarte beine.

Als er sich an sie geschmieget

Sprach er: Liebes mütterlein

Wer hat an das dicke bein

Euch die wunde zugefüget?

Müst ihr weiber denn auff erden

Alle so verwundet werden?

Venus konte nichts mehr sagen

Als: du kleiner bösewicht

Packe dich du solst noch nicht

Nah dergleichen sachen fragen.

Wunden die von liebes-pfeilen

Kommen die sind nicht zu heilen.