Schertz-lied
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Wie närrisch lebt ein kerl doch in der welt
Wenn er erst in das garn der liebe fällt?
Wenn er den muth für einen griff verhandelt
Und in den stricken des verderbens wandelt?
Bald sitzt ihm der kragen am halse nicht recht
Bald ist ihm die dünne Paruqve zu schlecht
Bald zieht er den degen bald steckt er ihn ein;
Bald denckt er ein bauer bald könig zu seyn.
Wie mancher tag und manche schöne nacht
Wird doch mit gram und sorgen zugebracht!
Und wenn wir endlich gar zu lange harren
So werden wir zu thoren und zu narren.
Denn gehn wir und geben dem glücke die schuld
Das glücke spricht: Habe nur ferner gedult.
Gedultig seyn bringt uns in leiden und pein
Biß daß wir so mürbe wie pflaumen-brey seyn.
Doch geht es mit der zeit auch endlich an
Daß man zur noth mit mädgen löffeln kan;
Ach Gott! mit was vor müh und schwerem lauffen
Muß man alsdenn ihm seine lust erkauffen!
Da nimmt man so viel man bekommen nur kan
Und leget den wechsel an spitzen-werck an;
Indessen sitzt vater und mutter zu hauß
Und zahlen das theure Collegium aus.
Wenn man nun so das geld hat angewandt
So machen sich denn mund und mund bekandt
Und schliessen sich vor heissen liebes-flammen
Wie fetter leim und junges wachs zusammen.
Denn macht man dem mädgen die brüstgen erst bloß
Die brüste verleiten uns endlich in schooß
Im schooße wächst unser verderben durchs kind
Denn stehn wir im – – – und scharren den grind.
Wohl dem! der so wie goldschmieds junge denckt
Und eher sich nicht zu der liebe lenckt
Als biß er nach vollbrachten jugend-jahren
Sich kan in ehren mit der liebsten paaren.
Ich habe die regel: Ich liebe nicht viel
Und wenn ich gleich liebe so ist es nur spiel
Und ist es im ernste so bin ich vergnügt
Im fall ich nur freundschafft und küsse gekriegt.