Schertz-lied

By Benjamin Neukirch

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wie närrisch lebt ein kerl doch in der welt

Wenn er erst in das garn der liebe fällt?

Wenn er den muth für einen griff verhandelt

Und in den stricken des verderbens wandelt?

Bald sitzt ihm der kragen am halse nicht recht

Bald ist ihm die dünne Paruqve zu schlecht

Bald zieht er den degen bald steckt er ihn ein;

Bald denckt er ein bauer bald könig zu seyn.

Wie mancher tag und manche schöne nacht

Wird doch mit gram und sorgen zugebracht!

Und wenn wir endlich gar zu lange harren

So werden wir zu thoren und zu narren.

Denn gehn wir und geben dem glücke die schuld

Das glücke spricht: Habe nur ferner gedult.

Gedultig seyn bringt uns in leiden und pein

Biß daß wir so mürbe wie pflaumen-brey seyn.

Doch geht es mit der zeit auch endlich an

Daß man zur noth mit mädgen löffeln kan;

Ach Gott! mit was vor müh und schwerem lauffen

Muß man alsdenn ihm seine lust erkauffen!

Da nimmt man so viel man bekommen nur kan

Und leget den wechsel an spitzen-werck an;

Indessen sitzt vater und mutter zu hauß

Und zahlen das theure Collegium aus.

Wenn man nun so das geld hat angewandt

So machen sich denn mund und mund bekandt

Und schliessen sich vor heissen liebes-flammen

Wie fetter leim und junges wachs zusammen.

Denn macht man dem mädgen die brüstgen erst bloß

Die brüste verleiten uns endlich in schooß

Im schooße wächst unser verderben durchs kind

Denn stehn wir im – – – und scharren den grind.

Wohl dem! der so wie goldschmieds junge denckt

Und eher sich nicht zu der liebe lenckt

Als biß er nach vollbrachten jugend-jahren

Sich kan in ehren mit der liebsten paaren.

Ich habe die regel: Ich liebe nicht viel

Und wenn ich gleich liebe so ist es nur spiel

Und ist es im ernste so bin ich vergnügt

Im fall ich nur freundschafft und küsse gekriegt.