Schluß zum Frühling.

By Barthold Heinrich Brockes

An diesem abgelegnen Ort, entfernt vom städtischen

Getümmel,

Erweg’ und

schönen Bluhmen Heer;

Ich

meinem GOtt zur Ehr,

Der kleinen Vögel holdes Zwitschern; ich

dem weiten Meer,

Der Erden Schätze, Wald und Feld, das Firmament,

den Sternen-Himmel.

Hier sitz’ ich, tadle niemand sonst, als mich. Ich rede

hier allein

Mit meinen Büchern und mit mir. O wohl ein recht-

und wahres Leben!

O süß- und edler Müßiggang! Wer stimmt hierinn

nicht überein,

Daß, für den wichtigsten Geschäften, dir noch der

Vorzug fast zu geben?

Ich fühl’, in mir von GOtt gegönntem nicht unem-

pfundenem Vergnügen,

Hier meine gegenwärt’ge Stunden sich sanft zu den

vergangnen fügen.

Hier treib’ ich, mit dem Fluß der Tage, den stillen

Strohm der Zeit hinab,

Zum tiefen Meer der Ewigkeit, gelassen. Meinen

sanften Lauf

Beschleunigt keine Leidenschaft, doch hält ihn ein ge-

fürchtet Grab,

Mit, ohnedem vergebnen, Sorgen und eitlen Schrecken,

auch nicht auf.

Hiedurch, zumahl wenn mich zum öftern des Schöp-

fers schön Geschöpf ergetzt,

Verhoff’ ich, in gelaßner Demuht und Ehrerbietig-

keit, den Willen

Des grossen Wesens aller Wesen, Das mich in diese

Zeit gesetzt,

Wie, wo und wann es Jhm gefiel, am allerbesten zu

erfüllen.