Schmauchlied

By Aloys Blumauer

Written 1776-01-01 - 1776-01-01

Dem edlen Schmaucherorden

In Ost, Süd, West und Norden

Stimm' ich dies Loblied an:

Es soll den Schmaucher lehren,

Wie er mit allen Ehren

Und Vortheil schmauchen kann.

Die grosse Kunst zu schweigen

Sey nur euch, Schmauchern, eigen;

Schreit man das Ohr euch wund:

So steckt, anstatt zu zanken,

Mit ruhigem Gedanken

Das Pfeifchen in den Mund.

Will euch in trüben Tagen

Der Hypochonder plagen:

So setzt euch zum Kamin,

Und laßt in blauen Wölkchen

Der Sorgen banges Völkchen

Von eu'ren Stirnen zieh'n.

Kommt ihr in Liebesfehde,

Und machet eine Spröde

Durch einen Korb Verdruß:

So braucht das Abschiedsblättchen

Von ihrem spröden Pfötchen

Getrost zu Fidibus.

Macht euer treues Liebchen

In ihrem Extrastübchen

Es auch mit andern so:

So dürft ihr, statt zu grillen,

Nur euer Pfeifchen füllen,

Und denken: Fumigo!

Wenn euch der Ehstand härmet,

Und euer Weibchen lärmet,

Und tobt in eu'rem Haus:

So steckt, anstatt zu keifen,

Flugs in den Mund die Pfeifen,

Und spuckt dabei brav aus.

Wenn Hofgunst euch verführet,

So schmauchet und studieret

Dabei der Grossen Gunst:

Was sie mit vollem Munde

Euch geben, ist im Grunde

Nichts als ein Maul voll Dunst.

Wenn nasenweise Gecken

Und eitle Narr'n euch necken

Mit ihrem Saus und Braus:

So setzt euch in den Winkel

Und pfeift den Eigendünkel

Aus vollen Pfeifen aus.

Umnebelt eu're Geister

Ein dicker Seelenkleister;

So brauchet nur dafür,

Um wieder zu genesen,

Und all den Qualm zu lösen,

Das edle Mundklystier.

Wenn endlich euch als Greisen,

Gleich Salomon dem Weisen,

Das Leben auch verdrießt:

So denkt: es ist hienieden

Euch doch ein Rausch beschieden

Der nicht ganz eitel ist.