Schmertzliches leyd Des Rysselischen Hauses, Bey hertzlicher freude des gautzen ...
Was ist geschehn, wie sieht ihr werthes hauß
Ach leyder! itzund aus?
Was macht allhier die menge der eypressen?
Der Sachse triumphirt,
Und weil es sich gebührt,
Muß Leipzig itzt der palmen nicht vergessett.
Ein ieder rufft: Du Landes-Vater, du!
Victorie! glück zu!
Die raut ist dir zum lorbeer-krantze worden,
Ein ieder schmückt sein hauß
Mit sieges-palmen aus,
Weil du vertreibst der Türcken raub und morden.
Wie stellst du dann, du Edles Eltern-Paar!
Dich itzt so traurig dar?
Was weinest du, wenn andre frölich singen?
Wirff die cypressen hin,
Die palmen sind noch grün,
Du kanst sie itzt dem Sachsen-Helden bringen.
Ach aber! ach! wenn Türck und Tartar weicht,
So kömmt der tod und schleicht
In euer hauß, und raubt das allerbeste;
Der allerliebste Sohn,
Muß mit ihm selbst davon,
Und was noch mehr, kein ander bleibt im reste.
O ungelück! o schaden und verlust!
O wunden einer brust,
Die euch der tod, durch seinen tod, geschlagen!
Der alters-stab zubricht,
Und des geschlechtes licht
Wird ausgelöscht, und in die grufft getragen.
Es bleibt darbey, daß eltern traurig sind,
Wenn auch ein kleines kind
Muß in der wieg und an der brust verderben.
Ach aber! was vor schmertz
Trifft denn der eltern hertz,
Wenn, wie allhier, ein großer sohn muß sterben.
Er war ein baum, da man nach voller blüt
Viel schöne früchte sieht,
Und allbereits kan auf den nutzen dencken.
Er war ein reiches schiff,
Das schon in hafen lief;
Was könte mehr die frommen eltern kräncken?
Doch nur getrost! wo dient allhier ein ort,
Zu einem sichern port?
Schaut über euch, da seht ihr ihn anländen,
Dort blüht er für und für,
Und seiner früchte zier
Bleibt wohl verwahrt in JEsus treuen händen.
Er triumphirt, nachdem er selber siegt,
Und die, so ihn bekriegt,
Tod, sünd und welt hat in die flucht geschlagen;
Er führt ein sieges-pfand
Von palmen in der hand;
Wie! wollen sie noch länger ihn beklagen?
Triumph, triumph! so siegt ihr Sohn und wir;
Gott sey gedanckt dafür!
Dort ist der Türck und hier der tod vertrieben;
Wie solten wir allein
Noch ferner traurig seyn?
Jhr lieber Sohn ist GOtt zur beute blieben.