Schnitterlied

By Conrad Ferdinand Meyer

Written 1874-01-01 - 1874-01-01

Wir schnitten die Saaten, wir Buben und Dirnen,

Mit nackenden Armen und triefenden Stirnen,

Von donnernden dunkeln Gewittern bedroht –

Gerettet das Korn! Und nicht einer, der darbe!

Von Garbe zu Garbe

Ist Raum für den Tod –

Wie schwellen die Lippen des Lebens so rot!

Hoch thronet ihr Schönen auf güldenen Sitzen,

In strotzenden Garben umflimmert von Blitzen –

Nicht eine, die darbe! Wir bringen das Brot!

Zum Reigen! Zum Tanze! Zur tosenden Runde!

Von Munde zu Munde

Ist Raum für den Tod –

Wie schwellen die Lippen des Lebens so rot!