Schönheit Eines Gefildes mit Korn nebst genauer Betrachtung der Aehren.
Wir können für so viele Gaben,
Die wir von Gott empfangen haben,
Als Menschen, ihm nichts anders schenken,
Als unser Bestes, unser Denken,
Durch welches wir ja bloß allein
Von Thieren unterschieden seyn.
Doch müssen wir, nach unsern Pflichten,
Solch Denken suchen einzurichten.
Es müssen nemlich unsre Seelen
Zum Vorwurf ihres Denkens wählen,
Nicht sich (wie meist geschicht) so sehr,
Als, wie des wahren Gottes Ehr
Sich auf das herrlichste vermehr.
Es scheint das nöthigste Geschäffte
Unwidersprechlich, alle Kräfte,
Von unsern Sinnen und dem Denken,
Zuförderst auf den Zweck zu lenken,
Die herrlichen Vollkommenheiten
Der Schöpfung frölich auszubreiten,
Und ein durch sie vergnügtes Leben
Dem Schöpfer, zum Geschenk, zu geben.
Dieß einzige scheint mir allein,
Ein reicher Gottesdienst zu seyn.
Ich will denn itzt mein Auge lenken,
Auf einen schönen Theil der Welt,
Und ein mit Aehren trächtig Feld
Besehen, und dabey bedenken,
Wie alles, was wir darauf sehn,
Nicht nur so nützlich ist, als schön,
Und einen großen Meister weiset;
Wie alles seinen Schöpfer preiset.
Es ist nunmehr die schöne Zeit,
Da, wie, in warmer Heiterkeit,
Die helle Frühlings-Sonne glühet,
Und man die Aeren schiessen siehet.
Wann nun der Schöpfer in die Saat,
In uns ernährendes Getreyde,
So Nahrung, Schönheit, Nutz, als Freude,
Gesenkt und uns geschenket hat:
So laßt uns, unserm Gott zu Ehren,
In der anjetzt so schönen Welt,
Auf ein bald blühend Aehren-Feld,
Die Augen und das Denken kehren!
Erst, wie das ganze Feld so schön,
Dann einer Aehren Bau, besehn!
In beyden uns des Schöpfers freuen;
In beyden Lust und Dank erneuen;
In beyden Gottes Ruhm erhöhn!
Wenn wir, in der Frühlingszeit, einsam durchs Getreyde gehen,
Und darin der flachen Felder best und schönste Zierde sehen:
Sieht man, in der grünen Schönheit, worin unsre Blicke
Durch den hellen Sonnenstral, recht ein grünlich Feuer glimmen.
Dieses Grün scheint allgemein
Und beschaut mans oben hin, bloß nur einerley zu seyn.
Aber wenn man es betrachtet,
Und, mit mehrerem Bedacht, auf die Quell der Schönheit achtet,
Die das Herz durchs Aug ergetzet, wird man bald darin gewahr,
Wie, durchs helle Sonnenlicht, es bald mehr, bald minder klar,
An verschiednen Stellen ist. Mehr und minder schön gemalet
Sind die Blätter, wenn das Licht an sie, oder durch sie stralet.
Erstre lassen Silber-grün; letztere nicht minder schön,
Durch das schon gefärbte Licht, fast ein güldnes Grün uns sehn.
Da denn ein, mit güldnen Fäden, durchgewirktes Stücke Sammt
Kaum in einem holdern Glanz, kaum in schönerm Grünen flammt.
Wann zu solcher Zeit im Korn, das wie grüne Wände stehet,
Man bedachtsam reitet, fährt, oder aus spatziren gehet:
Wird von uns, an einer Seite, da das güldne Sonnenlicht,
Durch der grünen Halm und Blätter zart Gewebe, stralt u. bricht,
Wie ein Grün, mit Gold gemischt, des Gefildes Fläche schmücket,
Und zur andern, Grün und Silber, im gemischten Glanz, er-
Weil das Licht, nicht durch die Blätter, sondern an dieselben
Hier scheint alles Grün und Silber, dorten Grün und Gold
Wenn zumal die dichten Aehren etwan auf erhabnen Höhen,
Gegen die verklärte Luft, als auf hellem Grunde, stehen:
Siud sie, zwar wie Heeresspitzen, doch nicht schrecklich, anzusehen.
Das auf ungezählte Arten hier gebrochne Sonnenlicht,
Rühret billig, Gott zu Ehren, unsre Geister, durchs Gesicht.
In der jungen Aehren Spitzen, zeigt sich noch ein andrer Schein,
Denn es senket sich das Licht,
Das sich durch die Blätter bricht,
In den purpurfarbnen Spitzen, ohne Rückschlag, tief hinein,
Und erzeuget dadurch oben eine sanfte Dunkelheit,
Aber die auch, wenn sie wallen, durch ein Weiß, das Aug
Oefters sieht man auf den Aehren, wenn die Luft mit ihnen
Wie bald grün, bald weiß, bald purpur, lieblich durch einander
Bald im Licht, und bald im Schatten, scheint der Aehren re-
Und, voll nimmer stillen Wellen, ein licht-grünlich wallend
Sehr natürlich vorzustellen. Wenn der Aehren Purpur sinket:
Sieht man, wie, auf grünen Halmen, ein hell grüner Schimmer
Durch dieß liebliche Gemisch, da gelb, grün und weiß sich gatten,
Bald mit wandelbarem Glanz, bald mit wandelbarem Schatten,
Die sich unaufhörlich ändern, bald sich trennen, bald sich fügen,
Rührt den Geist, durch unser Aug, ein empfindliches Vergnügen.
Dieses waren die Gedanken, die der Felder grüne Schein
Mir, durch ihren Schmuck, erregte: Aber dacht ich, soll der Bau
Des uns nährenden Getreydes, welches ich von weiten schau,
Auch nicht billig in der Nähe, Gott zum Ruhm, beschauet seyn?
Rupfte drauf verschiedne aus, die vor andern aufrecht stunden,
Worin viele Seltenheiten, mehr als man gedenkt, sich funden.
Die ich zwar schon einst beschrieben,
Aber mit Verwundrung finde, daß noch vieles überblieben,
Die, in dem Bewundrungs-werthen, nett-formirten Bau der
Wenn ein Geist sie recht besieht, unsers Gottes Ruhm vermehren.
Es bestehet, an der Aehre, die so zierliche Structur
Bloß aus einerley Gehäuse, einer netten Hülse, nur,
Die, wo sich der obre Theil ihres Halms gemählich spitzet,
Als ein eigenes Gewächs, in so netter Ordnung sitzet,
Daß es nett die eine Seite von der Aehren Bau beschlägt,
Da die andre Seite gleichfalls eine solche Hülse trägt,
Die ein wenig höher sitzet; dieß geht wechselsweise fort,
Bis zu ihres Halmes Spitze, an dem allerhöchsten Ort.
Dieß Gehäus ist sonderlich, und bewunderns-werth formirt.
Es bestehet aus zwey Theilen, die sich unterwerts vereinen,
Und, weñ sie sich etwan öffnen, gleichsam Tulpen-förmig scheinen.
Unten ists, an beyden Seiten, mit zwey Zäserchen geziert,
Welche purpurfärbig sind; und da sie, zu beyden Seiten,
Recht der Aehren Mitte treffen, wird ein schöner rother Strich,
Durch dieselbigen, formiret, welcher mit dem Grünen sich
Gleichsam einzuflechten scheinet, und, so lang die Aehre grün,
Jhr ein lieblich Ansehn giebt. Von der äussern Hülsen Ecken,
Die von aussen hart und rauch, da die innre Seite platt,
Und, wo sie am Hälmchen sitzet, fast durchsichtig, weich und glatt)
Sieht man, sich ein grünes Stänglein voller zarten Spitzen
Welche fühlbar zwar genug, aber kaum zu sehen seyn.
Jede von den äussern Hülsen schließt ein’ ander’ in sich ein,
Welche weichlicher und zarter, die die Blühten in sich heget,
Deren sechs, da jede drey wohl verwahret in sich träget.
Welche drey ein Korn erzielen, wie ich es nachher gesehn,
Daß auf einem jeden Korn allemal drey Blühten stehn.
Diese wachsen, bis dieselben ihr Gehäuse ganz erfüllen,
Dann aus seiner offnen Seiten dringen, plötzlich sich enthüllen,
Und aus ihrem Sitze fallen, da sie, an sehr zarten Stielen,
Lange Zeit noch hängen bleiben, und beweglich schwebend
Aber recht indem dieselben aus dem Schooß der Hülse fallen,
Siehet man, nicht ohn Erstaunen, etwas sonderlichs an allen;
Daß sie nemlich einen Staub, den sie in zwo Röhren fassen,
Die an beyden Seiten liegen, sichtbar von sich fallen lassen.
Jede Blüht hat so viel Staub, daß man es nicht leicht be-
Wie sich eine solche Menge an so kleinem Ort gehäuft.
Aus der Blüht und Aehren Menge können wir nun leicht-
Daß, so weit man sehen kann, rechte Nebeldüft entstehn,
Und die Felder füllen müssen, so das Landvolk
Und es, wenn das Wetter gut, als ein gutes Zeichen kennt.
Alles scheint, zu solcher Zeit, an der Aehre sich zu regen,
Und, wie ichs bey Licht einst sah, durch die Wärm sich zu
Da so Blüht als Staub zugleich, als durch innerlichen Drang,
Und, als wenn es alles lebte, sichtlich aus der Hülse sprang.
Ehe nun die Aehre blühet, wird man, als ein dünnes Haar,
Recht in beyder Hülsen Mitten, eines kleinen Stiels gewahr,
Dessen Nutzen ich nicht wußte, bis ich es nachher entdecket,
Daß sich dieses kleine Stielchen plötzlich in die Höhe strecket,
Und zu einer Hülse wird, welche noch drey Blühten trägt.
Diese scheint, o großes Wunder! wenn man es genau erwegt,
Mit besonders weiser Absicht, von dem Schöpfer so formirt,
Daß, wenn etwan eine Wittrung wo der ersten Blüht der Aehre,
Durch die Rauhigkeit, zuwider, oder sonsten schädlich wäre,
Letztere, da sie sich später mit der Blüht empor geführt,
Doch noch Früchte tragen könnte, das denn, in dem Korn zumal,
So die Armuth speisen muß, einen holden hellen Stral
Einer weisen Lieb und Vorsicht uns recht überzeuglich weiset,
Welcher würdig, daß man innigst unsern Schöpfer davor
Wann ich nun nachher des Weizens meistens so formirte
Ob vielleicht ein Unterscheid, der darin besonders wäre,
Ebenfalls mit Fleiß besehn: Fand ich die Gehäuse sitzen,
Eben fast, als bey dem Rocken, ausser daß sie keine Spitzen,
Wie der Gerst und Rocken, haben. Eine zierliche Figur
Zeigen sie, da in der Mitten sie sich allgemach erhöhn,
Und, gleich einer grünen Blumen, mit getheilten Blättern stehn.
In derselben sind zwölf Hülsen, da man in dem Rocken nur
Solcher Hülsen sechs erblickt; achtzehn Blühten, da nur neun
In dem Rocken, und sechs Körner, da im Rocken drey nur seyn.
Nun ist nöthig, daß wir hier, von des Schöpfers Wunder-
Einen ganz besondern Ausbruch in der Frucht Vermehrung
Nur in einer Weizen Aehre, so daß keins daran gefehlt,
Hab ich hundert funfzig Körner, mit Verwunderung, gezählt,
Und aus dieser Aehren Wurzel, waren sieben andre Stangen,
Nebst der einen, folglich acht auf einmal, hervor gegangen,
Diese geben nun zwölf hundert. Säete man nun diese Zahl;
Könnten schon im andern Jahr eine Million, und ferner
Vier und vierzig hundert tausend vollenkommne Weizenkörner,
Davon eingeerndtet werden. Welche reiche Fruchtbarkeit
Hat das einzge Wort des Schöpfers, das die Frucht gebenedeyt,
In das liebe Korn geleget, und dem Samen eingesenket!
Wer erstaunt nicht, der dieß Wunder, recht betrachtend, über-
Und doch hat des Schöpfers Segen, obs gleich aus der Mas-
Wie ein jeder wird gestehen, hier noch lange nicht sein Ziel,
Da ich nemlich auf einmal einen Rockenbusch gefunden,
Woran, bloß aus einer Wurzel, fünf und siebzig Halmen stunden.
Hier erschrickst du, liebster Leser, und mit Recht, ja glaubst es
Aber wie? wenn ich dir zeigte, daß solch Wunder tausendmal
Von dir sey gesehen worden, sonder daß dein Augenstral
Es beachtet und bewundert? Zeiget dir nicht jeder Baum
Einen Halm in jedem Zweig, der dir Blüht und Früchte bringet,
Eben so, wie Halm und Aehre? Anders ist kein Unterscheid,
Als das jeder Halm im Korn, aus der Wurzel selbst entspringet,
Da der Zweig nur mittelbar, durch den Stamm, hervor sich
Und doch aus der Wurzel stammt. Liebste Menschen! ach er-
Welch ein Macht- und Weisheit-Wunder in den Pflanzen, uns
Der, der alles schuf und schafft, durch sein Segenswort, geleget.
Ach eröffnet doch die Augen, eine Gottheit zu verehren,
Die ihr undurchdringlich Licht, das der Himmel Himmel füllt,
Zu der Creaturen Besten, in die Creatur verhüllt.
Preiset ihn, spannt alle Kräfte der vernünftgen
Seelen an, Sehet, fühlet, riechet, schmeckt, hört, bewundert, überleget, Denkt, vergleicht, erstaunt für Andacht, wenn ihr Ehrfurchts-voll erweget, Bey den irdschen Wundertropfen, die man nicht begreifen kann, Was das tiefe Meer der Gottheit selber wohl vor Wunder heget.