Schreiben an Hn. M. G. Hoffmann und etliche andere gönner bey gelegen- heit der ...
Hochwerthen gönner laßt ach lasset mir doch zu
Daß ich euch einen brief mag für die augen legen
Und daß da ich den dienst aus treuem hertzen thu
Sich darf mein sayten-spiel bey euern freuden regen
Mein schlechtes sayten-spiel das zwar die ehre rühmt
Die er herr Hoffmann ihm vor kurtzem hat erwiesen;
Jmmittelst aber auch gantz frey und unverblühmt
Gesteht er hab’ es mehr als es verdient gepriesen.
Denn seine schrifft zehlt mich den teutschen dichtern bey
Mit der er mich beehrt als ich der weißheit orden
Zu Leipzig nechst bekam: Ich bin bey meiner treu
Gleich wie mein nahme ist recht roth darüber worden.
Vor mich ist dieser ruhm zu hoch doch spreche ich;
Wo meine stimpeley iemanden kan gefallen:
Mein vorig lehrer-haupt herr Hoffmann lehrte mich
Als ich in Lauban war so reimen und so lallen.
Hab ichs gleich in der kunst kaum biß aufs B gebracht
So weiß ich doch daß das was ich bey ihm begriffen
Mir bey der schweren zeit noch manchen pfennig macht
Denn meine flöte hat nicht viel umsonst gepfiffen.
Nun wendet sich mein kiel zu unsern Edelmann
Und zu herr Guden hin. Jhr hochgeehrten beyde
Nehmt doch die freye art nicht etwan übel an
Leßt diesen brief geneigt bey eurer hochzeit-freude.
Ich mache zwar nicht gern mit schreiben viel verdruß;
Weil die gelegenheit mich aber gleichsam zwinget
Daß ich zu eurer lust euch glücke wünschen muß
So hab ich mir voraus vergebung ausgedinget.
Jhr sehet wie der Herr noch Günthers hauß vergnügt
Das hauß dem ich allzeit getreu verbunden lebe
Das hauß von dem mein glück geneigte blicke kriegt
Das hauß auf welches GOtt sein angesicht erhebe
Damit des seegens krafft bey ihm stets reichlich sey!
Das hauß das euch bereits mit weibern hat beglücket
Das hauß (hier fället mir die Prophezeyhung bey
Die ihm herr Gude einst zur hochzeit ward geschicket:
”Zwey schwestern liebeten zwey angenehme priester
”bey zweyen gaben sich zwey Con-Rectores an
”und von der fünfften schertzt das übrige geschwister;
”nun Dorchen kriegt wohl auch noch einen solchen man
So klang mein schertz und vers doch daß wir weiter gehn)
Das haus bey welchem itzt ein alter reim gedeyet
Den meine feder schrieb: Denn müst ihr nicht gestehn
Daß Doroihea recht wie ihre schwestern freyet?
Wenn ich ein dichter wär wie mich herr Hoffmann schilt
So wäre wohl mein schertz bey ihr nicht eingetroffen
Denn ein gedichte ist und bleibt ein falsches bild
Von dem was sich nur läst in den gedancken hoffen.
Ja nähm ich gleich den ruhm und titul von ihm an
So widerlegte mich doch jetzt mein eignes schreiben
Denn weil ich keinen vers wie andre dichten kan
So muß es nur indeß bey einem briefe bleiben.
Und dieser brief dünckt mich ist iedem eben recht
Weil ihr geehrten drey nicht ernste sachen treibet
Bey welchen ihr sonst nicht die arbeit unterbrecht
Wenn man euch so viel zeug in einem briefe schreibet.
Jhr sitzet ja wie mir die hoffnung prophezeyht
Jetzt nicht und sinnet nur auf eure ampts-geschäffte
Es hat wie Salomo spricht alles seine zeit
Bald zeigt man seinen fleiß bald sparet man die kräffte.
Bald muß man traurig thun bald wieder frölich seyn
Bald muß ein geistlicher die todten mit begraben
Bald aber segnet er ein liebes eh-paar ein
Und kan bey ihrer lust auch einen antheil haben.
Bald füllet er mit trost die krancken seelen an
Bald muß er das gesetz bey den verstockten schärffen
Bald stelt er sünden für wie Nathan dort gethan
Und muß den harten stab des wehes um sich werffen
Bald aber brauchet er dafür den sanfften stab
Und solche wechselung läst auch ein schul-manu mercken;
Jetzt nimmt man den verdruß aus seinen minen ab
Jetzt aber kan ihn auch ein frohes stündgen stärcken.
Wiewohl das junge volck ist wie ein bienen-schwarm;
Da hat er seine noth mit a b c studenten
Die machen offtermahls ihm kopf und stube warm
Und lebt bey solcher müh doch gar von schlechten renten.
Wird auch ein Rector gleich bißweilen noch verschont
Das er nicht immer sich darf mit den kleinen blacken
So wird ihm doch die müh viel besser nicht belohnt
Da sitzt den grossen offt der hencker in den nacken.
Wenn sie nur in das buch der zwey scharwentzel sehn
Wenn sie Ovidium von liebes-künsten lesen
Und bey dem Bacho sind biß früh die hähne krähn
Da wird des Rectors ampt erst ein beschwerlich wesen.
Jedoch zu Lauban giebts dergleichen unkraut nicht
Herr Hoffmann hat den ruhm als Rector sich erworben
Daß sich sein Musen-volck nach seinen lehren richt
Die liederliche brut ist meistens ausgestorben.
Wer sich von lauban aus zu unsern linden naht
Der macht noch immerfort gelückliche progressen
Und wenn man endlich fragt wem ers zu dancken hat
So pfleget ers nechst GOtt den lehrern beyzumessen.
Darunter man voraus die beyden höchsten nennt
Weil die den ersten bau der anderen vollenden:
Ob auch herr Gude schon sein rühmliches talent
Nicht mehr gleich wie bißher wird auf die schule wenden
So hat er doch genug wenn er den ruhm bedenckt
Daß er sein vorig ampt sieht einen überkommen
Den er mit weißheit selbst vor diesen hat getränckt
Und der noch unter ihn an künsten zugenommen.
Wie diesen nun sein ampt bereits ertheilet ist
So wird er künfftig ihm in andern auch nicht weichen
Wie er denn heute schon dieselbe liebste küßt
Die sich den stamme nach mit seiner läst vergleichen.
Denn diese gönnet ihm das Güntherische hauß
Vor welches tag und nacht vier schwieger-söhne beten;
Der fünffte aber hält ietzt seinen hochzeit schmauß
Und wird ins künfftige mit in die reihe treten.
Gott lasse sie allzeit in seinen seegen stehn!
Herr Hoffmann sey beglückt in allen seinen wercken!
Und Edelmannen muß es stets nach wunsche gehn!
Herr Guden wolle GOtt im neuen ampte stärcken!
Herr Neun Hertz der vielleicht mit an der tafel sitzt
Wo ihr geehrten drey seyd heute froh erschienen
Sonst aber in der näh der kirchen GOttes nützt
Den lasse neben euch der HErr in seegen grünen!
Vor braut und bräutigam schreibt diesesmahl mein kiel
Kein eigenes gedicht noch ein besonders Carmen
Weil ich dafür von GOtt beständig bitten wil;
Er lasse sie vergnügt ein ander stets umarmen!
Und also lebet wohl gesegnet und vergnügt
Wem auch noch unter euch das glücke angehöret
Daß eine Güntherin ihm an der seite liegt
Die werde noch von mir durch einen gruß beehret.
Gleich ietzo fället mir noch eines in den sinn
Da ich den schlechten brief will werthen gönner schliessen:
Herr
Wüntscht euch viel Gutes an und läst euch schuldigst grüssen.
Wofern euch dieser gruß nicht gantz zu wider ist
So helfft des gönners glück durch beten unterhalten
Daß er noch lange jahr des seegens krafft geniest
Und seine ämpter treu und redlich kan verwalten!
Inzwischen bleibet mir gewogen und geneigt
Hat mir der weite weg bißhero gleich verboten
Daß euer diener sich nie gegenwärtig zeigt
So heiß’ ich doch entfernt mich euern treuen R--