Schreiben an Hn. M. G. Hoffmann und etliche andere gönner bey gelegen- heit der ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Hochwerthen gönner laßt ach lasset mir doch zu

Daß ich euch einen brief mag für die augen legen

Und daß da ich den dienst aus treuem hertzen thu

Sich darf mein sayten-spiel bey euern freuden regen

Mein schlechtes sayten-spiel das zwar die ehre rühmt

Die er herr Hoffmann ihm vor kurtzem hat erwiesen;

Jmmittelst aber auch gantz frey und unverblühmt

Gesteht er hab’ es mehr als es verdient gepriesen.

Denn seine schrifft zehlt mich den teutschen dichtern bey

Mit der er mich beehrt als ich der weißheit orden

Zu Leipzig nechst bekam: Ich bin bey meiner treu

Gleich wie mein nahme ist recht roth darüber worden.

Vor mich ist dieser ruhm zu hoch doch spreche ich;

Wo meine stimpeley iemanden kan gefallen:

Mein vorig lehrer-haupt herr Hoffmann lehrte mich

Als ich in Lauban war so reimen und so lallen.

Hab ichs gleich in der kunst kaum biß aufs B gebracht

So weiß ich doch daß das was ich bey ihm begriffen

Mir bey der schweren zeit noch manchen pfennig macht

Denn meine flöte hat nicht viel umsonst gepfiffen.

Nun wendet sich mein kiel zu unsern Edelmann

Und zu herr Guden hin. Jhr hochgeehrten beyde

Nehmt doch die freye art nicht etwan übel an

Leßt diesen brief geneigt bey eurer hochzeit-freude.

Ich mache zwar nicht gern mit schreiben viel verdruß;

Weil die gelegenheit mich aber gleichsam zwinget

Daß ich zu eurer lust euch glücke wünschen muß

So hab ich mir voraus vergebung ausgedinget.

Jhr sehet wie der Herr noch Günthers hauß vergnügt

Das hauß dem ich allzeit getreu verbunden lebe

Das hauß von dem mein glück geneigte blicke kriegt

Das hauß auf welches GOtt sein angesicht erhebe

Damit des seegens krafft bey ihm stets reichlich sey!

Das hauß das euch bereits mit weibern hat beglücket

Das hauß (hier fället mir die Prophezeyhung bey

Die ihm herr Gude einst zur hochzeit ward geschicket:

”Zwey schwestern liebeten zwey angenehme priester

”bey zweyen gaben sich zwey Con-Rectores an

”und von der fünfften schertzt das übrige geschwister;

”nun Dorchen kriegt wohl auch noch einen solchen man

So klang mein schertz und vers doch daß wir weiter gehn)

Das haus bey welchem itzt ein alter reim gedeyet

Den meine feder schrieb: Denn müst ihr nicht gestehn

Daß Doroihea recht wie ihre schwestern freyet?

Wenn ich ein dichter wär wie mich herr Hoffmann schilt

So wäre wohl mein schertz bey ihr nicht eingetroffen

Denn ein gedichte ist und bleibt ein falsches bild

Von dem was sich nur läst in den gedancken hoffen.

Ja nähm ich gleich den ruhm und titul von ihm an

So widerlegte mich doch jetzt mein eignes schreiben

Denn weil ich keinen vers wie andre dichten kan

So muß es nur indeß bey einem briefe bleiben.

Und dieser brief dünckt mich ist iedem eben recht

Weil ihr geehrten drey nicht ernste sachen treibet

Bey welchen ihr sonst nicht die arbeit unterbrecht

Wenn man euch so viel zeug in einem briefe schreibet.

Jhr sitzet ja wie mir die hoffnung prophezeyht

Jetzt nicht und sinnet nur auf eure ampts-geschäffte

Es hat wie Salomo spricht alles seine zeit

Bald zeigt man seinen fleiß bald sparet man die kräffte.

Bald muß man traurig thun bald wieder frölich seyn

Bald muß ein geistlicher die todten mit begraben

Bald aber segnet er ein liebes eh-paar ein

Und kan bey ihrer lust auch einen antheil haben.

Bald füllet er mit trost die krancken seelen an

Bald muß er das gesetz bey den verstockten schärffen

Bald stelt er sünden für wie Nathan dort gethan

Und muß den harten stab des wehes um sich werffen

Bald aber brauchet er dafür den sanfften stab

Und solche wechselung läst auch ein schul-manu mercken;

Jetzt nimmt man den verdruß aus seinen minen ab

Jetzt aber kan ihn auch ein frohes stündgen stärcken.

Wiewohl das junge volck ist wie ein bienen-schwarm;

Da hat er seine noth mit a b c studenten

Die machen offtermahls ihm kopf und stube warm

Und lebt bey solcher müh doch gar von schlechten renten.

Wird auch ein Rector gleich bißweilen noch verschont

Das er nicht immer sich darf mit den kleinen blacken

So wird ihm doch die müh viel besser nicht belohnt

Da sitzt den grossen offt der hencker in den nacken.

Wenn sie nur in das buch der zwey scharwentzel sehn

Wenn sie Ovidium von liebes-künsten lesen

Und bey dem Bacho sind biß früh die hähne krähn

Da wird des Rectors ampt erst ein beschwerlich wesen.

Jedoch zu Lauban giebts dergleichen unkraut nicht

Herr Hoffmann hat den ruhm als Rector sich erworben

Daß sich sein Musen-volck nach seinen lehren richt

Die liederliche brut ist meistens ausgestorben.

Wer sich von lauban aus zu unsern linden naht

Der macht noch immerfort gelückliche progressen

Und wenn man endlich fragt wem ers zu dancken hat

So pfleget ers nechst GOtt den lehrern beyzumessen.

Darunter man voraus die beyden höchsten nennt

Weil die den ersten bau der anderen vollenden:

Ob auch herr Gude schon sein rühmliches talent

Nicht mehr gleich wie bißher wird auf die schule wenden

So hat er doch genug wenn er den ruhm bedenckt

Daß er sein vorig ampt sieht einen überkommen

Den er mit weißheit selbst vor diesen hat getränckt

Und der noch unter ihn an künsten zugenommen.

Wie diesen nun sein ampt bereits ertheilet ist

So wird er künfftig ihm in andern auch nicht weichen

Wie er denn heute schon dieselbe liebste küßt

Die sich den stamme nach mit seiner läst vergleichen.

Denn diese gönnet ihm das Güntherische hauß

Vor welches tag und nacht vier schwieger-söhne beten;

Der fünffte aber hält ietzt seinen hochzeit schmauß

Und wird ins künfftige mit in die reihe treten.

Gott lasse sie allzeit in seinen seegen stehn!

Herr Hoffmann sey beglückt in allen seinen wercken!

Und Edelmannen muß es stets nach wunsche gehn!

Herr Guden wolle GOtt im neuen ampte stärcken!

Herr Neun Hertz der vielleicht mit an der tafel sitzt

Wo ihr geehrten drey seyd heute froh erschienen

Sonst aber in der näh der kirchen GOttes nützt

Den lasse neben euch der HErr in seegen grünen!

Vor braut und bräutigam schreibt diesesmahl mein kiel

Kein eigenes gedicht noch ein besonders Carmen

Weil ich dafür von GOtt beständig bitten wil;

Er lasse sie vergnügt ein ander stets umarmen!

Und also lebet wohl gesegnet und vergnügt

Wem auch noch unter euch das glücke angehöret

Daß eine Güntherin ihm an der seite liegt

Die werde noch von mir durch einen gruß beehret.

Gleich ietzo fället mir noch eines in den sinn

Da ich den schlechten brief will werthen gönner schliessen:

Herr

Wüntscht euch viel Gutes an und läst euch schuldigst grüssen.

Wofern euch dieser gruß nicht gantz zu wider ist

So helfft des gönners glück durch beten unterhalten

Daß er noch lange jahr des seegens krafft geniest

Und seine ämpter treu und redlich kan verwalten!

Inzwischen bleibet mir gewogen und geneigt

Hat mir der weite weg bißhero gleich verboten

Daß euer diener sich nie gegenwärtig zeigt

So heiß’ ich doch entfernt mich euern treuen R--