Schreiben einer Hertzogin an ihren Gemahl an dessen nah- mens-feste.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wer fich der cronen gold und scepter läst verblenden

Wer Fürsten allzuhoch und mehr denn seelig schätzt

Der weiß nicht wie so schwer der scepter in den händen

Und daß offt manche noth auf cronen schwerdter wetzt

Die cron ist eine last die nicht ein ieder träget

Der scepter tocken-werck ist eine leere pracht.

Wenn ein gekrönter Printz den purpur angeleget

So spürt er daß man ihn hab an ein joch gebracht.

Die Fürsten dieser welt sind Götter dieser erden

Weil ihnen die natur pflantzt was besonders ein

Und müssen doch das ziel der unglücks-pfei e werden

Der sorgen sammel-platz des kummers sclaven seyn.

Wie offtmahls scheitern sie an steifen schiffbruchs-klippen.

Wenn der Sirenen lied die sinnen eingewiegt

Wie offt treugt sie ein freund bey dem auf seichten lippen

Die miß-geburt der lieb und gall im hertzen liegt.

Mag ihnen ja zu nacht der schlaf zu theile werden

So können sie doch nicht so unberuhigt seyn.

Als die so ihren leib vertraun der harten erden

Jhr goldgestücktes bett wird offt zu einem stein.

Wenn mit der braunen nacht Diane sich verborgen;

Wenn der Aurora treufft der purpur aus der hand

So ist das ziel der ruh der antritt zu den sorgen.

Es folgt viel wermuth-safft auf wenig zuckerkand.

Fürstinnen mögen diß mit wurm-gespinsten decken

Was in den warmen schnee gewindelt die natur

Was blut zur farb entlehnt von theuren purpur-schnecken

Und keusch-verliebten zeugt die mittel ihrer cur

Es schminck ein theurer staub die reich-gerolten haare

Der seelen schönes hauß ein Demant-schwangers kleid.

Jhr hertz gebrauche sich der lust der kräfftgen jahre

Sie sind von kummer doch und sorgen nicht befreyt

Die wollust selbst verweist sie öffters zu den schmertzen

Wenn die vergnügung hat ihr auge zugedrückt.

Jm traur-saal leuchten offt die schönsten hochzeit-kertzen.

Das hertz hült sich in boy wenn gold die glieder schmückt.

Sie küssen offt den tag benetzt mit tausend thränen

Und legen sich zu nacht mit thränen auch zur ruh.

Und wenn sie öffters sich erst recht zu leben sehnen

So drückt der grimme tod die augen ihnen zu.

Mein eintzig aufenthalt und leitstern meiner sinnen

Mein süsser augen-trost den meine seele liebt

Die thränen die anitzt aus unsern augen rinnen

Sind zeugen daß die welt uns wenig rosen giebt.

Den schönsten ehren-krantz hat uns der HErr gebunden

Der über Printzen herrscht der unsre tage zählt

Und unser hertze fühlt doch allzeit frische wunden

Es hat die wehmuth uns zu ihrem sitz erwählt.

Es muß mein hertze zwar in zweyen cörpern leben

Und ein gefangener der süssen wollust seyn.

Dich hat der Höchste mir zum augen-ziel gegeben.

Die armen schlingen mich mit tausend freuden ein.

Des leibes gaben muß iedwede zunge rühmen

Weil milch und blut vermischt dir im gesichte schwimmt.

Es mag der sternen heer den himmels-garten blühmen

Hier ist ein sternen-paar das noch weit höher glimmt.

Die purpur-lippen sind ein köcher voller pfeile

Durch die ich ward und werd aufs heftigste verwundt.

Mein hertze wird verstrickt durch feste liebes-seile

Wenn rosen von sich streut dein labsal-voller mund.

Hast du gleich nicht den leib in blancken stahl geschlossen

Dich auf den krausen jäscht der wellen nicht gewagt

Und vor das vaterland das frische blut vergossen

So hast du doch viel ruhm durch manchen streit erjagt.

Du prangest als ein Held mit schönen sieges-fahnen

Weil du die böse lust im hertzen nicht erfüllt

Du bist der Fürsten preiß ein schmuck der hohen ahnen

Deß nähsten blutes zier der tugend ebenbild.

Dein hertz ist nicht gesinnt der erden anzukleben

Du hast dir selbst zum ziel den himmel ausgestellt.

Du hast in deiner brust was dich heist heilig leben

Die edle gottesfurcht das wildpret dieser welt.

Weil du Minervens milch von kind auf hast gesogen

Sophia dich gedrückt an ihre liebes-brust

Und Suada auf der burg der lippen eingezogen

So hast du noch an kunst und büchern deine lust.

Du hast dir beygelegt das kleinod grüner jugend.

Die sanfftmuth wurtzelt fest in deinem hertzen ein

Du liebst die freundlichkeit die himmel-hohe tugend.

In den geberden spielt ein heisser sonnenschein.

Asträa leget dir die wage zu den füssen

Und hat das heilge schwerdt dir gleichfals zugestellt.

Wenn du (ich wünsche spät ) wirst deinen lauf beschliessen

So wird dich rühmen die noch ungeborne welt

So hat noch überdiß ein gleich-gemeintes sinnen

In unser seel und brust der Printzen Fürst gelegt

Er heisset uns das glück auch göldne faden spinnen

Weil unser liebes-baum gewünschte früchte trägt

Ach aber! wie so sehr wird uns vergält die würde

Darein uns der gesetzt der reich und kronen giebt.

Der hohe stand dient uns zu einer schweren bürde

Den offt ein lüsternd aug als einen abgott liebt.

Uns heist der unterthan auf kummer-diesteln liegen.

Er schläft wenn uns das hertz der wurm der sorgen frist.

Die reine lust so uns ist mächtig zu vergnügen

Entschlüpfet ehe wir sie noch kaum recht gegrüst.

Drey pflantzen keuscher eh die allerbesten schätze

Sind in das finstre grab in kurtzer zeit geschickt.

Sie haben wie so scharf der sterblichkeit gesetze

Erfahren da sie kaum die welt recht angeblickt.

Wer jauchtzte nicht als ich den ersten Printz gebohren

Als meine freuden-thrän’ auf dessen wangen floß

Der zu des landes trost und hofnung schien erkohren

Und sich noch mehr diß hauß erbaut aus meiner schoos.

Die grosse lust ist nun (ach leider!) gantz verschwunden

Weil unser fleisch und blut in finstern schacht gelegt

Weil ihr frühzeitger todt macht eusserst tiefe wunden

Und ihr gedächtnüß uns tief in das hertz geprägt.

Die anmuth will nicht mehr auf meinen wangen spielen

Weil sie der augen-brunn mit heissen thränen wäscht.

Die blitze müssen sich verliehren und abkühlen

Weil meiner sonnen licht in thränen fast verlöscht.

Mein engel schöner schatz du helffte meiner seelen

Die ich vor alles gold und perlen setzen muß

Es läst auch dich der schmertz die wehmuth nicht verhöhlen

Du schwölst mit thränen auf der thränen strengen flus.

Es kan uns niemand auch ümb dieses leid verdencken

Weil sich des alters trost und stab zur erden neigt.

Denn wen ein solcher riß nicht hertzlich wolte kräncken

Den hätt ein wolf ernährt ein tyger-thier gesäugt.

Was aber lassen wir uns doch den schmertz verführen

Und überschwemmen gantz das thränen nasse-kleid

Die todten kan man nicht mit thränen balsamiren

Durch zu viel thränen wird ihr schlaf-gemach entweiht.

Weil in der unschuld nicht der erste mensch geblieben

So ist die sünd in uns und dieser solt der todt:

Drum werden kinder auch ins leichen-buch geschrieben

Ob sie gleich nicht gekost der trübsal herbes brodt

Man wird mit dem beding auf diese welt gebohren

Daß man diß tragen will was Gott beschlossen hat.

Weil sich nun todt und fall auf unser fleisch verschworen

Weswegen tadeln wir des allerhöchsten rath?

Wir arme menschen sind ein wohnhauß grimmer schmertzen

Ein schau-platz herber angst ein gauckelspiel der zeit.

Offt wenn das glück uns küst geht schon der dolch zum hertzen.

Es folgt auf kurtze lust sehr oft ein scharfes leid.

Es hält der enge leib die mutter uns gefangen

Wir sind (wie jener schreibt) wenn wir diß licht erblickt

Auch schon in neue band und kercker eingegangen

Weil angst und schwere noth mit strengen fässeln drückt.

Wir müssen noth und tod bey uns im busen tragen

So lang unß ärmst alhier der grundt der erden trägt

Dann ist der schmertzen ziel das ende grimmer plagen

Wenn wir das morsche kleid des leibes abgelegt

Beglückt ist der nicht darf ein ball des glückes werden

Und dieses leben nicht mit thränen-saltz ernährt

Der eh er einen fuß kan setzen auf die erden

Bald aus der mutter schooß zu GOtt im himmel fährt.

Mein kind mein süsses licht laß diß die thränen stillen

Und dencke daß diß creutz von dessen hand herrührt

Der mit uns handeln will nach seinem heilgen willen

Und der uns wie das gold durch so viel pein probirt.

Die stützen unsers stamms sind uns voran gegangen

Das lamm bekrönet sie mit ehre freud und glantz

Sie trocknen nicht wie wir die thränen-nassen wangen

Jhr Fürstenhut beschämt der Ariadnen-krantz.

Sie schleppen nicht wie wir die schwere last der sünden

Jhr schönes ehren-kleid ist reiner als der schnee

Wir werden sie vergnügt vor JEsus antlitz finden

Wenn unser tod einst wird besiegeln alles weh.

Indessen wird uns der die creutz-last helfen tragen

Der uns so öffters schenckt den thränen-becher ein.

Wenn uns die vaters-hand wird tiefe wunden schlagen

So wird er auch der artzt sein wort das pflaster seyn.

Gleich wie nach langer nacht und dicken finsternissen

Wenn die Dietynn erblast die morgen-röthe lacht

Und jeder sich bemüht den neuen tag zu grüssen

Das auge dieser welt die edle sonn erwacht.

Wie wann der rauhe grimm des winters sich geleget

Der harte dornen-strauch erneute rosen zeigt.

Wie wenn bey schwartzer nacht der sturm die see beweget

Der Nord-stern an den Pol mit holdem glantze steigt.

So wird uns auch die lust nicht stets den rücken weisen

Es wird auf finstre nacht erfolgen sonnen-schein.

Wenn uns wird noth und leid mit trüben thränen speisen

So wird auch wiederümb sich freude stellen ein.

Mein engel dieser tag der sich hat wieder funden

Nach GOttes rath schluß ist ein bote süsser lust.

Er will ein pflaster seyn auf unsre tieffe wunden

Er heist die sorgen ziehn aus der beklemten brust.

Wolan! ergreiffe diß was dir der himmel giebet

Und gönne deinem schatz dein lieblich angesicht.

Daß mond und sternen trotzt und meine seele liebet

Weil Titan dich bestrahlt mit freuden-hellem licht.

Die Dido mag vergnügt bey dem Aeneas tischen.

Dein sanffter blick ist mir das niedlichste confect

Mein flammend hertze kan kein julep so erfrischen

Als dein verbündlich kuß der nach dem hertzen schmeckt

Gott lasse dich noch offt den süssen tag ergetzen

Er schütt auff dich und mich das horn des seegens aus.

Er wolle den verlust der dreyen zweig ersetzen

Er überschilde dich und dein Durchlauchtes hauß.

Inzwischen werd ich dich stets hertz-inbrünstig lieben

So lang ein tropfen blut in meinen adern qvilt.

Du bist mein engel mir so tief ins hertz geschrieben

Daß mir nichts rauben kan dein schönes ebenbild.

Ich werde mich erfreun wird dich die sonn anlachen

Auch bey dir stets im creutz als mitgeferten stehn

Und wenn der letzte tag mit mir wird abend machen

So werd ich so Gott will vor an in himmel gehn.