Schreiben einer Hertzogin an ihren Gemahl an dessen nah- mens-feste.
Wer fich der cronen gold und scepter läst verblenden
Wer Fürsten allzuhoch und mehr denn seelig schätzt
Der weiß nicht wie so schwer der scepter in den händen
Und daß offt manche noth auf cronen schwerdter wetzt
Die cron ist eine last die nicht ein ieder träget
Der scepter tocken-werck ist eine leere pracht.
Wenn ein gekrönter Printz den purpur angeleget
So spürt er daß man ihn hab an ein joch gebracht.
Die Fürsten dieser welt sind Götter dieser erden
Weil ihnen die natur pflantzt was besonders ein
Und müssen doch das ziel der unglücks-pfei e werden
Der sorgen sammel-platz des kummers sclaven seyn.
Wie offtmahls scheitern sie an steifen schiffbruchs-klippen.
Wenn der Sirenen lied die sinnen eingewiegt
Wie offt treugt sie ein freund bey dem auf seichten lippen
Die miß-geburt der lieb und gall im hertzen liegt.
Mag ihnen ja zu nacht der schlaf zu theile werden
So können sie doch nicht so unberuhigt seyn.
Als die so ihren leib vertraun der harten erden
Jhr goldgestücktes bett wird offt zu einem stein.
Wenn mit der braunen nacht Diane sich verborgen;
Wenn der Aurora treufft der purpur aus der hand
So ist das ziel der ruh der antritt zu den sorgen.
Es folgt viel wermuth-safft auf wenig zuckerkand.
Fürstinnen mögen diß mit wurm-gespinsten decken
Was in den warmen schnee gewindelt die natur
Was blut zur farb entlehnt von theuren purpur-schnecken
Und keusch-verliebten zeugt die mittel ihrer cur
Es schminck ein theurer staub die reich-gerolten haare
Der seelen schönes hauß ein Demant-schwangers kleid.
Jhr hertz gebrauche sich der lust der kräfftgen jahre
Sie sind von kummer doch und sorgen nicht befreyt
Die wollust selbst verweist sie öffters zu den schmertzen
Wenn die vergnügung hat ihr auge zugedrückt.
Jm traur-saal leuchten offt die schönsten hochzeit-kertzen.
Das hertz hült sich in boy wenn gold die glieder schmückt.
Sie küssen offt den tag benetzt mit tausend thränen
Und legen sich zu nacht mit thränen auch zur ruh.
Und wenn sie öffters sich erst recht zu leben sehnen
So drückt der grimme tod die augen ihnen zu.
Mein eintzig aufenthalt und leitstern meiner sinnen
Mein süsser augen-trost den meine seele liebt
Die thränen die anitzt aus unsern augen rinnen
Sind zeugen daß die welt uns wenig rosen giebt.
Den schönsten ehren-krantz hat uns der HErr gebunden
Der über Printzen herrscht der unsre tage zählt
Und unser hertze fühlt doch allzeit frische wunden
Es hat die wehmuth uns zu ihrem sitz erwählt.
Es muß mein hertze zwar in zweyen cörpern leben
Und ein gefangener der süssen wollust seyn.
Dich hat der Höchste mir zum augen-ziel gegeben.
Die armen schlingen mich mit tausend freuden ein.
Des leibes gaben muß iedwede zunge rühmen
Weil milch und blut vermischt dir im gesichte schwimmt.
Es mag der sternen heer den himmels-garten blühmen
Hier ist ein sternen-paar das noch weit höher glimmt.
Die purpur-lippen sind ein köcher voller pfeile
Durch die ich ward und werd aufs heftigste verwundt.
Mein hertze wird verstrickt durch feste liebes-seile
Wenn rosen von sich streut dein labsal-voller mund.
Hast du gleich nicht den leib in blancken stahl geschlossen
Dich auf den krausen jäscht der wellen nicht gewagt
Und vor das vaterland das frische blut vergossen
So hast du doch viel ruhm durch manchen streit erjagt.
Du prangest als ein Held mit schönen sieges-fahnen
Weil du die böse lust im hertzen nicht erfüllt
Du bist der Fürsten preiß ein schmuck der hohen ahnen
Deß nähsten blutes zier der tugend ebenbild.
Dein hertz ist nicht gesinnt der erden anzukleben
Du hast dir selbst zum ziel den himmel ausgestellt.
Du hast in deiner brust was dich heist heilig leben
Die edle gottesfurcht das wildpret dieser welt.
Weil du Minervens milch von kind auf hast gesogen
Sophia dich gedrückt an ihre liebes-brust
Und Suada auf der burg der lippen eingezogen
So hast du noch an kunst und büchern deine lust.
Du hast dir beygelegt das kleinod grüner jugend.
Die sanfftmuth wurtzelt fest in deinem hertzen ein
Du liebst die freundlichkeit die himmel-hohe tugend.
In den geberden spielt ein heisser sonnenschein.
Asträa leget dir die wage zu den füssen
Und hat das heilge schwerdt dir gleichfals zugestellt.
Wenn du (ich wünsche spät ) wirst deinen lauf beschliessen
So wird dich rühmen die noch ungeborne welt
So hat noch überdiß ein gleich-gemeintes sinnen
In unser seel und brust der Printzen Fürst gelegt
Er heisset uns das glück auch göldne faden spinnen
Weil unser liebes-baum gewünschte früchte trägt
Ach aber! wie so sehr wird uns vergält die würde
Darein uns der gesetzt der reich und kronen giebt.
Der hohe stand dient uns zu einer schweren bürde
Den offt ein lüsternd aug als einen abgott liebt.
Uns heist der unterthan auf kummer-diesteln liegen.
Er schläft wenn uns das hertz der wurm der sorgen frist.
Die reine lust so uns ist mächtig zu vergnügen
Entschlüpfet ehe wir sie noch kaum recht gegrüst.
Drey pflantzen keuscher eh die allerbesten schätze
Sind in das finstre grab in kurtzer zeit geschickt.
Sie haben wie so scharf der sterblichkeit gesetze
Erfahren da sie kaum die welt recht angeblickt.
Wer jauchtzte nicht als ich den ersten Printz gebohren
Als meine freuden-thrän’ auf dessen wangen floß
Der zu des landes trost und hofnung schien erkohren
Und sich noch mehr diß hauß erbaut aus meiner schoos.
Die grosse lust ist nun (ach leider!) gantz verschwunden
Weil unser fleisch und blut in finstern schacht gelegt
Weil ihr frühzeitger todt macht eusserst tiefe wunden
Und ihr gedächtnüß uns tief in das hertz geprägt.
Die anmuth will nicht mehr auf meinen wangen spielen
Weil sie der augen-brunn mit heissen thränen wäscht.
Die blitze müssen sich verliehren und abkühlen
Weil meiner sonnen licht in thränen fast verlöscht.
Mein engel schöner schatz du helffte meiner seelen
Die ich vor alles gold und perlen setzen muß
Es läst auch dich der schmertz die wehmuth nicht verhöhlen
Du schwölst mit thränen auf der thränen strengen flus.
Es kan uns niemand auch ümb dieses leid verdencken
Weil sich des alters trost und stab zur erden neigt.
Denn wen ein solcher riß nicht hertzlich wolte kräncken
Den hätt ein wolf ernährt ein tyger-thier gesäugt.
Was aber lassen wir uns doch den schmertz verführen
Und überschwemmen gantz das thränen nasse-kleid
Die todten kan man nicht mit thränen balsamiren
Durch zu viel thränen wird ihr schlaf-gemach entweiht.
Weil in der unschuld nicht der erste mensch geblieben
So ist die sünd in uns und dieser solt der todt:
Drum werden kinder auch ins leichen-buch geschrieben
Ob sie gleich nicht gekost der trübsal herbes brodt
Man wird mit dem beding auf diese welt gebohren
Daß man diß tragen will was Gott beschlossen hat.
Weil sich nun todt und fall auf unser fleisch verschworen
Weswegen tadeln wir des allerhöchsten rath?
Wir arme menschen sind ein wohnhauß grimmer schmertzen
Ein schau-platz herber angst ein gauckelspiel der zeit.
Offt wenn das glück uns küst geht schon der dolch zum hertzen.
Es folgt auf kurtze lust sehr oft ein scharfes leid.
Es hält der enge leib die mutter uns gefangen
Wir sind (wie jener schreibt) wenn wir diß licht erblickt
Auch schon in neue band und kercker eingegangen
Weil angst und schwere noth mit strengen fässeln drückt.
Wir müssen noth und tod bey uns im busen tragen
So lang unß ärmst alhier der grundt der erden trägt
Dann ist der schmertzen ziel das ende grimmer plagen
Wenn wir das morsche kleid des leibes abgelegt
Beglückt ist der nicht darf ein ball des glückes werden
Und dieses leben nicht mit thränen-saltz ernährt
Der eh er einen fuß kan setzen auf die erden
Bald aus der mutter schooß zu GOtt im himmel fährt.
Mein kind mein süsses licht laß diß die thränen stillen
Und dencke daß diß creutz von dessen hand herrührt
Der mit uns handeln will nach seinem heilgen willen
Und der uns wie das gold durch so viel pein probirt.
Die stützen unsers stamms sind uns voran gegangen
Das lamm bekrönet sie mit ehre freud und glantz
Sie trocknen nicht wie wir die thränen-nassen wangen
Jhr Fürstenhut beschämt der Ariadnen-krantz.
Sie schleppen nicht wie wir die schwere last der sünden
Jhr schönes ehren-kleid ist reiner als der schnee
Wir werden sie vergnügt vor JEsus antlitz finden
Wenn unser tod einst wird besiegeln alles weh.
Indessen wird uns der die creutz-last helfen tragen
Der uns so öffters schenckt den thränen-becher ein.
Wenn uns die vaters-hand wird tiefe wunden schlagen
So wird er auch der artzt sein wort das pflaster seyn.
Gleich wie nach langer nacht und dicken finsternissen
Wenn die Dietynn erblast die morgen-röthe lacht
Und jeder sich bemüht den neuen tag zu grüssen
Das auge dieser welt die edle sonn erwacht.
Wie wann der rauhe grimm des winters sich geleget
Der harte dornen-strauch erneute rosen zeigt.
Wie wenn bey schwartzer nacht der sturm die see beweget
Der Nord-stern an den Pol mit holdem glantze steigt.
So wird uns auch die lust nicht stets den rücken weisen
Es wird auf finstre nacht erfolgen sonnen-schein.
Wenn uns wird noth und leid mit trüben thränen speisen
So wird auch wiederümb sich freude stellen ein.
Mein engel dieser tag der sich hat wieder funden
Nach GOttes rath schluß ist ein bote süsser lust.
Er will ein pflaster seyn auf unsre tieffe wunden
Er heist die sorgen ziehn aus der beklemten brust.
Wolan! ergreiffe diß was dir der himmel giebet
Und gönne deinem schatz dein lieblich angesicht.
Daß mond und sternen trotzt und meine seele liebet
Weil Titan dich bestrahlt mit freuden-hellem licht.
Die Dido mag vergnügt bey dem Aeneas tischen.
Dein sanffter blick ist mir das niedlichste confect
Mein flammend hertze kan kein julep so erfrischen
Als dein verbündlich kuß der nach dem hertzen schmeckt
Gott lasse dich noch offt den süssen tag ergetzen
Er schütt auff dich und mich das horn des seegens aus.
Er wolle den verlust der dreyen zweig ersetzen
Er überschilde dich und dein Durchlauchtes hauß.
Inzwischen werd ich dich stets hertz-inbrünstig lieben
So lang ein tropfen blut in meinen adern qvilt.
Du bist mein engel mir so tief ins hertz geschrieben
Daß mir nichts rauben kan dein schönes ebenbild.
Ich werde mich erfreun wird dich die sonn anlachen
Auch bey dir stets im creutz als mitgeferten stehn
Und wenn der letzte tag mit mir wird abend machen
So werd ich so Gott will vor an in himmel gehn.