Schreiben eines Hertzogs an seine Gemahlin an dero Nah- mens-Feste.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein hertz mein schatz mein licht mein auserwehltes

leben

Wie sehr dein liebster brief mich unlängst hat erquickt

Davon kan aug und mund ein klares zeugniß geben

Weil ich an mund und aug ihn alsobald gedrückt

Ich spürte daß bey dir die liebes-rosen grünen

Es war der gantze May in deinen brief gesetzt

Die wörter rochen mir wie balsam von Jesminen

Deßwegen ward ich höchst durch deine schrifft ergetzt.

Die nahmen welche mir dein süsser kiel gegeben

Sind zunder grösser lieb und zeugen deiner glut.

Du nennest mich dein kind dein licht ich dich mein leben

Du nennst mich deinen Schatz ich dich mein höchstes gut.

Die antwort hast du hier diß was du mir geschrieben.

Ob gleich nicht kunst und witz aus diesen zeilen lacht

So laß dieselben doch zu lesen dir belieben

Weil sie dein halbes hertz hat zu papier gebracht.

Du klagst daß diese meist auf dorn und disteln sitzen

Die von der stoltzen höh der reichen ehre schaun

Die sich auf einen thron und einen scepter stützen

Und auf ein morsches eyß nicht schlechte thürme baun.

Du klagst auch daß auf uns nicht wenig schmertzen rennen

Daß stets der sorgen-wurm an uns als cedern klebt

Ob uns der pövel gleich muß erden-götter nennen

Der seinen kummer meist in sanffte ruh begräbt.

Wahr ists es führt ein printz ein leben-loses leben

Den aller Printzen Printz an seine stelle setzt

Der andern kan zur furcht den göldnen stab aufheben

Und den iedweder fast für einen abgott schätzt.

Denn ob den leib gleich kan ein theurer purpur schmücken

Sein balsamirtes haupt der crone gold bedeckt

So ist doch diß ein joch. Kein berg kan härter drücken

Als einer kronen schmuck und was im purpur steckt.

Er muß die meiste zeit in sorgen hier verbringen

Schneidt ihm ein knecht gleich nicht den lebens-faden ab

So muß doch jede spann ein frisches leid einschlingen

Die schönste lust findt offt in ihrer wieg ihr grab.

Dem wird thron kron und reich durch schlimmes recht entzogen.

Dem andern wenn sein grim auf menschen-blut verhetzt.

Der wird durch lust besiegt durch schmeicheley betrogen.

Ein ander schleifet selbst den stahl der ihn verletzt.

Ein Printz kan aber diß zu seinem troste fassen

Den GOtt so hoch gesetzt daß er selbst vor ihn wacht

Und diß wenn ihn das glück und süsse lust verlassen

Daß heller sonnenschein folgt auf die schwartze nacht.

Wahr ists ein Fürst muß offt am kummer-faden spinnen

Er wacht wenn sanffter schlaf vergnügt den unterthan

Es fehlt an sorgen nicht den schönsten Printzessinnen

Steckt gleich des höchsten arm die hochzeit-fackeln an.

Was aber ist zu thun bey so gestalten sachen?

Sie solln in noth getrost im creutz geduldig seyn

Denn wer die bürd ihm will durch unmuth leichter machen

Der streuet lilgen aus und erndtet disteln ein.

Mein auserwehltes kind ergib dich GOttes willen.

Die wunden die er schlägt verbindt auch seine hand.

Er weis die thränen uns zu rechter zeit zu stillen.

Das creutze das uns drückt ist seiner liebe pfand.

Wird gleich der sorgen wurm an meinem hertzen nagen

So bleib ich jederzeit dem himmel doch verpflicht.

Ich werde mit geduld stets meine bürde tragen

Weil mein erlöser mir ein ewig reich verspricht.

Und warümb solt ich nicht mein creutz geduldig leiden

Hat mir des schöpfers hand doch ein schön bild gemacht

Da ich die augen kan an solchen gliedern weyden

Wo stets die morgen-röth am weissen himmel lacht.

Ich meine dich mein kind und deine wunder-gaben

Mit denen die natur dich reichlich hat beschenckt.

Es mag den Jupiter der Ganymedes laben

Weil mich dein süsser mund mit besserm nectar tränckt.

Die Venus selbsten muß dich ihre Venus nennen

Für dero haupt-altar der kreiß der erden liegt

Und lernt sich allererst in deinem antlitz kennen.

Deßwegen hast du stets mein schmachtend hertz vergnügt

Wenn gleich in mitternacht kein einig stern aufgehet

So fehlts doch deinem schatz an hellen sternen nicht.

Der sternen schönstes paar das mir zu dienste stehet

Ist dein lieb-kosend mund und deiner wangen licht.

Das Parädieß der lüst entzündet brandt und flammen.

Die doppel sonn erquickt den sorgen-lassen geist.

Die armen schlingen mich und deinen leib zusammen

Wenn mich dein süsser mund mit Ambrosinen speist.

Die küsse würcken sehr da seel an seele klebet

Und aus des hertzens burg auf zung und lippe steigt

Mit diesem hastu mich mein engel offt belebet

Verzuckert herbes leid der unmuth vorgebeugt

Der edlen gärte schmuck kan nicht so bald verderben

Wenn Titans göldnes rad die grosse welt bestrahlt

Als holde schönheit kan in unsern gliedern sterben

Die ein Apelles nicht mit seinem pinsel mahlt.

Deßwegen hast du dir die schönheit außerkohren

Die ewig eine seel und unvergleichlich ziert.

Weil du aus theurem blut der fürsten bist gebohren

So hat die regun dich zur tugend stets geführt.

Ein tempel ist dein hertz da muß dein Heiland wohnen

Der durch sein theures blut den himmel aufgethan.

Weil er aus gnaden uns das gute will belohnen

So rührt dein finger nicht den koth der laster an.

Die lust der welt ist dir ein eckel und beschwerde

Dein aug erkiest ihm diß woran kein firnüs hafft

Damit dein reines hertz zu einem himmel werde

So zeigt ein vorschmack dir der ewgen wollust krafft.

Der gottheit eben-bild kan tugenden gebähren

Drum sprost aus diesem stam manch edler zweig bey dir.

Du hast der palmen art wenn lasten dich beschweren

Du bist der hofnung sitz der keuschheit glantz und zier.

Du bist der Fürsten blum die ehre kluger frauen

Der hohen ahnen ruhm die in viel schriften blühn

Die süsse freundlichkeit die stets bey dir zu schauen

Kan nach magneten art die hertzen an sich ziehn.

Ich will die tugenden nicht mit viel worten rühmen

Man schreibt sie ohne diß in sonnen-zirckel ein.

So lang ein heller stern den himmel wird beblühmen

So lange wird dein lob am leben fruchtbar seyn.

Zu dem so muß ich dir zu einer sonne dienen

Nach derer strahlen sich dein hertz zu lencken weis.

Die lieb umbzirckelt uns mit heilgen Cherubinen.

Die eintracht machet uns die eh zum Paradeiß.

Du klagst daß dir der feind des lebens hat genommen

Drey pflantzen keuscher eh die bürden deiner brust

Und tröstest dich damit daß sie in himmel kommen

Wo sie das lam beströmt mit ewig süsser lust.

Du weist daß sie zum schatz dein Heyland ihm erkohren

Drumb schickst du ihm diß pfand mit diesem seufzer zu:

Nim sie in deinen schoos dir hab ich sie gebohren

Hier ist angst noth und leid im himmel stete ruh.

Recht so! man muß sich nicht dem höchsten widersetzen.

Was er gibt nimmt er auch mit recht wenns ihm gefält

Das klee-blat schönster frucht ist höchst

Weil es ins Paradeiß versetzt aus dieser welt.

Jhr kläglicher verlust hat zwar die blassen wangen.

Mit thränen überschwemt die noch nicht trocken seyn.

Ich weiß auch daß ich mich durch thränen nicht vergangen

Weil selbst der himmel mir flöst diese tropfen ein.

Ich will mich aber nicht mit thränen mehr beschworen

Denn bey bekümmerten vermehren sie das leid.

Es muß das lebens-buch mir diesen trost gewehren

Daß solcher engel todt das thor zur seeligkeit.

Ich weis daß sich der todt nicht läst die hände binden

Der ahnen grauen ruhm der ehren hohen stand

Ich weiß auch daß ich sie bey JEsu werde finden

Wenn er mich holen wird zu sich ins vaterland.

Mein ewig eigenthum und meiner seelen sonne

Du bist der lichte stern der auch durch diese nacht

Mit hellen strahlen bricht und mir in süsser wonne

Die thränen trocknet ab aus wermut zucker macht.

So bald dein mund mir muß den zoll der liebe geben

Er sitzt im eignen quell der thränen strenge bach.

Ich seh mein fleisch und blut in deinem antlitz leben

Und wünsche dich befreyt von allem ungemach.

Versichre dich mein trost daß uns der höchste liebet

Weil unser hertze stets in seiner lieb entbrand

Weil er die seinigen erfreut die er betrübet

So wird uns auch aufs creutz die freude gehn zur hand.

Gleich wie nach banger nacht die welt die sonne mahlet

Wie nach dem winter sich die blumen stellen ein.

Und nach dem rauhen sturm der Nord-stern wieder strahlet;

So wird das leid zur lust ein antritt müssen seyn.

Du bittest daß ich mich der freude soll bedienen

Diß thu ich ebenfalls und zwar zu dieser zeit

Da dir ein süsser tag ist abermahls erschienen

Das auge dieser welt mit holdem glantz erfreut

Mein engel stecke doch im tempel deines hertzen

Der offt mit seuffzern wird und thränen angefült

Weil ihn creutz leid und noth und blasse sorgen schwärtzen

Den freuden-weyrauch an der leid und sorgen stilt.

Laß doch der augen paar mit holden blicken spielen

Wenn sich hat ausgeklärt dein trübes angesicht.

Laß mich doch allezeit ein freuden-zeichen fühlen

Wenn dir der anmuths-blitz aus deinen augen bricht.

Ein kräfftig himmel-brodt liegt auf den mund-rubinen

Jhr süsser safft sticht weg den allerbesten wein.

Mir muß ein winter auch der schnee mit rosen grünen

Wenn mich dein nelcken-mund läst blumen samlen ein.

Du glaubst nicht wie ich mich an deiner zier ergetze

Und wie dein reiner kuß mir in das hertze dringt.

Ich achte nichts der welt und aller ihrer schätze

Wenn mich dein lilgen arm in einen zirckel schlingt

Mein geist wohnt mehr in dir als in der leibes-höhle

Ich leb und lebe doch mein leben nur durch dich

Du bist mein Norden-stern und meiner seelen seele.

Was dich kränckt und erfreut kränckt und erfreut auch mich.

Ich wünsche dir noch offt dergleichen süsse stunden

Gott überschütte dich mit seegen glück und heil:

Denn wenn ein solcher tag sich wieder eingefunden

So hab ich an der lust desselben auch mein theil.

Gott lasse dich noch offt ein pfand der liebe küssen

Das adern fleisch und blut von dir und mir erlangt

Und das wenn es den lauf des lebens muß beschliessen

In sonnen-hellem glantz und Kayser-cronen prangt.

Nicht meine daß die lieb im hertzen werd erkalten

Das wie der Aetna stets viel flammen von sich schmeist.

Ich werde stets die lieb im hertzen unterhalten

So lang im cörper wohnt mein unbefleckter geist.

Die tugend hat bey uns der liebe grund geleget

Drum baut beständigkeit darauf ein festes hauß.

Dein ebenbild ist mir sehr tief ins hertz gepräget

Nichts als der grimme todt löscht solches bey mir aus.

Nicht wünsche daß ich dir die augen zu soll drücken

Dergleichen liebesdienst greift seel und hertzen an.

Du wirst mich hoffentlich voran zu grabe schicken.

Diß wünscht mein augen-trost dein treuer Christian.