Schuldiges Mitleiden Bey Beerdigung Hn. J. G. Z. jüngsten Söhnleins 22. April. 1...
Der Mensch ist ja mit recht ein Gast der Welt zu schätzē
Denn heute kehrt er ein und Morgen wieder aus:
Die Trachten so die Zeit ihm pfleget fürzusetzen
Sind balsamirtes Gifft und überzuckert Grauß.
Es sey die Köderung so lieblich als sie wolle
Die Körner erster Lust sind Dörner letzter Pein
Daß nicht ein Aloe auf Julep folgen solle
Wär in dem grossen Saal der Erden ungemein.
Und unsre meiste Kost sind rasende Begierden
Jetzt macht uns Hoffnung satt bald füllt uns Schrecken an.
Den speiset höchst vergnügt ein Auge voller Zierden
Wenn der aus Gelddurst nicht bey Nachte ruhen kan.
Wir lassen nicht der Zeit erst Raum uns zu verzehren
Indem vergälter Haß und dürrer Neid uns frist
Denckt man fürm Untergang durch Kräuter sich zu wehren
So ist doch Fleisch und Blut das uns vom Tode list.
Wir müssen ingesammt die Würme Schwestern nennen
Und die Verwesung nur als Mutter sehen an.
Der Schluß ist längst gemacht daß Seel und Leib sich trennen
Die wird dem Himmel der der Erden beygethan.
Weil Sterben und Geburt sich fest umbwickelt haben
Das Leben und der Todt in gleichen Ketten gehn;
So ists kein Unterscheid daß dieser früh begraben
Ein ander spät hernach wird auff der Bahre stehn.
Betrübtste daß mein Wort von keiner Anmuth linde
Und heissen Schmertzen auch noch mehr die Sporen giebt
Erwecket der Verlust ob ihrem zarten Kinde
Das weils von Hertzen kam das Hertze tief betrübt.
Dem Gärtner bringt es Pein wenn seine Lust-Gefielder
Ein gifftig Reif bestreicht und alle Müh verderbt.
Wenn er ersticken sieht des Frühlings schöne Bilder
Und vor den wachen Fleiß nur lehre Stoppeln erbt.
Der Garten eurer Eh’ hat zweyfach Frucht getragen
Und mit der doppel-Lust das gantze Haus ergetzt;
Run eure Blume fält so ist sie werth zu klagen
Und daß der Thränen Thau noch ihre Blätter netzt.
Denn ob zwar die Vernunfft hier wil den Meister spielen
Indem sie schleust: Ein Sohn der Freuden Sammel-Platz
Der künftig Ehr und Ruhm kan dem Geschlecht erzielen
Des Vatern Ebenbild der Mutter Lust und Schatz
Ein Kleinot das geneigt hat die Natur gegeben
Ein Gut warumb der Mensch so sehr nach Gütern denckt
Ein Stab woran sich hält das hochbejahrte Leben
Ein Pfand das mit der Zeit den reichsten Wucher schenckt:
So muß doch die Gedult vernünfftig dis erwegen
Daß auch das Himmelreich den Kindern offen steht.
Gott hat es heimgeholt ein Kleid ihm anzulegen
Das vor der Sonnenstrahl und Schmuck der Sterne geht.
Es hat der reine Geist die Welt nicht sollen schmecken
Die Bisamkugeln weist und Wermuth-Knospen reicht.
Noch mit der Schmincke sich der Eitelkeit beflecken
So Sünde mit dem Schein der Tugend überstreicht.
Die Lasterreiche Kunst Gemüther anzukleiden
Verstellen Hertz und Sinn so bald es Nutzen bringt
Und unter vielem Lob des Nechsten Wolfahrt neiden
Hat die so zarte Seel nicht mit dem Netz umbschlingt.
Die saubren Glieder sind von Lusten nicht entweyhet
Denn seine Unschuld trotzt auch Perlen Lilgen Schnee
Er ist von so viel Qual die uns noch drückt befreyet
Er lauft den Hafen ein wir irren auf der See.
Hemmt Eltern euren Schmertz. In diesem Trübsals Garten
Traurt keine Blume nicht; Drumb ist der liebste Sohn
In jenes Land versetzt wo ihn die Engel warten
Er wächst er grünt er blüht gleich einer Käiser-Cron.
Hier knallt der Himmel offt von harten Donnerschlägen;
Dort weht ein Westen-Wind dem Sohn Narcissen zu.
Das eitle Blumwerck tilgt Wind Nebel Schnee und Regen;
Die Himmels-Blume hat von allen Wettern Ruh.
Sie konte den April der Zeiten nicht vertragen
Drumb ward sie einverleibt dem ewig grünen May.
Nun mag kein Hagel auf die edle Pflantze schlagen
Die Pracht bleibt unverletzt die Blüten immer neu.
Unwiederrufflich ists daß Lust ins Grab gewichen
Daß die Ergötzligkeit so aus den Händen fällt
Und mit dem lieben Kind viel Freuden sind verblichen
So mit Verlauf der Zeit sein Wachsthum angestelt.
Alleine unser Fuß kan nicht stets Rosen treten
Weil Jammer-Disteln offt verschrencken Weg und Bahn.
Der Mensch ist nur zu schwach die Dörner auszujäten
Sie hengen unvermerckt des Lebens-Acker an.
Auch jener Weise nennt ein todtes Meer das Leben
In welchem niemals sich die Kummer-Welle regt.
Was hier der Höchste nimmt das kan er wieder geben
Weil sein gewaltig Arm das Horn des Heiles trägt.
Ein rauher Sassafras gleicht keinem Mußcateller
Und doch der Würckung nach ists ein gesunder Tranck
Nach dickgewölckter Nacht erscheint die Sonne heller
Und durch Verstimmung lauft der zierlichste Gesang.
Der Sohn ist Thränen werth doch weil auch diese schwinden
So kan Bekümmerte der Schmertz nicht ewig seyn.
Die Zeit und die Gedult pflegt Wunden zuzubinden
Da eh ein hitzig Artzt setzt alle Messer ein.
Genung: die Flüchtigkeit ist Rosen nicht zu nehmen
Und unsrer Sterbligkeit Insiegel bleibt der Todt
Wer sich dem alten Bund und Recht nicht wil bequemen
Der lästert die Natur und handelt wider GOtt.