Schuldiges Mitleiden Uber das Absterben Hn. A. v. A. u. S. S. V. den 17. May. 16...

By Heinrich Mühlpfort

Sinckt jetzt das Aug in Nacht so lange Zeit gewachet

Und für das Vaterland Vorsorge hat geführt?

Schweigt jetzt der güldne Mund der Steine weich ge-

Und hohen Häuptern offt die Hertzen hat gerührt?

Starrt die gelehrte Faust die Urtheil hat geschrieben

Und in dem weiten Recht viel Schrifften auffgesetzt?

Ist von dem theuren Mann denn nichts mehr überblieben

Das auch die Nach-Welt noch zu ehren würdig schätzt?

Ach ja!

Sein unvergänglich Ruhm verlacht nur Grab und Grufft

Und Fama wil den Preiß der Dienste nicht verhölen

Indem sie durch die Welt sein ewig Lob ausrufft.

Was thut nicht unsre Stadt nun ihr Oracul schweiget?

Was thut das Rathhauß nicht nun jetzt sein Eckstein fällt?

Rufft nicht die Bürgerschafft wenn sie ihr Beyleid zeiget?

Die Mauren dieser Stadt sind durch den Rieß zerschällt.

Die Taffel der Gesetz’ ist leider nur zerbrochen

Der Fürsten Kleynod hin der Armen Hoffnung tod

Und der Partheyen hat das rechte Recht gesprochen

Kan nicht entäusert seyn der Sterbligkeit Gebot.

Unschätzbarer Verlust! du Ulpian der Zeiten

Den Themisstets geliebt und Suada Sohn genant

So läst du uns allhier mit Recht und Unrecht streiten

Und suchst die wahre Ruh in jenem Vaterland?

Wie wol ist dir geschehn! wie sehr wird dich doch missen

Das gantze Schlesien so deinen Witz geehrt.

Was unter tausenden die Klügsten auch kaum wissen

Hat in verwirrtem Stand uns offt dein Mund gelehrt.

Dir war das Alterthum des Landes unverborgen

Desselben Policey Erfindung wol bewust.

Der nimmer-lasse Fleiß und unerschöpffte Sorgen

Die legten einen Schatz der Bräuch’ in deine Brust.

Es haben Fürsten offt in zweiffelhafften Dingen

Den Gordens-Knoten dir zu lösen fürgelegt

Dein tieffgeschärffter Witz war mächtig durch zu dringen

Und hat verhärtete zur Lindigkeit bewegt.

Astr

Wenns die Gerechtigkeit recht abzuwägen kam.

In Fällen da wol offt den meisten hat gegrauet

Sah’ man doch deinen Muth der alles unternahm.

Es kan des Solons Ernst des Catons Tapfferkeiten

Mit so viel Sprüchen nicht der Nach-Welt Mund erhöhn

Als dich mit Tugenden gekrönt von allen Seiten

Hieß in ihr Heiligthum der Themis Urtheil gehn.

Du wahres Meisterstück du Ebenbild der Gaben

Womit ein Priester sol der Rechte seyn geziert:

Zu erst hat Gottes furcht dein gantzes Thun erhaben

Ein Leitstern der dich hat zum höchsten Gut geführt.

Denn blieb dein bester Schatz ein unbefleckt Gewissen

In welches Unrecht nie ein Schanden-Mahl geprägt.

Was sonst verblenden kan dem hast du dich entrissen

Und wie ein Richter soll stets gleiches Recht gehegt.

Der Ruhm daß unsre Stadt ein Brunquell der Gesetze

Und aller Erbarkeit gemeßne Richtschnur sey

Ward mehr und mehr vermehrt durch deiner Gaben Schätze

Du hiest mit Recht ein Stern in unsrer Policey.

Dich hat der

Wenn vor das Vaterland was auszubitten war

Ja deine Treu gerühmt und deinen Fleiß beehret

Dich würdig zugezehlt der Edlen Ritter-Schaar.

Du Rechtsgelehrter Mann nenn’ ich die Wissenschafften

So nenn’ ich dich zugleich ein lebend Bücher-Hauß.

Was nur dein Auge sah blieb im Gedächtnüß hafften

Und theilte jederman der Weißheit Gaben aus.

Dein gantzes Leben war ein unauffhörlich lesen.

Was vielen sonst mit Zwang floß dir mit Anmuth bey.

Du bist ach ja du bist Pericles stets gewesen

Der durch Beredsamkeit uns machte Sorgen frey.

Der Sitten Höffligkeit war ein Magnet zu nennen

Der durch verborgnen Zwang die Hertzen an sich zog

Daß sie von reiner Lieb und Freundschafft musten brennen

Wenn man den theuren Schatz die Redligkeit erwog.

Was Wunder? so nun jetzt das werthe Grab umbfassen

Die Musen weil ihr Ruhm und höchste Wonne todt.

Apollo wird sich hier mitleidig sehen lassen

Der bittren Thränen Fluth macht Themis Augen roth.

Jhr Geister denen sich der Himmel eingegossen

Durch die die Ewigkeit noch ihre Werckstät schmückt

Wo je was herrliches auß eurem Kiel geflossen

So denckt auff einen Thon der Sarg und Grufft beglückt.

Versprechen bindet mich zwar meine Pflicht zu weisen

Doch wer im Kummer lebt schreibt niemals was er will.

Den Nestor dieser Stadt den können die nur preisen

Den’n Phöbus selbsten schenckt sein eignes Lauten-spiel.

Diß meld ich: Gottesfurcht

Sind Stücke welche stets den theuren Mann geziert.

Doch hat sein Glaube da dem Demant gleich gegliessen

Als er mit Helden-Muth im Tode triumphirt.

Jhn hat der Stein erlegt. Den Leichen-Stein zu legen

Gibt

Will Artemisia durch ihr Mausolbewegen

Gewiß sie bauet ihm noch eine schönre Baar.

Und kan es anders seyn? die Krone ist zerfallen

Jhr güldner Ehren-Ring durch diesen Tod zerstückt.

Wer tadelts? Wenn sie jetzt läst Ach! auff Ach! erschallen

Und Seufftzer ohne Maß nach ihrem Liebsten schickt.

Wie treu sie ihn geliebt und hertzlich hat gemeynet

Weiß noch die gantze Stadt und leget Zeugnüß ab

Wie ihre Seelen stets so huldreich sich vereinet

Und nach dem Sterben auch gewünscht ein gleiches Grab.

Wer unterfängt sich nun Trost-Worte beyzufügen

Wenn so ein grimmer Schmertz so tieffe Wunden reist?

Es wird das herbe Leid nur die Vernunfft besiegen

Wenn so ein kläglich Fall zerfoltert Seel und Geist.

Allein

Damit er in der Höh deß Himmels heller scheint:

Doch wer hier auff der Welt kan diesen Ruhm erlangen

Daß er mit Gott und Stadt es redlich hat gemeynt;

Stirbt niemals wenn er stirbt. Man muß denselben ehren

Und sein Gedächtnüß geht nicht bey der Nach-Welt ein

Biß daß die letzte Glut diß Gantze wird zerstören

Und die gevierdte Welt ein Aschen-Hauffen seyn.