Schuldiges Mitleiden Uber das Absterben Hn. A. v. A. u. S. S. V. den 17. May. 16...
Sinckt jetzt das Aug in Nacht so lange Zeit gewachet
Und für das Vaterland Vorsorge hat geführt?
Schweigt jetzt der güldne Mund der Steine weich ge-
Und hohen Häuptern offt die Hertzen hat gerührt?
Starrt die gelehrte Faust die Urtheil hat geschrieben
Und in dem weiten Recht viel Schrifften auffgesetzt?
Ist von dem theuren Mann denn nichts mehr überblieben
Das auch die Nach-Welt noch zu ehren würdig schätzt?
Ach ja!
Sein unvergänglich Ruhm verlacht nur Grab und Grufft
Und Fama wil den Preiß der Dienste nicht verhölen
Indem sie durch die Welt sein ewig Lob ausrufft.
Was thut nicht unsre Stadt nun ihr Oracul schweiget?
Was thut das Rathhauß nicht nun jetzt sein Eckstein fällt?
Rufft nicht die Bürgerschafft wenn sie ihr Beyleid zeiget?
Die Mauren dieser Stadt sind durch den Rieß zerschällt.
Die Taffel der Gesetz’ ist leider nur zerbrochen
Der Fürsten Kleynod hin der Armen Hoffnung tod
Und der Partheyen hat das rechte Recht gesprochen
Kan nicht entäusert seyn der Sterbligkeit Gebot.
Unschätzbarer Verlust! du Ulpian der Zeiten
Den Themisstets geliebt und Suada Sohn genant
So läst du uns allhier mit Recht und Unrecht streiten
Und suchst die wahre Ruh in jenem Vaterland?
Wie wol ist dir geschehn! wie sehr wird dich doch missen
Das gantze Schlesien so deinen Witz geehrt.
Was unter tausenden die Klügsten auch kaum wissen
Hat in verwirrtem Stand uns offt dein Mund gelehrt.
Dir war das Alterthum des Landes unverborgen
Desselben Policey Erfindung wol bewust.
Der nimmer-lasse Fleiß und unerschöpffte Sorgen
Die legten einen Schatz der Bräuch’ in deine Brust.
Es haben Fürsten offt in zweiffelhafften Dingen
Den Gordens-Knoten dir zu lösen fürgelegt
Dein tieffgeschärffter Witz war mächtig durch zu dringen
Und hat verhärtete zur Lindigkeit bewegt.
Astr
Wenns die Gerechtigkeit recht abzuwägen kam.
In Fällen da wol offt den meisten hat gegrauet
Sah’ man doch deinen Muth der alles unternahm.
Es kan des Solons Ernst des Catons Tapfferkeiten
Mit so viel Sprüchen nicht der Nach-Welt Mund erhöhn
Als dich mit Tugenden gekrönt von allen Seiten
Hieß in ihr Heiligthum der Themis Urtheil gehn.
Du wahres Meisterstück du Ebenbild der Gaben
Womit ein Priester sol der Rechte seyn geziert:
Zu erst hat Gottes furcht dein gantzes Thun erhaben
Ein Leitstern der dich hat zum höchsten Gut geführt.
Denn blieb dein bester Schatz ein unbefleckt Gewissen
In welches Unrecht nie ein Schanden-Mahl geprägt.
Was sonst verblenden kan dem hast du dich entrissen
Und wie ein Richter soll stets gleiches Recht gehegt.
Der Ruhm daß unsre Stadt ein Brunquell der Gesetze
Und aller Erbarkeit gemeßne Richtschnur sey
Ward mehr und mehr vermehrt durch deiner Gaben Schätze
Du hiest mit Recht ein Stern in unsrer Policey.
Dich hat der
Wenn vor das Vaterland was auszubitten war
Ja deine Treu gerühmt und deinen Fleiß beehret
Dich würdig zugezehlt der Edlen Ritter-Schaar.
Du Rechtsgelehrter Mann nenn’ ich die Wissenschafften
So nenn’ ich dich zugleich ein lebend Bücher-Hauß.
Was nur dein Auge sah blieb im Gedächtnüß hafften
Und theilte jederman der Weißheit Gaben aus.
Dein gantzes Leben war ein unauffhörlich lesen.
Was vielen sonst mit Zwang floß dir mit Anmuth bey.
Du bist ach ja du bist Pericles stets gewesen
Der durch Beredsamkeit uns machte Sorgen frey.
Der Sitten Höffligkeit war ein Magnet zu nennen
Der durch verborgnen Zwang die Hertzen an sich zog
Daß sie von reiner Lieb und Freundschafft musten brennen
Wenn man den theuren Schatz die Redligkeit erwog.
Was Wunder? so nun jetzt das werthe Grab umbfassen
Die Musen weil ihr Ruhm und höchste Wonne todt.
Apollo wird sich hier mitleidig sehen lassen
Der bittren Thränen Fluth macht Themis Augen roth.
Jhr Geister denen sich der Himmel eingegossen
Durch die die Ewigkeit noch ihre Werckstät schmückt
Wo je was herrliches auß eurem Kiel geflossen
So denckt auff einen Thon der Sarg und Grufft beglückt.
Versprechen bindet mich zwar meine Pflicht zu weisen
Doch wer im Kummer lebt schreibt niemals was er will.
Den Nestor dieser Stadt den können die nur preisen
Den’n Phöbus selbsten schenckt sein eignes Lauten-spiel.
Diß meld ich: Gottesfurcht
Sind Stücke welche stets den theuren Mann geziert.
Doch hat sein Glaube da dem Demant gleich gegliessen
Als er mit Helden-Muth im Tode triumphirt.
Jhn hat der Stein erlegt. Den Leichen-Stein zu legen
Gibt
Will Artemisia durch ihr Mausolbewegen
Gewiß sie bauet ihm noch eine schönre Baar.
Und kan es anders seyn? die Krone ist zerfallen
Jhr güldner Ehren-Ring durch diesen Tod zerstückt.
Wer tadelts? Wenn sie jetzt läst Ach! auff Ach! erschallen
Und Seufftzer ohne Maß nach ihrem Liebsten schickt.
Wie treu sie ihn geliebt und hertzlich hat gemeynet
Weiß noch die gantze Stadt und leget Zeugnüß ab
Wie ihre Seelen stets so huldreich sich vereinet
Und nach dem Sterben auch gewünscht ein gleiches Grab.
Wer unterfängt sich nun Trost-Worte beyzufügen
Wenn so ein grimmer Schmertz so tieffe Wunden reist?
Es wird das herbe Leid nur die Vernunfft besiegen
Wenn so ein kläglich Fall zerfoltert Seel und Geist.
Allein
Damit er in der Höh deß Himmels heller scheint:
Doch wer hier auff der Welt kan diesen Ruhm erlangen
Daß er mit Gott und Stadt es redlich hat gemeynt;
Stirbt niemals wenn er stirbt. Man muß denselben ehren
Und sein Gedächtnüß geht nicht bey der Nach-Welt ein
Biß daß die letzte Glut diß Gantze wird zerstören
Und die gevierdte Welt ein Aschen-Hauffen seyn.