Schwangerer Jungfern Trost- Gedancken.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Laß grosse Venus dir ja nicht zu wider seyn

Daß wir für dein altar mit schweren fusse treten!

Wirff einen strahl auff uns von deiner gottheit schein

Die wir in demuth itzt dich kommen anzubeten:

Nimm unsern ehren-krantz zu einem opffer an

Laß dieses trauer-pfand an deinen wänden hangen

Und so es ewig nicht erhalten werden kan

So laß die asche nur in deinem tempel prangen.

Es rühme Pallas sich mit ihrer jungferschafft

So mag auch Vesta sich für allen männern wehren

Diana fühle nicht der starcken liebe krafft;

Wir wollen insgesammt zu deiner fahne schwehren.

Wir bitten jenen auch mit ihrem wesen trutz

Und wollen uns die zunfft der schwangern jungfern nennen.

Nimst du uns willig auff in deinen schirm und schutz

So sucht das volck umsonst uns flecken anzubrennen.

Wir schätzen den verlust der jungferschafft nicht groß

Und fühlen immer noch das angenehme jucken

Als der beperlte thau in unsre muschel floß

Und die sich öffnete denselben einzuschlucken.

Es war als hätte sich uns Jupiter gezeigt

Und wolte wiederum mit menschen liebe pflegen;

Als hätte sich zu uns der himmel selbst geneigt

Und wolte sich hinfort auff unserm schooß bewegen.

Die lenden huben sich da uns die lust empfieng

Als wenn der gantze leib gen himmel fliegen wolte

So daß die seele fast uns mit zugleich entgieng

Indem die jungferschafft den abschied nehmen solte.

Cupido hatte schon ein labsal zubereit

Die geister wiederum vom schlaffe zuerwecken:

Er kam uns höchst-erwünscht zu eben rechter zeit

Und ließ uns Ambrosin aus rothen schaalen lecken.

Drum achten wir nicht sehr der spötter grosse zahl

Und lassen andere vor jungfern gerne lauffen

Ja wolten ungerühmt wo möglich tausendmahl

Um einen schnöden krantz dergleichen wollust kauffen.

Wir fragen alle welt was ist der jungfer-stand?

Was ist die jungferschafft? Ein buch so nicht zulesen

Ein schüler freyer kunst ein blosser wörter-tand

Ein kind der phantasie ein wesen ohne wesen.

Es heget das gehirn und mehret diese zucht

Ihr gantzes wesen stützt der pfeiler der gedancken

Warum ist unbekandt. Gewiß daß ohne frucht

Man der natur hierdurch will schmälern ihre schrancken.

Doch wird durch diesen wahn ein grosser theil bethört

Und abgeschreckt von dem was die natur wohl gönnte

Es würde gar um viel der menschen zahl vermehrt

Wenn iede sonder schimpff nur mutter heissen könte.

Es ist die jungferschafft wer sie zu etwas macht

Ein unvollkommner stand gleich ungeförmter erden

Der zur vollkommenheit nicht eher wird gebracht

Als biß wir mit der zeit aus jungfern frauen werden.

Soll unser schloß gesperrt und stets geschlossen seyn?

Warum heist die natur uns nach dem schlüssel fragen

Und soll in unser ertz der rost sich fressen ein

So muß auch selbiger von keiner fäule sagen.

Der allgemeine trieb der uns entbrennen heist

Und nach dem männer-volck zuschauen uns verleitet

Der ist auch der das oel in unsre lampen geust

Und das geschmierte tocht ohn unsern fleiß bereitet.

Es ist ein jungfer-leib ein ungepflügtes land

Drum kan es keine frucht in diesem stande bringen.

Es streut man saamen aus denn wird die saat erkannt

Und noch zuvor versucht der pflug das land zuzwingen.

Wer über unser thun den urthel-stab zerbricht

Der kan auch nicht zugleich das kloster-leben schelten

Und wer den männer-stand verdammt und übel spricht

Bey dem wird unser thun ohn zweiffel müssen gelten.

Doch wird uns diß vielleicht nur übel ausgelegt

Daß wir dem priester nicht wie bräuchlich ruffen lassen

Daß wir kein gastgebot und keinen tantz gehegt

Daß andre leute nicht von unsren güttern prassen.

Wer aber hat den brauch zum ersten eingeführt

Daß man den priester reich die gäste frölich machet?

Nein nein es wird die zeit itzt nicht darnach verspürt

Und wer nicht sparen kan der darbt und wird verlachet.

Daß wir uns aber nicht was besser fürgesehn

Wird unter allen uns am meisten vorgerücket.

Was hilffts man rede nur zum besten weils geschehn

Der vogel ist entwischt; die rosen sind gepflücket.

Wir haben sonderlich uns diesen trost erwehlt

Daß keine darff noch mag von uns die erste heissen.

Wer hat die grosse zahl derjenigen gezehlt

Die längst den krantz verschertzt und doch als jungfern gleissen.

Was kaum der teuffel kan das weiß ein altes weib

Den grund-riß der natur durch säffte zu verderben

Sie ordnet bäder an für den geschwollnen leib

Und heisset die geburt vor ihrer bildung sterben.

Wär arge list und kunst nicht in der welt bekandt

So liessen sich vielmehr in unsre rolle schreiben;

Und thäte nichts dabey des apotheckers hand

Wo würden in der welt die jungfern endlich bleiben?

Die aber noch zur zeit als reine jungfern gehn

Die haube doch verdient die geben sich zufrieden

Sie sollen oben an in unsrer rolle stehn

Wo nicht ein altes weib ein anders weiß zu schmieden.

Des Pöfels urthel sey an seinem ort gestellt

Wir dürffen gantz und gar uns nicht des urthels schämen.

Das mögen diese thun die für den beyschlaff geld

Die zinse vor die haut und schändlich wucher nehmen.

Wir haben anders nicht als ehrlich nur geliebt

Vielweniger den leib um schnöden sold verdungen;

Wer uns vor huren schillt und böse tittel giebt

Dem sey der teuffel-schaar auff seinen kopff gesungen.

Indessen kommen wir bald in die wochen ein

Es mag uns wer da will das spiel vor übel halten;

Wir wollen tausendmahl viel lieber ammen seyn

Als bey der jungferschafft verschrumpeln und veralten.