Schwüle

By Conrad Ferdinand Meyer

Written 1864-01-01 - 1864-01-01

Trüb verglomm der schwüle Sommertag,

Dumpf und traurig tönt mein Ruderschlag –

Sterne, Sterne – Abend ist es ja –

Sterne, warum seid ihr noch nicht da?

Bleich das Leben! Bleich der Felsenhang!

Schilf, was flüsterst du so frech und bang?

Fern der Himmel und die Tiefe nah –

Sterne, warum seid ihr noch nicht da?

Eine liebe, liebe Stimme ruft

Mich beständig aus der Wassergruft –

Weg, Gespenst, das oft ich winken sah!

Sterne, Sterne, seid ihr nicht mehr da?

Endlich, endlich durch das Dunkel bricht –

Es war Zeit! – ein schwaches Flimmerlicht –

Denn ich wußte nicht, wie mir geschah.

Sterne, Sterne, bleibt mir immer nah!