Seelige Nachfolge Fr. S. E. g. R. den 21. May 1671.

By Heinrich Mühlpfort

Es war der höchste Wunsch bey treu-verliebten Hertzen

Die noch das Alterthum der ersten Zeit erkant

Daß wie sie sich vermählt bey gleichen Hochzeit-Kertzen

Sie auch in ihrem Tod umbfieng ein gleicher Brand.

Wie sehnlich wünschten sie daß die entleibten Schatten

In dem Elyser-Feld beysammen möchten seyn!

Und wie sie sich verknüpfft in diesem Leben hatten

So hofften sie auch dort diß Bündnüß zu verneu’n.

Es kan das Morgen Land sein Frauen-Zimmer zeigen

So voller Brunst und Geist sprang in die Todten Glut:

Es wird auch Sina nicht von solchen Weibern schweigen

Die eben diß gethan mit tapfferm Helden-Muth.

Die Arria krönt noch ein ewiges Gerüchte;

Paulina schneidet ihr die Adern frisch entzwey

Als sie den Seneca mit blassem Angesichte

Allmählich ziehen sieht zu der entseelten Rey.

Tranck Arthemisia nicht ihres Ehmanns Asche

Und baut ein köstlich Grab zum Zeichen reiner Gunst?

Und daß sich Porcia von aller Schuld abwasche

Sind Kohlen nicht so heiß als ihre Liebes-Brunst.

Allein ein eitler Wahn verblendte die Gemüther;

Die rasende Begier nach der Unsterbligkeit

Schlug ihnen gleichsam auß Heil Leben Stand und Güter

Wenn nur ein prächtig Lob ihr Grab-Mahl hat erfreut.

So weit kam die Vernunfft mit irrigen Gedancken.

Nein wahrer Christen Lieb ist stärcker als der Tod

Sie ist so fest gegründt und kan nicht leichtlich wancken

Ob sie gleich überfällt die allergröste Noth.

Und diese Liebe thut die grösten Wunderwercke

Es ist das Heydenthum nur lauter Possenspiel.

Wer kennt nicht ihre Macht wer weiß nicht ihre Stärcke?

Wie nur Beständigkeit ihr ausgesetztes Ziel

Ein Zeugnüß wahrer Treu und ungefärbter Liebe

Die auch dem Tode sich entgegen hat gesetzt

Und würdig daß man sie in Ertz und Marmel schriebe

Daran die grimme Zeit nicht ihre Zähne wetzt

Zeigt der Frau Doctorin nunmehr entseelte Leiche

Die ihrem Ehgemahl folgt auf dem Fusse nach

Und daß sie nimmermehr von seiner Seiten weiche

Deckt beyder Cörper auch ein gleiches Schlaff-Gemach.

Sie hatte ihrem Schatz die Augen kaum geschlossen

Das Sterbekleid geneht den Todten-Zeug bestellt

So sieht sie ebenfalls ihr Stunden-Glas verflossen

Und eine Woche fast nimmt beyde von der Welt.

Mehr als beglückter Tod mehr als gewünschtes Sterben

Und Liebe die die Nacht der schwartzen Grufft besiegt!

Was sonst den Witwenstand Verlaßnen kan erherben

Und was Verwaiste drückt das hat sie nie bekriegt.

Sie ist in voller Ruh und Lebens-satt verschieden

Hat ihres Leibes Frücht’ in Ehren sehen blühn

Und auch noch Kindes-Kind in Segen-reichem Frieden

Verspürt zu Ruhm des Stamms aumuthig auferziehn.

Nun diese Wunderthat so vielen nicht bescheret

Hat ihr des Lebens-Lust noch nie so sehr versüst

Daß sie bey ihrem Schatz nicht mehr zu seyn begehret

Jhm eiligst nach gefolgt und in der Grufft begrüst.

Die jenen so ein Bett und auch ein Grab bedecket

Sind statt der Thränen ja der Freuden-Lieder werth

Und daß ihr Leichen-Stein mit Blumen sey umbstecket

Und der beglückte Sand Narciß und Lilg ernehrt.

Es kan ein solches Grab Mausolens Thurm verlachen

Zumal wenn Gottesfurcht die beste Grabschrisst ist

Wenn Tugend Zucht und Treu den Lebens-Wandel machen

Wie ihr die Seelige Lob-würdig außerkiest.

Verehrt der Eltern Grab mit stetem Angedencken

Betrübte die ihr jetzt in Flor und Boy verhüllt

Erkennt was Gottes Gunst den beyden wollen schencken

Daß ihrer Leiber Rest ein gleiches Grab erfüllt.

Sie leben noch in euch und blühn in euren Kindern

Des Vatern kluger Geist der Mutter Frömmigkeit.

Ja was die tieffste Wund und grösten Schmertz kan lindern

Sind Christliche Gedult und denn die lange Zeit.

Sie sind vorangeschickt wir sind noch eingespannet

Biß uns des Höchsten Schluß die Fessel nimmet ab;

Uns die noch täglich Angst und Trübsal übermannet

Was suchen wir denn mehr als nur den Weg ins Grab?

Hat man den jenigen der wohl gekämpfft bekräntzet;

Macht des Soldaten Blut den Ehren-Purpur klar;

Und ist ein Schiffmann froh wenn er am Lande gräntzet

Befreyt von Wind und Sturm entnommen der Gefahr

So sind die Seeligen vielmehr noch zu bekrönen

Die über Welt und Tod und Teuffel triumphirt

Die nun vor Gottes Thron ihr Sieges-Lied erthönen

Und die die Lorbeer-Kron erlauchter Hoheit ziert.