Seelige Nachfolge Fr. S. E. g. R. den 21. May 1671.
Es war der höchste Wunsch bey treu-verliebten Hertzen
Die noch das Alterthum der ersten Zeit erkant
Daß wie sie sich vermählt bey gleichen Hochzeit-Kertzen
Sie auch in ihrem Tod umbfieng ein gleicher Brand.
Wie sehnlich wünschten sie daß die entleibten Schatten
In dem Elyser-Feld beysammen möchten seyn!
Und wie sie sich verknüpfft in diesem Leben hatten
So hofften sie auch dort diß Bündnüß zu verneu’n.
Es kan das Morgen Land sein Frauen-Zimmer zeigen
So voller Brunst und Geist sprang in die Todten Glut:
Es wird auch Sina nicht von solchen Weibern schweigen
Die eben diß gethan mit tapfferm Helden-Muth.
Die Arria krönt noch ein ewiges Gerüchte;
Paulina schneidet ihr die Adern frisch entzwey
Als sie den Seneca mit blassem Angesichte
Allmählich ziehen sieht zu der entseelten Rey.
Tranck Arthemisia nicht ihres Ehmanns Asche
Und baut ein köstlich Grab zum Zeichen reiner Gunst?
Und daß sich Porcia von aller Schuld abwasche
Sind Kohlen nicht so heiß als ihre Liebes-Brunst.
Allein ein eitler Wahn verblendte die Gemüther;
Die rasende Begier nach der Unsterbligkeit
Schlug ihnen gleichsam auß Heil Leben Stand und Güter
Wenn nur ein prächtig Lob ihr Grab-Mahl hat erfreut.
So weit kam die Vernunfft mit irrigen Gedancken.
Nein wahrer Christen Lieb ist stärcker als der Tod
Sie ist so fest gegründt und kan nicht leichtlich wancken
Ob sie gleich überfällt die allergröste Noth.
Und diese Liebe thut die grösten Wunderwercke
Es ist das Heydenthum nur lauter Possenspiel.
Wer kennt nicht ihre Macht wer weiß nicht ihre Stärcke?
Wie nur Beständigkeit ihr ausgesetztes Ziel
Ein Zeugnüß wahrer Treu und ungefärbter Liebe
Die auch dem Tode sich entgegen hat gesetzt
Und würdig daß man sie in Ertz und Marmel schriebe
Daran die grimme Zeit nicht ihre Zähne wetzt
Zeigt der Frau Doctorin nunmehr entseelte Leiche
Die ihrem Ehgemahl folgt auf dem Fusse nach
Und daß sie nimmermehr von seiner Seiten weiche
Deckt beyder Cörper auch ein gleiches Schlaff-Gemach.
Sie hatte ihrem Schatz die Augen kaum geschlossen
Das Sterbekleid geneht den Todten-Zeug bestellt
So sieht sie ebenfalls ihr Stunden-Glas verflossen
Und eine Woche fast nimmt beyde von der Welt.
Mehr als beglückter Tod mehr als gewünschtes Sterben
Und Liebe die die Nacht der schwartzen Grufft besiegt!
Was sonst den Witwenstand Verlaßnen kan erherben
Und was Verwaiste drückt das hat sie nie bekriegt.
Sie ist in voller Ruh und Lebens-satt verschieden
Hat ihres Leibes Frücht’ in Ehren sehen blühn
Und auch noch Kindes-Kind in Segen-reichem Frieden
Verspürt zu Ruhm des Stamms aumuthig auferziehn.
Nun diese Wunderthat so vielen nicht bescheret
Hat ihr des Lebens-Lust noch nie so sehr versüst
Daß sie bey ihrem Schatz nicht mehr zu seyn begehret
Jhm eiligst nach gefolgt und in der Grufft begrüst.
Die jenen so ein Bett und auch ein Grab bedecket
Sind statt der Thränen ja der Freuden-Lieder werth
Und daß ihr Leichen-Stein mit Blumen sey umbstecket
Und der beglückte Sand Narciß und Lilg ernehrt.
Es kan ein solches Grab Mausolens Thurm verlachen
Zumal wenn Gottesfurcht die beste Grabschrisst ist
Wenn Tugend Zucht und Treu den Lebens-Wandel machen
Wie ihr die Seelige Lob-würdig außerkiest.
Verehrt der Eltern Grab mit stetem Angedencken
Betrübte die ihr jetzt in Flor und Boy verhüllt
Erkennt was Gottes Gunst den beyden wollen schencken
Daß ihrer Leiber Rest ein gleiches Grab erfüllt.
Sie leben noch in euch und blühn in euren Kindern
Des Vatern kluger Geist der Mutter Frömmigkeit.
Ja was die tieffste Wund und grösten Schmertz kan lindern
Sind Christliche Gedult und denn die lange Zeit.
Sie sind vorangeschickt wir sind noch eingespannet
Biß uns des Höchsten Schluß die Fessel nimmet ab;
Uns die noch täglich Angst und Trübsal übermannet
Was suchen wir denn mehr als nur den Weg ins Grab?
Hat man den jenigen der wohl gekämpfft bekräntzet;
Macht des Soldaten Blut den Ehren-Purpur klar;
Und ist ein Schiffmann froh wenn er am Lande gräntzet
Befreyt von Wind und Sturm entnommen der Gefahr
So sind die Seeligen vielmehr noch zu bekrönen
Die über Welt und Tod und Teuffel triumphirt
Die nun vor Gottes Thron ihr Sieges-Lied erthönen
Und die die Lorbeer-Kron erlauchter Hoheit ziert.