Seestrand bey Terracina

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Hier wo die wilde Flutt mit stoltzen Wellen spielet

Und Eurus seinen Grimm am nassen Ufer kühlet

Wo Einsamkeit ist Wirth und Gast ein Wandersmann

Der voller Furcht betritt die Schrecken-reiche Bahn

Schneidt seine treue Faust in Stein

Den Nahmen meiner Liebsten ein.

Es darff den Demant nicht der Böcke Blutt umschlüssen

Noch scharff-gesäurter Wein den harten Fels begiessen

Kein zugespizter Stahl kein Hammer schwer von Last

Kein Eisen Mulcibers wird in die Hand gefast

Wo Amor einen Bau giebt an

Der Neid und Zeit besitzen kan.

Getreuer Hertzen Blutt die Thränen reiner Seelen

Sind mächtig ieden Stein und Felsen auszuhölen.

Was dieser Eßig-Safft diß Scheide-Wasser nezt

Wird durch Cupidens Pfeil als Meißel ausgeätzt:

Mit solchem schreibet meine Hand

Diß edle Zeichen an den Strand.

Du den der Reisen Lauff in diese Gegend führet

Verehre solche Schrifft wie deiner Pflicht gebühret

Und hast du anders was aus reinem Hertzen lieb

So wünsche daß der Hand die diese Worte schrieb:

Lisille möge linder seyn

Als dieser rauhe Felsen-Stein.