Sehnlichs Verlangen nach vorgenossenen Geistes-Freuden

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Qvelle mir mein Himmel-Nectar unerschöpffter Weißheits-Brunn!

wann ich nur ein Tröpflein könd von des Geistes Einfluß spühren

wann die Herzen Geister sich möchten durch sein Regen rühren

wann ich nur noch einmal hätte solch' ein viel beglücktes Nun!

Ach daß mir das schöne Bild also eilend doch entrunn!

wann wird mich dein Gnaden-Trieb mehr in diesen Lust-Wald führen

wo die Himmlisch Nachtigal lieblich pflegt zu tireliren

wo der Weißheit-Safft so süsse schnell und hell vorüber runn

daß ich auf ein Hoffnungs- Gras mich fein sanfft könt niderlassen

macht von Trost- und Freuden-Blumen einen Wunder bunten Kranz

schöpffte aus dem klaren Brunn kühlen Safft und Krafft dermassen

daß von süssen Lieblichkeiten ich in Lust verzucket ganz

schlüß die Sorgen-Augen zu und entschlieff in vollen Freuden!

wollst so dein verlohrnes Schaf Edler Schöpffer Schäfer weiden!