Selbigen Tag vmb den Abend zur Kobbelbude folgendes:

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Du kühler Frischingk, dessen Bach

Artzney hegt wieder Vngemach

Vnd Frewde kan in mir erwecken,

Sey günstig, weil ich vnbekant

Hie kriech vmb deinen grünen Rand

Durch wild-verwachßne Püsch vnd Hecken.

Ich suche Platz, da ich allein

Vnd von Gesellschaft frey kan seyn,

Mit mir mich einig zu ergetzen:

Mein Geist ist niemahls baß daran,

Alß wenn ich einsam leben kan

Vnd ein berühmtes Liedchen setzen.

Es meint der mich allein sieht gehn,

Ich müsse wo verlassen stehn,

Er irrt vnd kennt nicht mein Gemühte,

Auch mancher Fürst hat kaum vmb sich

So schöne Compagnie alß ich,

Vmb mich ist aller Himmel Güte.

Natur, Erkäntnüs, Weißheit, Welt,

Vnd waß die Tugend in sich helt

Sind Freunde, welche mich vmbgeben:

Der Höchste selbst schätzt mich so wehrt,

Daß er in meine Seele kehrt

Durch Gnüge, Fried vnd stilles Leben.

Auch sprech ich meinen Reimen zu,

Die sindt mir Reichthum, Ehr vnd Ruh,

Macht mich wo Fall vnd Zeit verdrossen,

Sie weinen hertzlich, wein ich wo,

Erfrew ich mich, auch sie sind froh

Vnd meine besten Haußgenossen.

Der Seelen Vorraht hegt allein,

Waß vnß in Noht kan tröstlich seyn,

Es thun es nicht die Anverwandten,

Daß sich ein Mensch zufrieden gibt:

Den König, ist sein Hertz betrübt,

Stillt nicht die Auffsicht der Trabanten.