Seliger Hintritt J. A. R. M. den 19. Febr. 1665.
Bjßhero haben wir verlebte hin getragen
Die selbst des Alters Last von Thränen loß gezehlt.
Nun ändert sich das Spiel und was bey zarten Tagen
In voller Blüthe stund hat jetzt den Sarch erwehlt.
Holdseligstes Geschlecht ihr schönen Anmuths-Sonnen
Durch welche Breßlau sich gleich Paphos Tempel macht.
Welch Leid hat über euch die Oberhand gewonnen?
Vergällt sich eure Lust verfinstert sich die Pracht?
Ach ja! Die Augen sind nur Zeichen rauher Blicke
Die Seuffzer Bothen so was schweres melden an.
Und angeborne Hold fleucht wie bestürtzt zu rücke
Wo sind die Rosen hin? Was soll der Majoran?
Ist die Ergetzligkeit von eurer Brust gewichen?
Rauscht jetzt kein süsser West durchs Kercker-freye Haar?
Ist Liebe von dem Mund von Wangen Lust geschlichen?
Kränckt was behäglich vor ein unverhoffte Bahr?
Hoch mächtig muß das Leid in weichen Hertzen wütten
Nun eures Ordens Ruhm und Blum’ ins Grab verfällt.
Zu früh hat Atropos den Faden abgeschnitten
Der schönen
Das eintzig werthe Kind der Mutter Lust und Prangen
Der Freuden Inbegriff und aller Hoffnung Schatz
Läst freylich hinter sich ein schmertzliches Verlangen
Uud einer vollen See der Thränen Fluten Platz.
Jm Anfang bester Jahr’ im Blumen-reichen Lentzen
Da man die Jugend fast wie eine Fürstin ehrt
Wenn jede Glieder wie die göldnen Sterne gläntzen
Und der beredte Mund ein wächsern Hertz bethört
Verlacht man nur das Grab. Sie aber die verschieden
Hat ihre Jahre so verschwenderisch nie geliebt
Der Wunsch war frey zu seyn und hin zufahrn im Frieden
Den dort den Gläubigen der Allerhöchste gibt.
Deß engen Lebens frist hat Tugend doch erweitert.
Es schien das Ebenbild der Gratien an ihr
Wenn sich die Stirn in Zucht und Schönheit aufgeheitert
Und stellt uns einen May der Liebligkeiten für.
Die niedliche Gestalt die sittsamen Geberden
Der Augen rasche Glut und süsser Zwincker-Blitz
Bestrahlte gleichsam hier den Ball der grossen Erden
Und im Gehirue nahm die Pallas ihren Sitz
So bald der Mund entschloß das Helffenbein der Pforte
Drang kluger Reden Art ins Hertze mehr als tieff
Ja sie beseelte selbst die sonst nur todten Worte
Wenn die gelehrte Hand auf den Clavieren lieff.
Wer gönnte nun nicht Raum zu leben dieser Schöuen?
Die vieler Augen Lust und keusche Wonne war.
Wer wünscht ihr nicht den Krantz sie einst als Braut zu krönen?
Umsonst: Der Hochzeit-Schmuck liegt mit ihr auf der Bahr.
Weint schönste Schwestern weint hier zieren euch die Thränen
Flecht diese Perlen nur in ihre Kronen ein
Ertheilts wor nach sich pflag die Seelige zu sehnen
Ein herbes Seuffzen wird das beste Opffer seyn.
Küst noch den lieben Mund den Geilheit nie beflecket
Statt eines Sterblichen ruht sie an JEsus Brust.
Seyd mühsam daß der Sarch mit Roßmarin umbstecket
Denn ihre Seele grünt und schwebt in Engel-Lust.
Wie hertzlich bat sie Gott umb ein vernünfftig Ende
Sie schreckte fast den Tod der sonst nur Schrecken macht
Und gab die Seel’ erfreut dem Heyland in die Hände
Sie sagte wohlgemuth der Erden gute Nacht.
Es war ein süsser Schlaf und nicht ein Tod zu nennen
Der Cherubinen Schaar empfing den müden Geist.
Die nichts nicht hat vermocht von ihrem Gott zu trennen
Ist eine Pilgramin von dieser Welt gereist
So stirbt die Lilie wenn sie viel Regen trincket
Der weisse Atlaß schleist der morsche Stängel bricht
Biß das beperlte Haupt zu seinem Grabe sincket
Und nimmt zugleich mit sich der Gärten Schmuck und Licht.
So muß der Rosen Flamm in Asche sich verkehren
Wenn Phöbus Feuer-Rad den Mittel-Kreiß geht ein.
Der Morgenröthe Glantz kan nicht den Sturm erwehren
Der nach dem Aufgang folgt und schwärtzt den ersten Schein
Alleine wenn der Lentz mit linden Westen spielet
Bepurpert wie zuvor die Rose Chloris Feld
Die Lilge stehet auf nach dem sie Wetter fühlet
Aurora hat wie vor die Morgenwacht bestellt
Sie auch die Selige wird mehr als Blumen blühen
Der unverwelckte May des Lebens geht erst an.
Wenn sie das Lilgen-Kleid der Unschuld an-wird ziehen
Den Braut-Rock der Gewand der Fürsten pochen kan.
Die Engel sind nun selbst zu ihren Buhlern worden
Der Mund treibt jetzt Rubin die Wangen Nelcken ein.
Weil irrdsche Schönheit stirbt ließ sie der Menschen Orden
Und liebte vor den Tand der Ewigkeiten Schein.
Wir trauren ohne Grund daß sie zu kurtz gelebet;
Hofft ein Gefangener nicht endlich freye Lufft?
So lange Fleisch und Blut an unsern Gliedern klebet.
Versichert daß der Tod uns jede Stunde rufft.
Das Grab ist unser Ziel nach dem wir alle rennen
Und ist der Neidens werth der früh den Sieg erhält?
Muß endlich dieses Rund in grimmen Flammen brennen
Wie suchet denn Bestand der Mensch die kleine Welt?
Durchgrüble diß und das betrübtes Frauen-Zimmer
Wie hoch die Schönheit ist der Tod wird nicht verliebt.
Und von der Perlen-Haut der angenehme Schimmer
Ist nur ein dünnes Netz das Erd und Staub umbgibt.
Der Jugend-Röthe bleicht die Wunder-holde Sitten
Verrauchen mit der Zeit; die auserles’ne Zier
Hat oft ein eintzig Stoß der Kranckheit überstritten
Und mit den Jahren fällt die reitzende Begier.
Der Sarch wie schwartz er ist macht uns doch erst vollkommen
Deckt alte Schädel mit den krausen Locken zu
Der Anmuth Licht wie klar wie lang’ es auch geglommen
Verlescht der Heßliche find bey dem Schönen Ruh.
Die Selige die lehrt wieweit die Welt zu achten.
Viel bau’n zwar einem Leib der zart ist ein Altar
Doch wenn wir mit Vernunfft die Eitelkeit betrachten
Eh noch das Opffer glimmt so fault er auff der Bahr.