Seneca Epist. 26Quid egeris, tunc apparebit, cum animam ages

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Such armer wie du wilt zu deinen thaten nacht

Verstelle sinn und hertz den nechsten zu betrügen

Der mund befleiße sich uns tugend vorzulügen

So unter schimpff und koth der laster schon verschmacht;

Laß in der augen glantz die freundligkeiten spielen

Im busen wird doch gifft und rauch und unmuth wühlen

Wenn itzt die seele soll von ihrem leibe ziehn

Und das gewissen wacht dein zeuge dein verräther

Hilff Gott was hört man da! du bist ein übelthäter!

Und must aus schreckens-angst für Gottes urtheil fliehn.

Da kömmt der hände werck und des gemüthes sinnen

Ans licht es wird entdeckt dein heimliches beginnen;

Nun ist der fürhang weg hier steht das hertze bloß

Das vor so lustig war die schalckheit zu verhelen

Die glieder zancken sich mit ihrem gast der seelen

Die itzt bekennen muß wo sie will qvitt und loß

Von ihren sünden seyn: was hastu nun verübet?

Weil auch dein leben selbst dir kein gut zeugniß giebet.

Ach mensch! gedencke nicht daß was verborgen bleibt

Ein sterblich aug und ohr ist leichtlich zu bethören

Der himmel schlummert nicht sein ohr wird immer hören

Auff deiner reden ziel; und was sein griffel schreibt

Lescht keine zeit nicht aus. Drum müh dich so zu leben

Als wenn du täglich Gott soltst deine rechnung geben.