[Sey tausendmahl/ o schönstes kind/ willkommen]

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Sey tausendmahl o schönstes kind willkommen

Luci'gen bist dus oder bist dus nicht?

Wo hat sich denn mein glücke hergenommen

Daß mir dein licht bey stiller nacht anbricht

Erwünschtes glück soll ich denn mit vergnügen

Noch heute schatz in deinen armen liegen?

Entweichet nun ihr müden liebes-sorgen!

Ihr findet doch bey mir mehr keinen platz

Vor sehnt ich mich mit schmertzen nach dem morgen

Itzt bringt die nacht mir meinen liebsten schatz

Und läst mir zum vergnügten liebes-raube

Mein liebstes mädgen meine turtel-taube.

Ach säume nicht mein kind mich zu vergnügen

Komm her du ausbund aller meiner lust

Laß mich vergnügt in deinen armen liegen

Und gönne mir die seiden-weiche brust

Es stehet schon in deiner hand mein leben

Was mir und dir vergnügte lust kan geben.

Nun fühl ich recht das liebende versüssen

Mein geist ist ausser mir ich weiß nicht wo

Wie wird dir doch mein kind bey meinen küssen?

Wohl! liebstes kind es ist mir eben so

Ich sencke schon die matten augen-lieder

Vergnügt auff deine zarten brüste nieder.

Wiltu mir nicht mein kind noch eins verstatten

Daß ich dich darff – – – ach kind wo bistu hin

Wo bleibt die nacht mit ihren dunckeln schatten?

Nun seh ich erst daß ich betrogen bin

Ein blasser traum der hat mich dir entzogen

Und mich zugleich vergnügt und auch betrogen.