Sie jubiliert über ihn mit den Hirten

By Angelus Silesius

Written 1650-01-01 - 1650-01-01

Ich bin voller Trost und Freuden

Und vergeh vor Fröhlichkeit,

Süße wird mir alles Leiden,

Kurz das Elend dieser Zeit.

Mein Geblüte kocht in mir

Und das Herz zerspringet schier.

Was bedeut dein Jubilieren,

Du verliebte Schäferin?

Wessentwegen läßt du spüren

Solche Freud in deinem Sinn?

Hast du deinen Schatz gesehn

Oder was ist sonst geschehn?

Ach, wie soll ich mich nicht freuen!

Weil mich der zur Braut erkiest,

Der die Erde wird verneuen

Und des Himmels Erbherr ist.

Der mir so viel Guts getan

Und mich nimmer hassen kann.

Billig bist du hoch erfreuet,

Weil dich der so innig liebt,

Der den Himmel benedeiet

Und der Welt das Leben gibt.

O du königliche Braut,

Die Gott selbsten ist vertraut.

Auf die Erden ist er kommen

Als ein armes Knäbelein,

Hat den Fluch auf sich genommen

Und gelitten meine Pein.

O der großen Wundertat!

Schaut, wie er geliebet hat.

Selig müssen wir dich preisen,

Weil sich Gott zu dir geneigt

Und mit unerhörten Weisen

Solche große Lieb erzeigt.

Selig bist du, Schäferin,

Selig ist dein Herz und Sinn.

Selig bin ich alle Stunden,

Voller Trosts und herzlich froh,

Weil ich habe den gefunden,

Der das Alpha ist und O,

Der den Schlüssel Davids hat

Und mir zeigt den Himmelspfad.

Du hast funden deine Sonne,

Die dir Licht und Leben gibt,

Deine Freude, deine Wonne,

O wie wohl hast du geliebt!

Deiner Liebe Lohn und Kron

Ist des höchsten Gottes Sohn.

O wie wohl hab ichs getroffen,

Wie gefällt mir doch dies Spiel!

Seine Wunden stehn mir offen,

Ich kann eingehn, wenn ich will.

Seine Hände zeigen mir

Des verliebten Herzens Tür.

Geh in diesen Ort der Freuden,

Werte Psyche, trink den Wein,

Den dir Jesus hat bescheiden,

Bis du ganz wirst trunken sein.

Geh in seine süße Brust

Und genieß des Himmels Lust.

Was für Freude, was für Wonne

Hat ein Herz, das Jesum liebt!

Kommt und trinkt aus diesem Bronne,

Der euch alls umsonste gibt.

Seiner Liebe Süßigkeit

Übertrifft den Honig weit.

Kommt, wir wollen alle trinken,

Bis wir werden trunken sein,

Bis wir ganz und gar versinken

In dem Quell und in dem Wein.

Bis uns Red und Wort gebricht

Und sich keiner kennet nicht.

Ach, wie gerne wollt ich wissen,

Wo denn nun mein Jesus ist?

Den ich ewig soll genießen,

Der mich hat zur Braut erkiest,

Der mir solche Süßigkeit,

Als kein andrer, hat bereit.

Siehst du mich nicht, meine Freude,

Meine Braut, mein Täubelein?

Siehst du nicht, wie treu ich weide

Deine blöden Schäfelein?

Nimmermehr weich ich von dir,

Wo nur du verbleibst bei mir.

Ach, das ist des Bräutgams Stimme!

Ach mein Jesus, das bist du,

Der dem Wolf und seinem Grimme

Widersteht bis heute zu.

Ach mein Lieb, umfahe mich,

Weil ich einzig liebe dich.

Bleib beständig und getreue,

Hochgeliebte Schäferin,

Bis ich völlig dich erfreue

Und dich grüße, Königin.

Dann wird meiner Gottheit Schein

In und um dich ewig sein.

Ja, ich will beständig bleiben,

Allerliebster, und mich dir

Ewig treu zu sein verschreiben,

Will dir dienen für und für.

Meine Seele soll allein

Nur in dich verliebet sein.

Ei, so laßt uns alle singen

Und ein süßes Hirtenlied

Unsrem lieben Jesu bringen,

Der so herzlich sich bemüht,

Daß ein arme Schäferin

Sei sein Schatz und Königin.

Ihm sei Lob von allen Zungen

Und vom Gräslein auf der Au.

Seine Güte sei besungen

Von den Töpflein in dem Tau.

Ihm sei Preis und Herrlichkeit

Jetzo und in Ewigkeit.