Sie muntert auf zum Streit

By Angelus Silesius

Written 1650-01-01 - 1650-01-01

Auf, auf, o Seel, auf, auf zum Streit,

Auf, auf zum Überwinden!

In dieser Welt, in dieser Zeit

Ist keine Ruh zu finden.

Wer nicht will streiten, trägt die Kron

Des ewgen Lebens nicht davon.

Der Teufel kommt mit seiner List,

Die Welt mit ihrem Prangen,

Das Fleisch mit Wollust, wo du bist,

Zu fälln dich und zu fangen.

Streifst du nicht wie ein tapfrer Held,

So bist du hin und schon gefällt.

Gedenke, daß du zu dem Fahn

Deins Feldherrns hast geschworen,

Gedenke, daß du als ein Mann

Zum Streit bist auserkoren.

Gedenke, daß ohn Streit und Sieg

Nie keiner zum Triumph aufstieg!

Wie schmählich ists, wenn ein Soldat

Dem Feind den Rücken kehret!

Wie schändlich, wenn er seine Stadt

Verläßt und sich nicht wehret!

Wie spöttlich, wenn er noch mit Fleiß

Vor Trägheit wird dem Feinde Preis.

Bind an, der Teufel ist bald hin,

Die Welt wird leicht verjaget,

Das Fleisch muß endlich aus dem Sinn,

Wie sehr dichs immer plaget.

O ewge Schande, wenn ein Held

Vor diesen dreien Buben fällt!

Wer überwindt, der wird vom Baum

Des ewgen Lebens essen,

Mit seinem Haupt wird er den Raum

Der Himmelskrone messen.

Wer überwindt, den soll kein Leid

Noch Tod berührn in Ewigkeit.

Wer überwindt und seinen Lauf

Mit Ehren geht vollenden,

Dem will der Herr alsbald darauf

Verborgnes Manna senden,

Ihm geben einen weißen Stein

Und einen neuen Namen drein.

Wer überwindt, bekommt Gewalt,

Wie Christus zu regieren,

Bekommet Macht, die Völker bald

In einer Schnur zu führen.

Wer überwindt, bekommt vom Herrn

Zum Feldpanier den Morgenstern.

Wer überwindt, soll ewig nicht

Aus Gottes Tempel gehen,

Soll drinnen wie ein englisch Licht

Und goldne Säule stehen.

Der Name Gottes und des Herrn

Soll leuchten von ihm weit und fern.

Wer überwindt, soll auf dem Thron

Mit Christo Jesu sitzen,

Soll glänzen wie ein Gottessohn

Ins hohen Himmels Spitzen.

Soll ewig herrschen und regiern,

Soll ewiglich den Himmel ziern.

So streit denn, Seel, streit keck und kühn,

Daß du mögst überwinden.

Streng alle Kräft an, allen Sinn,

Daß du dies Gut mögst finden.

Wer nicht will streiten um die Kron,

Bleibt ewiglich in Spott und Hohn.