Sie nähete ein weisses tuch

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Es führte Lesbia in ihrer weissen hand

Ein wunderschönes tuch dem kreide nicht zu gleichen

So nur alleine will dem schnee der hände weichen

Weil dieser es beschützt vor ihrer augen brand.

Doch scheint es wie sich selbst das köstliche gewand

Bloß und alleine will von dieser sonne bleichen

Und muß die nadel gleich durch seine faden streichen

So wird es doch durch diß ie mehr und mehr bekandt.

O wunderschönes tuch! dir blühet das gelücke

Ihr auge zieret dich mich tödten dessen blicke

Dich macht es lieb und werth mir hat es haß gebracht

Dein faden fühlt die stich ich fühle sie im hertzen

Dir bringt er ehr und ruhm mir macht er noth und schmertzen

Dich setzt er an den tag mich in die todes-nacht.