Sie preist die Holdseligkeit des Jesuleins

By Angelus Silesius

Written 1650-01-01 - 1650-01-01

O allerliebstes Knäbelein,

Du nimmst die Herzen ein.

O Jesu, du Wonne,

So klar als die Sonne,

O Kind, neugeboren,

Vor tausend erkoren,

Du nimmst die Herzen ein.

Wenn ich beschau dein Äugelein,

Nenn ich sie Sternelein,

Die tugendlich prahlen

Und wonniglich strahlen,

Mit jeglichen Blicken

Die Herzen berücken,

Wen sie berührn, ist dein.

Dein Mündlein ist ein Gärtelein,

Wie blühen doch so fein

Die Röslein darinne!

Daraus ich gewinne,

Wenn du sie bewegest

Und gegen mir regest,

Den besten Rosenwein.

Nun nimm die Welt nur gänzlich hin,

Dich hält, statt ihr, mein Sinn.

Du kannst mich ergötzen,

Bist würdig zu schätzen,

Verzückst mein Gemüte,

Fängst Herz und Geblüte

Und alles was ich bin.

O Jesu, nun soll dir allein

Mein Herz ergeben sein.

Du magst es verbrennen,

Dein eigenes nennen,

Huldseliger Knabe,

Mit dem ich mich labe,

Du nimmst die Herzen ein.