Sie speiset seinen vogel aus ihrem munde. J. v. M.
Mein zeißgen nehrte sich bißher von hanff und rüben
Und liesse seinen tranck ein schlechtes wasser seyn.
Es ließ den irrdnen napff ihm mehr als gold belieben
Und bildet sich ein schloß von seinem käficht ein.
Nun merckt der vogel erst daß glaß chrystallen weichet
Der ros’ ein nessel-strauch dem bisame zibeth
Nachdem sein neuer stand so wenig jenem gleichet
Als wenig schnecken-blut nach andern farben geht.
Es hat sein altes hauß (von holtze zubereitet
Mit tannen ausgeziert) um eine hand vertauscht
Die selbst der kreide trotzt und mit der wolle streitet
Darin der lose gast auff seidnen polstern lauscht.
Sein ietzigs trinckgeschirr ist ein rubinen-becher
Den rings-um die natur mit perlen ausgesetzt
In dessen wunder-safft zu seinem liebes-köcher
Cupido allemahl die güldne pfeile netzt.
Mein vogel speist allhier nichts als nur amber-kuchen
Und trinckt den nectar der aus purpur-rosen quillt.
Der süsse seelen-thau den viele geister suchen
Hat diesen glücklichen zum öfftern angefüllt.
Ach wie verschwendrisch ist bißweilen das gelücke!
Hier wirfft es alles zu dem der gar nichts verdient
Der nichts erkennen kan und der die holden blicke
Wol um ein korn vertauscht daraus ein hanff-stiel grünt.
Ach wolte mir einmahl ein solcher glücks-stern scheinen
Ich wolt empfindlicher als du mein zeißgen seyn
Ich weiß den wahren werth von solchen edel-steinen
Man nimt die perlen nicht wie rüben-saamen ein.
Ein solcher götter-safft mit rosen überdecket
Reimt sich mein armes thier für deinen schnabel nicht;
Ach diese zucker-kost die nach jeßminen schmecket
Ist eintzig und allein den seelen zugericht!
Komm tausch einmahl mit mir: Ich schwer bey meinem leben
Ich will weit mehr vergnügt von deiner taffel gehn.
Du armer vogel nimst und kanst nicht wieder geben;
Ich kans und muß dennoch dich vorgezogen sehn.