Sie speiset seinen vogel aus ihrem munde. J. v. M.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein zeißgen nehrte sich bißher von hanff und rüben

Und liesse seinen tranck ein schlechtes wasser seyn.

Es ließ den irrdnen napff ihm mehr als gold belieben

Und bildet sich ein schloß von seinem käficht ein.

Nun merckt der vogel erst daß glaß chrystallen weichet

Der ros’ ein nessel-strauch dem bisame zibeth

Nachdem sein neuer stand so wenig jenem gleichet

Als wenig schnecken-blut nach andern farben geht.

Es hat sein altes hauß (von holtze zubereitet

Mit tannen ausgeziert) um eine hand vertauscht

Die selbst der kreide trotzt und mit der wolle streitet

Darin der lose gast auff seidnen polstern lauscht.

Sein ietzigs trinckgeschirr ist ein rubinen-becher

Den rings-um die natur mit perlen ausgesetzt

In dessen wunder-safft zu seinem liebes-köcher

Cupido allemahl die güldne pfeile netzt.

Mein vogel speist allhier nichts als nur amber-kuchen

Und trinckt den nectar der aus purpur-rosen quillt.

Der süsse seelen-thau den viele geister suchen

Hat diesen glücklichen zum öfftern angefüllt.

Ach wie verschwendrisch ist bißweilen das gelücke!

Hier wirfft es alles zu dem der gar nichts verdient

Der nichts erkennen kan und der die holden blicke

Wol um ein korn vertauscht daraus ein hanff-stiel grünt.

Ach wolte mir einmahl ein solcher glücks-stern scheinen

Ich wolt empfindlicher als du mein zeißgen seyn

Ich weiß den wahren werth von solchen edel-steinen

Man nimt die perlen nicht wie rüben-saamen ein.

Ein solcher götter-safft mit rosen überdecket

Reimt sich mein armes thier für deinen schnabel nicht;

Ach diese zucker-kost die nach jeßminen schmecket

Ist eintzig und allein den seelen zugericht!

Komm tausch einmahl mit mir: Ich schwer bey meinem leben

Ich will weit mehr vergnügt von deiner taffel gehn.

Du armer vogel nimst und kanst nicht wieder geben;

Ich kans und muß dennoch dich vorgezogen sehn.