Sie übergibt dem Jesulein ihr Herze

By Angelus Silesius

Written 1650-01-01 - 1650-01-01

Ich komm zu dir, mein Jesulein,

Mit kindlichen Geberden,

Auf daß mein Herz von seiner Pein

Durch deines frei soll werden.

Nimm hin mein Herz, o Jesulein,

Mach es rein

Wie dein eignes Herzelein.

Es ist verdorrt und ohne Kraft,

Vom Reif fast gar verdorben.

Tränkt es nicht deiner Gottheit Saft,

So bleibt es ganz erstorben.

Nimm hin mein Herz, o Jesulein,

Flöß ihm ein

Deines süßen Herzens Wein.

Es seufzt und ächzet Tag und Nacht,

Daß es hat dich verloren,

Dich, der du es zu dir gemacht

Und vor der Welt erkoren.

Nimm hin mein Herz, o Jesulein,

Schließ es ein

In dein heilges Herzelein.

Es sehnet sich ganz inniglich,

Dir wieder einzuleiben

Und deinem Herzlein ewiglich

Ein treues Herz zu bleiben.

Drum nimm es hin, mein Jesulein,

Laß es sein

Eins mit deinem Herzelein.