Sie verschmäht die Welt und wendet sich zu ihrem Jesu

By Angelus Silesius

Written 1650-01-01 - 1650-01-01

Fahr hin, du schnöde Welt,

Mit deinem Gut und Geld.

Fahr hin mit deinem Prangen

Und den geschminkten Wangen,

Du wirst mit deinen Tücken

Mich nun nicht mehr berücken:

Jesus Christus soll allein

Meiner Seelen Vorbild sein.

Du zeigst mir deine Pracht,

Dein Reichtum, deine Macht

Und deiner Schönheit Rosen,

Daß ich sie lieb soll kosen.

Ach nein, es ist nur Heue

Und stäubet hin wie Spreue:

Jesus Christus soll allein

Meiner Seelen Schönster sein.

Dein Ruhm ist wie ein Schaum

Und deine Pracht ein Traum,

Und deine Herrlichkeiten

Verbleichen mit den Zeiten.

Fahr hin, ich mag nicht haben,

Was nur kann zeitlich laben:

Jesus Christus soll allein

Meiner Seelen Liebster sein.

Wer dir zu viel getraut,

Hat auf den Sand gebaut.

Wer dir sich hat ergeben,

Verdirbt mit Leib und Leben.

Drum will ich dich verlassen

Und nimmermehr umfassen:

Jesus Christus soll allein

Meiner Seele Bräutgam sein.

Ich schätze deine Lust

So hoch als Kot und Wust.

Und alle deine Freude

Vergleich ich Traurn und Leide.

Drum will ich auch nicht lieben,

Was mich nur kann betrüben:

Jesus Christus soll allein

Ewig meine Liebe sein.