Sie wil die Abwesenheit ihres Liebstens mit Gedult ertragen.

By Johann Georg Gressel

Scheint die Hoffnung meines Lebens

Schon zu schwinden in der Lufft

Quähl ich mich doch nur vergebens

Und bereite mir die Grufft

Darum weicht Gedancken weichet

Daß mein Hertz die Ruh’ erreichet.

Solte denn kein Stern mehr sternen?

Der ein gut Gelücke zeigt

Wenn ein Liebster durch Entfernen

Nur auf wenig Monden weicht;

Ja! auf kurtze Zeiten scheiden

Bringt vor Unglück süsse Freuden.

So erhohle dich mein Hetze

Lasse deinen Schatz nur ziehn

Dencke daß zuletzt der Schmertze

Muß zur schwartzen Höllen fliehn.

Ein gewünschtes Wiedersehen

Läst dich nicht zu Grunde gehen.

Fahr denn wohl geliebte Seele

Grosser Himmel steh ihm bey

Schaffe daß des Todes-Höle

Nicht vor ihme offen sey;

Lasse meine Träume lügen

Und mich frisch ihn wieder kriegen.

Mehr indessen seine Liebe

Wie sich meine täglich mehrt

Flamm noch an die heissen Triebe

Die schon unser Hertze nehrt.

Lasse uns so hefftig lieben

Als ein Mensch je können üben.