Siegeslied nach der Schlacht bei Prag

By Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Written 1757-01-01 - 1757-01-01

Viktoria! mit uns ist Gott,

Der stolze Feind liegt da!

Er liegt, gerecht ist unser Gott,

Er liegt, Viktoria!

Zwar unser Vater ist nicht mehr,

Jedoch er starb ein Held,

Und sieht nun unser Siegesheer,

Vom hohen Sternenzelt.

Er ging voran, der edle Greis!

Voll Gott und Vaterland.

Sein alter Kopf war kaum so weiß,

Als tapfer seine Hand.

Mit jugendlicher Heldenkraft

Ergriff sie eine Fahn,

Hielt sie empor an ihrem Schaft,

Daß wir sie alle sahn;

Und sagte: „Kinder, Berg hinan,

Auf Schanzen und Geschütz!“

Wir folgten alle, Mann vor Mann,

Geschwinder wie der Blitz.

Ach! aber unser Vater fiel,

Die Fahne sank auf ihn.

Ha! welch glorreiches Lebensziel,

Glückseliger Schwerin!

Dein Friederich hat dich beweint,

Indem er uns gebot;

Wir aber stürzten in den Feind,

Zu rächen deinen Tod.

Du, Heinrich, warest ein Soldat,

Du fochtest königlich!

Wir sahen alle, That vor That,

Du junger Löw', auf dich!

Der Pommer und der Märker stritt

Mit rechtem Christenmut:

Rot ward sein Schwert, auf jedem Schritt

Floß dick Pandurenblut.

Aus sieben Schanzen jagten wir

Die Mützen von dem Bär.

Da, Friedrich, ging dein Grenadier

Auf Leichen hoch einher.

Dacht' in dem mörderischen Kampf

Gott, Vaterland, und dich;

Sah, tief in schwarzem Rauch und Dampf,

Dich, seinen Friederich.

Und zitterte, ward feuerrot,

Im kriegrischen Gesicht,

(Er zitterte vor Deinem Tod,

Vor seinem aber nicht.)

Verachtete die Kugelsaat,

Der Stücke Donnerton,

Stritt wütender, that Heldenthat,

Bis deine Feinde floh'n.

Nun dankt Er Gott für seine Macht,

Und singt: Viktoria!

Und alles Blut aus dieser Schlacht

Fließt nach Theresia.

Und weigert sie auf diesen Tag,

Den Frieden vorzuziehn;

So stürme, Friedrich, erst ihr Prag,

Und dann führ uns nach Wien.