Sing-Stimme.

By Georg Neumark

Als Thyrsis nun war gantz gesonnen

zu reysen in sein Vaterland

zu seinem Poperoder Bronnen

an seinen lieben Unsterstrand

Setzt er sich nieder mit Verdruß

An den berühmten Pregelfluß.

Man bracht' ihm die Viol-degammen

so manchem Hürten wolgefiel

bald stimmt' Er solche rein zusammen

Das sanft' und liebe Seitenspiel

Demnach nun dieses war gethan

Fing er also zu singen an:

Nun ist die Zeit herbey gekommen

Daß ich die liebe Vaterstadt

Einmal zu sehn mir vorgenommen

Die mich der Welt gebohren hat

Und wo mir recht so sind schon hin

Neun Jahre daß ich von ihr bin.

und das weil Gott in grosser Güte

Dem halberstorbnen Vaterland

Aus recht-mitleidendem Gemühte.

gebohren seine Gnadenhand

Und ihm numehr gesaget zu

Die viel gewünschte Friedensruh.

Drüm lebet wol ihr liebste Brüder

Lebt wol ihr gute Preussen ihr

Wer weiß auch ob ich sehe wieder

Dich weit-berühmten Pregel hier

Zu guter Nacht du liebes Vieh

Sey wol gesegnet je ünd je.

Es bringet mir zwar grosse Schmertzen

Das ich so hinterlassen muß

So manche liebe teutsche Hertzen.

Was meinst du wol mein Tytirus?

Wie? wird dirs nicht zu Sinne gehn

Wenn du mich nicht wirst bey dir sehn?

Ich meine ja. Doch sey zu frieden

Laß dieß Verhängnüß also gehn

Der Himmel der uns nun geschieden

Der wird auch lassen dieß geschehn

Daß wir vielleicht in kurtzer Zeit

uns wiedersehn in Fröligkeit.

Eh aber ich von hinnen reise

So höret liebe Brüder zu

Hör zu eh ich aus diesem Kreyse

Mein Sylvius du Teutscher Du

Was doch amtzo neues sey

In der Prussilschen Schäferey.

Du kennst ja jenen ädlen Hürten

Den hoch-gerühmten Filidor?

Den Föbus selbst mit grünen Myrten

Vor andern hat gebracht empor

Der sich beflissen jederzeit

Der alten Teutschen Redligkeit.

Der nicht das Gifft im Hertzen heget

Und gleichwol Zukkerworte redt

Wie leyder itzo mancher pfleget

Von dem mans nicht gemeinet hett'

Ein solcher Geist ist bey ihm nicht:

Der Mund des Hertzes Meinung spricht.

Weßwegen ich ihm so verbunden

Daß ich aus unverfälschtem Sinn'

Jhm auffzuwarten alle Stunden

Auch biß zum Tode willig bin.

So lang' ich seh des Tages Schein

Sol Filidor gerühmet seyn.

Den schönsten Bokk wil ich verwetten

Glaub mir mein Bruder Sylvius

Wenn wir gleich solche Zungen hetten

Wie jener grosse Thovilus

So weren wir mit allem Recht'

Jhn gnug zu preisen doch zu schlecht.

Eskans ja niemand nicht verneinen

Daß er des Stammes Ziehrligkeit;

Ein ädles Licht der lieben Seinen;

Ein Wohnhauß der Vollkommenheit;

Ein Beyspiel wo man sattsam spührt

Was einen ädlen Schäfer ziehtt.

Als ihn Apollo nur erblikket

Hielt'er ihn bald für seinen Sohn:

Es haben ihn so aus geschmükket

Die Musen auff dem Helikon

Daß ihn die Ehr' auch selber liebt

Und beyzustehn ihr Händchen gibt.

Wie reich er sonsten ist von Gaben

Die kaum bey Andern eintzeln seyn

Noch dennoch muß den Vortrab haben

Bey ihm der Demuht schöner Schein.

Des Adels Demuth ist die Pracht

Die aus den Menschen Götter macht.

Ists nicht also ihr Schäferinnen

Jhr werdets theils ja selbst gestehn

Daß ihr ihn mustet lieb gewinnen

Wenn ihr den Filidor gesehn

Bevoraus wenn er etwan sang

Ein Liedchen in der Seiten klang.

Wie muß euch doch wol seyn zu muhte

Wenn ihr ihn zierlich tantzen seht:

Mir dünkt daß in dem zarten Blute

Bey euch ein heimlichs Feur entsteht.

An euren Augen kan mans sehn

Wenn ihr es gleich nicht wolt gestehn.

Verzeihet mir ihr ädle Hertzen

Daß ich euch itzo schamroht mach'

Es ist ja nur mein ernstlichs Schertzen

Es ist ja keine schlimme Sach'

Jhr schönes Volk ich sag' euch dieß

Ich wils nicht mehr thun glaubts

gewiß.

Nicht nur in den Prutenschen Wäldern

Ist Filidor so hoch beliebt

Nicht nur in diesen schönen Feldern

Da es so fette Weide giebt

Nicht nur am ädlen Pregelstrand'

Ist Filidor so wol bekandt.

Dort wo die grosse Seine fliesset

Wird seiner rühmlich nachgedacht:

Auch da wo sich der Rhein ergiesset

Hats Filidor also gemacht

Daß jene Hürten allezeit

Beklagen sein' Abwesenheit.

Als er nun seine güldne Jugend

Mit ädler übung aus geziehrt

Die Sinnen mit beliebter Tugend

Und Wissenschafften angeführt

Hat er sich wieder her gewandt

Hier in sein werthes Vaterland.

Nun hat es sich so zu getragen

Daß er mit seinem Hürtenstab'

In nechst verwichnen Sommertagen

Sich einsmals in den Wald begab.

Da er die Schafe weiden hieß

Und sich im Schatten nieder ließ?

Wie? sagt' er sol ich so vertreiben

Die jungen Jahr' in Einsamkeit?

Sol ich so lange ledig bleiben

Sol ich so leben unbefreyt?

Nein nein ich muß mich lenken hin

Zu einer schönen Schäferin.

Wie aber sol ich solches machen

Bey welchem Ende greiff' ichs an?

Denn Freyen sind nicht schlechte Sachen

Wer bringt mich hin auf solche Bahn

Allwo mein Hertz ein Hertzchen findt

Das mich mit gleicher Liebe bindt?

Als er nun saß in den Gedanken

Und dachte bald auff diß und daß

In einem steten Wechsel-wauken

Legt' er sich endlich in das Graß.

Und fiel als er entschlaffen kaum

In einen lieb gewünschten Traum

Jhm daucht' in seinem sanften Schlafe

Bey seiner honigsüssen Ruh

Als wenn durch seine Herde Schafe

Kupido auff ihn gienge zu.

Kupido jener lose Knecht

Und ihme diese Bottschafft brächt:

Hör auff mein Freund dich zu bedänken

Mein ädler Filidor halt' inn

Dein abgequältes Hertz zukränken

Von wegen einer Schäferinn:

Der Himmel den du stets geliebt

Dir ein vergnüglichs Mittel gibt.

Heut' hab ich über alles hoffen

Mein Filidor nur dir zu gut

Ein ausserwehltes Hertz getroffen

So schon in keuscher Liebesgluth

Wiewol zur Zeit noch heimlich brennt.

Und schweigend sich die Liebste nennt

Sie ist die Schönste fast im Lande

Bey dieser gantzen Schäferey

Sie ist aus hoch gesprossnem Stande

Wer meinest dn wol wer sie sey?

Nicht viel man ihres gleichen findt

Minerva liebt sie wie ihr Kind.

Sie hat der Tugend Brust gesogen

Von ihrer kleinen Kindheit an

Die Gottesfurcht hat sie erzogen

Gegängelt in der Ehrenbahn

Viel schöne Künste sind ihr Ruhm

Die Frömmigkeit ihr eigenthum.

Dir hab' ich sie allein erkohren

Sie die dir gleich in allem ist

In der du dich fast selbst verlohren

In der du dir recht ähnlich bist.

Ich mache dich nun duppelt reich

Du findest dich und was dir gleich.

Und dieser ädlen Schäferinnen

Beliebten Nahmen wirstu sehn

Wenn du dich nur wirst recht besinnen

Jm fall du nur wirst in dich gehn

Bedenke nur die itzge Zeit

So wirstu haben gnug Bescheid.

Hierauf Kupido sein Gefieder

Hin in die klare Lüffte schwang

Und Filidor erwachte wieder

Nach dem er einer Stunden lang

Gelegen unter einem Baum'

In seinem süssen Liebestraum:

In dem nun Filidor gedachte

Was denn hierbey zu handlen wer'

Des neu-gehabten Traumes lachte

Sieh da so findt sich ungefehr

Ein' ädele Zusammenkunfft

Aus der Prutener Schäferzunfft.

Sie sagten sämtlich voller Freuden:

Kom lieber Bruder Filidor

Laß deine Schaf' alleine weiden

Stell ihnen einen Knaben vor

Der wachsam bey der Heerde bleib'

Und wenn sie fatt nach Hause treib.

Wir aber wollen unterdessen

Weil uns der Himmel selber winkt

Der Sommerfreude nicht vergessen:

Schau Bruder wie die Sonne blinkt

Schau wie doch was wir sehen spielt

Und sonst auff nichts als Freude ziehlt.

Nur diese Freud' uns sol behagen

Die von den schnöden Lüsten weit

Worzu uns unsre Sinnen tragen

Sol sein vergönte Fröligkeit

Wir wollen in gewünschter Ruh

Den gantzen Abend bringen zu.

Wir wollen unsre Juliene

Die weitberühmte Schäferin

Die ausserwehlte Nymf die Schöne

Die rechte Tugendkömgin

Nach unsrer Pflicht besuchen gehn

Und sämtlich ihr zu Diensten stehn.

Man sagt daß sie von unsren Wäldern

Amtzo gar nicht ferne sey

Daß sie nun dort in jenen Feldern

Bey der Kirschneinschen Schäferey

Jm feisten Klee und dikken Gras'

Jhr Wollen Viechen weiden laß.

Als Filidor nun hörte nennen

Den Nahmen dieser Schäferin

Fing er bald heimlich an zu brennen

Und dacht' in seinem Liebessinn':

Huy huy ich bilde mir fast ein

Daß die wird meine Liebste seyn.

Die Schäfrin heisset Juliene

Und Julius die Monatszeit

Was gilts sie wird es sein die Schöne

Die mir Kupido angedeut.

Dieß wars was er allein gedacht'

Und was er heimlich bey sich lacht.

Drauf nahmen sie die Hürtenstäbe

Und giengen nach Nikrenschen zu

Der Filidor sagt: Wo ich lebe

So wil ich heut' in stoltzer Ruh

Jm fall ihr mit mir stimmet ein

Aus treuem Hertzen lustig seyn.

Als sie nun waren angekommen

In Dikastarchens schönes Feld

Hat man sie freundlich aufgenommen

Und sonderbare Lust bestellt

Ein ieder Schäfer war die Zeit

In voller Hertzensfröligkeit.

Die Schäfrin wust' ihr Liebesblikken

Mit einer keuschen Heimligkeit

Dem Filidoren zu zu schikken

Deß er sich denn im Hertzen freut'

Jhm' gab sie gnugsam zu verstehn

Daß er nur solte fürder gehn.

Hierauf hat er sich kurtz besonnen:

Auff Filidor sey nun ein man!

Ey frisch gewagt ist halb gewonnen.

Sprich deine Liebste selber an.

Weil sie dein ädles Sinnenlicht

Die Liebesbahn dir selber bricht.

Er offenbahrt' ihr seine Schmertzen

Die neuentstandne Liebespein

Die ihn so quählt' in seinem Hertzen

Die ihm drang zu der Seelen ein:

Er schwur daß er sie hertzlich liebt.

Und sich allein üm sie betrübt.

So wil ich euch hergegen schenken

Sprach Juliene meine Treu

Und eine Seele zu euch lenken

Die täglichen sol werden neu

In keuscher Lieb' und rechter Pflicht

Die nimmermehr wird wanken nicht.

Ein' Anzahl zukkersüsse Küsse

Die machten ihren Liebesbund

Doch in geheim fest und gewisse.

Was ihr gantz unverfälschter Mund

Und die geschlagne Hand gieng ein

Da sprach das Hertz das Amen drein.

Doch fragte sie den besten Rahter

Und sagt' ihm das Verbündnüß an

Dem hertzgeliebten Herren Vater

Was sie mit Filidor gethan.

Auch Filidor ging zu ihm hin

Und offenbahrt' ihm seinen Sinn.

Er als ein HERR von vielem Wissen

Dikastarchus der grosse Mann

Ist alsobald darauff beflissen

Wie man den Sachen rahten kan

Er stellt dem Schäfer Filidor

Sein Kind die Juliene vor.

Wie? sprach er habt ihr euch verbunden

In reiner Lieb' und keuscher Brunst?

So bleibet auch von diesen Stunden

In einer steten Gegengunst;

Was Gott und euer Hertze schikkt

Das bleibe von mir unverrükkt.

Ich halt' euch Filidor nicht minder

Mein glaubt es mir von numehr an

Als wie mein' eigne liebste Kinder

Und daß weil ihr bleibt auff der Bahn

Wo euer weltberühmter Stamm

Den mehr als ädlen Uhrsprung nahm.

Drüm wünsch' ich euch zu allen Zeiten

Was euch zu eurer Wolfahrr nützt

Der Himmel woll' euch stetz begleiten

Der euch vor allem Unfall schützt

Lebt wol und glüklich ie und ie

Mit eurer schönen Heerde Vieh

Als dieß die andern inne worden

Kam solches ihnen seltzam vor

Daß so geschwind' aus ihrem Orden

Der ädle Schäfer Filidor

Mit seiner allerschönsten Braut

Der Julienen anvertraut.

Sie rieffen freudig all zusammen

Geh grosses Vaters grosser Sohn

Geh Filidor und theil die Flammen

Mit deiner ädlen Wälder kron':

Jhr ädles Paar ihr endet itzt

Worauf Kupido sich gespitzt.

Vermehret euer Liebesfeur

Welches in euch beyden angestekkt

Der Himmel euer rechter Freyer

Damit ein neues werd' erwekkt

Und dänkt was ihr Euch und der Zeit

Für grosse Schuldner worden seyd.

Ich habe mir auch lassen sagen

Daß sie die Hochzeit angestellt

Noch vor Verfliessung zweyer Tagen

Bey dieser rauhen Hornungskält'

In dieser Stadt die Bergicht prangt

Und Königstittel hat erlangt.

Schau Sylvius hier ist zu sehen

Daß dieses was der Himmelsschluß

Einmal wil haben zu geschehen

Unhintertreiblich folgen muß.

Viel Freyschafften geschehen offt

Wo mans am wenigsten gehofft.

Dieß ists was ich erzählen wollen

Euch Brüdern noch vor meiner Reis'

Und was ich nicht verschweigen sollen

Auf was für unverhoffte Weis'

Herr Filidor befreyet sey

In der Nikreinschen Schäferey.

Wünscht ihm von Hertzen Glükk und Se-

Rufft ihm und seiner Liebsten zu: (gen

Der Himmel laß euch allerwegen

Beglükket sein in Fried' und Ruh;

Gott geb' euch beyden allezeit

Was euer Leib und Seel' erfreut.