Sing-Stimme.
Als Thyrsis nun war gantz gesonnen
zu reysen in sein Vaterland
zu seinem Poperoder Bronnen
an seinen lieben Unsterstrand
Setzt er sich nieder mit Verdruß
An den berühmten Pregelfluß.
Man bracht' ihm die Viol-degammen
so manchem Hürten wolgefiel
bald stimmt' Er solche rein zusammen
Das sanft' und liebe Seitenspiel
Demnach nun dieses war gethan
Fing er also zu singen an:
Nun ist die Zeit herbey gekommen
Daß ich die liebe Vaterstadt
Einmal zu sehn mir vorgenommen
Die mich der Welt gebohren hat
Und wo mir recht so sind schon hin
Neun Jahre daß ich von ihr bin.
und das weil Gott in grosser Güte
Dem halberstorbnen Vaterland
Aus recht-mitleidendem Gemühte.
gebohren seine Gnadenhand
Und ihm numehr gesaget zu
Die viel gewünschte Friedensruh.
Drüm lebet wol ihr liebste Brüder
Lebt wol ihr gute Preussen ihr
Wer weiß auch ob ich sehe wieder
Dich weit-berühmten Pregel hier
Zu guter Nacht du liebes Vieh
Sey wol gesegnet je ünd je.
Es bringet mir zwar grosse Schmertzen
Das ich so hinterlassen muß
So manche liebe teutsche Hertzen.
Was meinst du wol mein Tytirus?
Wie? wird dirs nicht zu Sinne gehn
Wenn du mich nicht wirst bey dir sehn?
Ich meine ja. Doch sey zu frieden
Laß dieß Verhängnüß also gehn
Der Himmel der uns nun geschieden
Der wird auch lassen dieß geschehn
Daß wir vielleicht in kurtzer Zeit
uns wiedersehn in Fröligkeit.
Eh aber ich von hinnen reise
So höret liebe Brüder zu
Hör zu eh ich aus diesem Kreyse
Mein Sylvius du Teutscher Du
Was doch amtzo neues sey
In der Prussilschen Schäferey.
Du kennst ja jenen ädlen Hürten
Den hoch-gerühmten Filidor?
Den Föbus selbst mit grünen Myrten
Vor andern hat gebracht empor
Der sich beflissen jederzeit
Der alten Teutschen Redligkeit.
Der nicht das Gifft im Hertzen heget
Und gleichwol Zukkerworte redt
Wie leyder itzo mancher pfleget
Von dem mans nicht gemeinet hett'
Ein solcher Geist ist bey ihm nicht:
Der Mund des Hertzes Meinung spricht.
Weßwegen ich ihm so verbunden
Daß ich aus unverfälschtem Sinn'
Jhm auffzuwarten alle Stunden
Auch biß zum Tode willig bin.
So lang' ich seh des Tages Schein
Sol Filidor gerühmet seyn.
Den schönsten Bokk wil ich verwetten
Glaub mir mein Bruder Sylvius
Wenn wir gleich solche Zungen hetten
Wie jener grosse Thovilus
So weren wir mit allem Recht'
Jhn gnug zu preisen doch zu schlecht.
Eskans ja niemand nicht verneinen
Daß er des Stammes Ziehrligkeit;
Ein ädles Licht der lieben Seinen;
Ein Wohnhauß der Vollkommenheit;
Ein Beyspiel wo man sattsam spührt
Was einen ädlen Schäfer ziehtt.
Als ihn Apollo nur erblikket
Hielt'er ihn bald für seinen Sohn:
Es haben ihn so aus geschmükket
Die Musen auff dem Helikon
Daß ihn die Ehr' auch selber liebt
Und beyzustehn ihr Händchen gibt.
Wie reich er sonsten ist von Gaben
Die kaum bey Andern eintzeln seyn
Noch dennoch muß den Vortrab haben
Bey ihm der Demuht schöner Schein.
Des Adels Demuth ist die Pracht
Die aus den Menschen Götter macht.
Ists nicht also ihr Schäferinnen
Jhr werdets theils ja selbst gestehn
Daß ihr ihn mustet lieb gewinnen
Wenn ihr den Filidor gesehn
Bevoraus wenn er etwan sang
Ein Liedchen in der Seiten klang.
Wie muß euch doch wol seyn zu muhte
Wenn ihr ihn zierlich tantzen seht:
Mir dünkt daß in dem zarten Blute
Bey euch ein heimlichs Feur entsteht.
An euren Augen kan mans sehn
Wenn ihr es gleich nicht wolt gestehn.
Verzeihet mir ihr ädle Hertzen
Daß ich euch itzo schamroht mach'
Es ist ja nur mein ernstlichs Schertzen
Es ist ja keine schlimme Sach'
Jhr schönes Volk ich sag' euch dieß
Ich wils nicht mehr thun glaubts
gewiß.
Nicht nur in den Prutenschen Wäldern
Ist Filidor so hoch beliebt
Nicht nur in diesen schönen Feldern
Da es so fette Weide giebt
Nicht nur am ädlen Pregelstrand'
Ist Filidor so wol bekandt.
Dort wo die grosse Seine fliesset
Wird seiner rühmlich nachgedacht:
Auch da wo sich der Rhein ergiesset
Hats Filidor also gemacht
Daß jene Hürten allezeit
Beklagen sein' Abwesenheit.
Als er nun seine güldne Jugend
Mit ädler übung aus geziehrt
Die Sinnen mit beliebter Tugend
Und Wissenschafften angeführt
Hat er sich wieder her gewandt
Hier in sein werthes Vaterland.
Nun hat es sich so zu getragen
Daß er mit seinem Hürtenstab'
In nechst verwichnen Sommertagen
Sich einsmals in den Wald begab.
Da er die Schafe weiden hieß
Und sich im Schatten nieder ließ?
Wie? sagt' er sol ich so vertreiben
Die jungen Jahr' in Einsamkeit?
Sol ich so lange ledig bleiben
Sol ich so leben unbefreyt?
Nein nein ich muß mich lenken hin
Zu einer schönen Schäferin.
Wie aber sol ich solches machen
Bey welchem Ende greiff' ichs an?
Denn Freyen sind nicht schlechte Sachen
Wer bringt mich hin auf solche Bahn
Allwo mein Hertz ein Hertzchen findt
Das mich mit gleicher Liebe bindt?
Als er nun saß in den Gedanken
Und dachte bald auff diß und daß
In einem steten Wechsel-wauken
Legt' er sich endlich in das Graß.
Und fiel als er entschlaffen kaum
In einen lieb gewünschten Traum
Jhm daucht' in seinem sanften Schlafe
Bey seiner honigsüssen Ruh
Als wenn durch seine Herde Schafe
Kupido auff ihn gienge zu.
Kupido jener lose Knecht
Und ihme diese Bottschafft brächt:
Hör auff mein Freund dich zu bedänken
Mein ädler Filidor halt' inn
Dein abgequältes Hertz zukränken
Von wegen einer Schäferinn:
Der Himmel den du stets geliebt
Dir ein vergnüglichs Mittel gibt.
Heut' hab ich über alles hoffen
Mein Filidor nur dir zu gut
Ein ausserwehltes Hertz getroffen
So schon in keuscher Liebesgluth
Wiewol zur Zeit noch heimlich brennt.
Und schweigend sich die Liebste nennt
Sie ist die Schönste fast im Lande
Bey dieser gantzen Schäferey
Sie ist aus hoch gesprossnem Stande
Wer meinest dn wol wer sie sey?
Nicht viel man ihres gleichen findt
Minerva liebt sie wie ihr Kind.
Sie hat der Tugend Brust gesogen
Von ihrer kleinen Kindheit an
Die Gottesfurcht hat sie erzogen
Gegängelt in der Ehrenbahn
Viel schöne Künste sind ihr Ruhm
Die Frömmigkeit ihr eigenthum.
Dir hab' ich sie allein erkohren
Sie die dir gleich in allem ist
In der du dich fast selbst verlohren
In der du dir recht ähnlich bist.
Ich mache dich nun duppelt reich
Du findest dich und was dir gleich.
Und dieser ädlen Schäferinnen
Beliebten Nahmen wirstu sehn
Wenn du dich nur wirst recht besinnen
Jm fall du nur wirst in dich gehn
Bedenke nur die itzge Zeit
So wirstu haben gnug Bescheid.
Hierauf Kupido sein Gefieder
Hin in die klare Lüffte schwang
Und Filidor erwachte wieder
Nach dem er einer Stunden lang
Gelegen unter einem Baum'
In seinem süssen Liebestraum:
In dem nun Filidor gedachte
Was denn hierbey zu handlen wer'
Des neu-gehabten Traumes lachte
Sieh da so findt sich ungefehr
Ein' ädele Zusammenkunfft
Aus der Prutener Schäferzunfft.
Sie sagten sämtlich voller Freuden:
Kom lieber Bruder Filidor
Laß deine Schaf' alleine weiden
Stell ihnen einen Knaben vor
Der wachsam bey der Heerde bleib'
Und wenn sie fatt nach Hause treib.
Wir aber wollen unterdessen
Weil uns der Himmel selber winkt
Der Sommerfreude nicht vergessen:
Schau Bruder wie die Sonne blinkt
Schau wie doch was wir sehen spielt
Und sonst auff nichts als Freude ziehlt.
Nur diese Freud' uns sol behagen
Die von den schnöden Lüsten weit
Worzu uns unsre Sinnen tragen
Sol sein vergönte Fröligkeit
Wir wollen in gewünschter Ruh
Den gantzen Abend bringen zu.
Wir wollen unsre Juliene
Die weitberühmte Schäferin
Die ausserwehlte Nymf die Schöne
Die rechte Tugendkömgin
Nach unsrer Pflicht besuchen gehn
Und sämtlich ihr zu Diensten stehn.
Man sagt daß sie von unsren Wäldern
Amtzo gar nicht ferne sey
Daß sie nun dort in jenen Feldern
Bey der Kirschneinschen Schäferey
Jm feisten Klee und dikken Gras'
Jhr Wollen Viechen weiden laß.
Als Filidor nun hörte nennen
Den Nahmen dieser Schäferin
Fing er bald heimlich an zu brennen
Und dacht' in seinem Liebessinn':
Huy huy ich bilde mir fast ein
Daß die wird meine Liebste seyn.
Die Schäfrin heisset Juliene
Und Julius die Monatszeit
Was gilts sie wird es sein die Schöne
Die mir Kupido angedeut.
Dieß wars was er allein gedacht'
Und was er heimlich bey sich lacht.
Drauf nahmen sie die Hürtenstäbe
Und giengen nach Nikrenschen zu
Der Filidor sagt: Wo ich lebe
So wil ich heut' in stoltzer Ruh
Jm fall ihr mit mir stimmet ein
Aus treuem Hertzen lustig seyn.
Als sie nun waren angekommen
In Dikastarchens schönes Feld
Hat man sie freundlich aufgenommen
Und sonderbare Lust bestellt
Ein ieder Schäfer war die Zeit
In voller Hertzensfröligkeit.
Die Schäfrin wust' ihr Liebesblikken
Mit einer keuschen Heimligkeit
Dem Filidoren zu zu schikken
Deß er sich denn im Hertzen freut'
Jhm' gab sie gnugsam zu verstehn
Daß er nur solte fürder gehn.
Hierauf hat er sich kurtz besonnen:
Auff Filidor sey nun ein man!
Ey frisch gewagt ist halb gewonnen.
Sprich deine Liebste selber an.
Weil sie dein ädles Sinnenlicht
Die Liebesbahn dir selber bricht.
Er offenbahrt' ihr seine Schmertzen
Die neuentstandne Liebespein
Die ihn so quählt' in seinem Hertzen
Die ihm drang zu der Seelen ein:
Er schwur daß er sie hertzlich liebt.
Und sich allein üm sie betrübt.
So wil ich euch hergegen schenken
Sprach Juliene meine Treu
Und eine Seele zu euch lenken
Die täglichen sol werden neu
In keuscher Lieb' und rechter Pflicht
Die nimmermehr wird wanken nicht.
Ein' Anzahl zukkersüsse Küsse
Die machten ihren Liebesbund
Doch in geheim fest und gewisse.
Was ihr gantz unverfälschter Mund
Und die geschlagne Hand gieng ein
Da sprach das Hertz das Amen drein.
Doch fragte sie den besten Rahter
Und sagt' ihm das Verbündnüß an
Dem hertzgeliebten Herren Vater
Was sie mit Filidor gethan.
Auch Filidor ging zu ihm hin
Und offenbahrt' ihm seinen Sinn.
Er als ein HERR von vielem Wissen
Dikastarchus der grosse Mann
Ist alsobald darauff beflissen
Wie man den Sachen rahten kan
Er stellt dem Schäfer Filidor
Sein Kind die Juliene vor.
Wie? sprach er habt ihr euch verbunden
In reiner Lieb' und keuscher Brunst?
So bleibet auch von diesen Stunden
In einer steten Gegengunst;
Was Gott und euer Hertze schikkt
Das bleibe von mir unverrükkt.
Ich halt' euch Filidor nicht minder
Mein glaubt es mir von numehr an
Als wie mein' eigne liebste Kinder
Und daß weil ihr bleibt auff der Bahn
Wo euer weltberühmter Stamm
Den mehr als ädlen Uhrsprung nahm.
Drüm wünsch' ich euch zu allen Zeiten
Was euch zu eurer Wolfahrr nützt
Der Himmel woll' euch stetz begleiten
Der euch vor allem Unfall schützt
Lebt wol und glüklich ie und ie
Mit eurer schönen Heerde Vieh
Als dieß die andern inne worden
Kam solches ihnen seltzam vor
Daß so geschwind' aus ihrem Orden
Der ädle Schäfer Filidor
Mit seiner allerschönsten Braut
Der Julienen anvertraut.
Sie rieffen freudig all zusammen
Geh grosses Vaters grosser Sohn
Geh Filidor und theil die Flammen
Mit deiner ädlen Wälder kron':
Jhr ädles Paar ihr endet itzt
Worauf Kupido sich gespitzt.
Vermehret euer Liebesfeur
Welches in euch beyden angestekkt
Der Himmel euer rechter Freyer
Damit ein neues werd' erwekkt
Und dänkt was ihr Euch und der Zeit
Für grosse Schuldner worden seyd.
Ich habe mir auch lassen sagen
Daß sie die Hochzeit angestellt
Noch vor Verfliessung zweyer Tagen
Bey dieser rauhen Hornungskält'
In dieser Stadt die Bergicht prangt
Und Königstittel hat erlangt.
Schau Sylvius hier ist zu sehen
Daß dieses was der Himmelsschluß
Einmal wil haben zu geschehen
Unhintertreiblich folgen muß.
Viel Freyschafften geschehen offt
Wo mans am wenigsten gehofft.
Dieß ists was ich erzählen wollen
Euch Brüdern noch vor meiner Reis'
Und was ich nicht verschweigen sollen
Auf was für unverhoffte Weis'
Herr Filidor befreyet sey
In der Nikreinschen Schäferey.
Wünscht ihm von Hertzen Glükk und Se-
Rufft ihm und seiner Liebsten zu: (gen
Der Himmel laß euch allerwegen
Beglükket sein in Fried' und Ruh;
Gott geb' euch beyden allezeit
Was euer Leib und Seel' erfreut.