»So Einer«

By Anastasius Grün

Written 1842-01-01 - 1842-01-01

Mit flatternden Federbüschen,

Mit schmetterndem Hörnerklang

Ziehn Jäger, die schmucken frischen

Gesellen, das Dorf entlang.

Sie ziehn an des Landes Grenzen,

Vorposten zu treuer Wacht,

Die Waffen funkeln und glänzen,

Der Taktschritt dröhnt mit Macht.

Ein Weib sitzt an der Schwelle,

Ihr Knäblein an der Brust,

Dem leuchten die Aeuglein so helle,

Das klatscht in die Hände vor Lust.

„Geduld, du Schelm, du kleiner,

Die Jahre verrinnen schnell,

Dann wirst auch du wohl so Einer,

Solch schmucker frischer Gesell!“

Die Tritte, die Klänge allmählich

Verhallen am Waldessaum;

Die Mutter, stolz und selig,

Träumt schönen Zukunftstraum:

„O Kind, geboren in Schmerzen,

So hilflos noch und zart,

Erstarke am Mutterherzen

Zu rechter Mannesart!

O blühe, du holde Blüthe,

O wachse, frei von Harm;

Dich schirme, bewache, behüte

Mein Aug', mein Herz, mein Arm!

Doch wie viel Mühn und Gefahren

Noch bis ans ferne Ziel!

Von sorgenschweren Jahren,

Durchwachten Nächten wie viel!

Mit Wonne den eigenen Schlummer

Leg' ich dem deinen zu;

Mein sei die Angst und der Kummer,

Dein sei die Lust und die Ruh'!

Ja, ganz vergessen meiner,

In dir nur leb' ich allein;

Dann wirst du wohl auch so Einer,

Mein Stolz, mein Stab einst sein.“ –

Horch, wüster Schall durchzittert

Der jungen Mutter Traum;

Es hat gar schlimm gewittert

Am fernen Waldessaum.

Die Bahre von Tannenästen

Jetzt tragen Krieger vorbei,

Sie bringen der Tapfern Besten

Getroffen vom Todesblei.

Vom blinden Erz zerrissen

Ein edler Lebensdocht,

An dem gleich treubeflißen

Einst Mutterliebe flocht!

Ach, all die Mühn und Sorgen,

Die Jahre kummerbewegt,

Auf daß man so Einen morgen

Ans Mutterherz dir legt!