[So soll der purpur deiner lippen]
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
So soll der purpur deiner lippen
Itzt meiner freyheit bahre seyn?
Soll an den corallinen klippen
Mein mast nur darum lauffen ein
Daß er an statt dem süssen lande
Auff deinem schönen munde strande?
Ja leider! es ist gar kein wunder
Wenn deiner augen sternend licht
Das von dem himmel seinen zunder
Und sonnen von der sonnen bricht
Sich will bey meinem morrschen nachen
Zu einen schönen irrlicht machen.
Jedoch der schiffbruch wird versüsset
Weil deines leibes marmel-meer
Der müde mast entzückend grüsset
Und fährt auff diesem hin und her
Biß endlich in dem zucker-schlunde
Die geister selbsten gehn zu grunde.
Nun wohl! diß urthel mag geschehen
Daß Venus meiner freyheit schatz
In diesen strudel möge drehen
Wenn nur auff einem kleinen platz
In deinem schooß durch vieles schwimmen
Ich kan mit meinem ruder klimmen.
Da will so bald ich angeländet
Ich dir ein altar bauen auff
Mein hertze soll dir seyn verpfändet
Und fettes opffer führen drauff;
Ich selbst will einig mich befleissen
Dich gött- und priesterin zu heissen.