[So werd' ich dan der Bahr]

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

So werd' ich dan der Bahr

Vor ewrer Thür gewahr,

Des Lahkens auch daneben,

Mein Freund? hör also ich

Geschrey vnd Klagen sich

Bey Euch erheben?

Trägt man den Sarg hinein,

Den Ewer Fleisch vnd Bein,

Was? Ewer Hertz sol füllen?

Seh ich, o grosses Leid!

Ein schwartzes Trawer-Kleid

Euch beyd' vmbhüllen?

Das Gott geklaget sey,

Das Zeugnis Ewrer Trew,

Das Pfand gewünschter Flammen

Fährt durch den Tod Euch hin,

Nimmt mit weg Ewren Sinn

Vnd Trost zusammen.

Vnd daher gebt jhr kaum

Dem Wort des Herren raum,

Wollt keinem Raht beypflichten:

Kein Spruch, kein hoher Fleiß

Gelehrter Bücher weis

Euch auff-zu-richten.

O, sprecht Ihr, Meine Wonn'

Vnd Hoffnung ist davon,

Mein Kind ist mir gestorben,

Mein einigs Kind, das mir

Viel tausent Lust vnd Zier

Offt hat erworben.

Mein schönstes Hertz, muß ich

Mit heissen Thränen dich

Todt vor mir sehen liegen!

Bist du schon blaß vnd kalt?

Warst du mein Auffenthalt,

Vnd mein Begnügen?

Hast du mich offt ergetzt?

Hab ich auff dich gesetzt

Trost, Hoffnung vnd Verlangen?

Hat deiner Anmuth Schein

Mit diesen Engelein

Vns offt gefangen?

Ihr Thränen fliesset sehr,

Recht also, vnd noch mehr,

Ich muß mein Kind beweinen,

Höhnt jemand meine Qual

Denselben gleich' ich Staal'

Vnd harten Steinen.

Was aber hat, mein Kind,

Mein Leben, so geschwind

Dich in den Sarg geleget?

Wem schreib ich doch die Pein

Des Todes zu? ist dein

Nicht wol gepfleget?

O ich hett' vnbeschwert

Dir selbst mein Blut gewehrt,

Dein Leben zu erhalten,

Nein, deine Zeit war hie,

Vmbsonst ist Pfleg vnd Müh,

Du must erkalten.

O Himmels Vnbestand,

Jetzt schenckst du mir das Pfand,

Jetzt nimmst du es von hinnen!

Ist Rew, die dich auch regt?

Die schwache Kindheit pflegt

Dieß zu beginnen.

Was bin ich Schmertzen voll?

Was klag' ich mich? wem sol

Des Muhtes Vnmuth frommen?

Der Tod hat dessen Spott,

Ich werd', O Kind, wils Gott,

Bald zu dir kommen.

Wahr ist es, Kinder-Tod

Ist Eltern grosse Noht,

Vnd fast nicht zu verschmertzen,

Ich weiß, weil ich auch schon

Begraben einen Sohn

Mit schwerem Hertzen.

Sein' Huld vnd Freundlicheit

Vnd Spiel war jederzeit

Mein Seufftzen vnd Verlangen,

Mein Sinn war jmmer schwer,

Für grossem Leiden währ'

Ich schier vergangen.

Vnd endlich hub ich an:

Was thust du doch? was kan

Dein Leid dir Frommen geben?

Du hast dein süsses Pfand

Vorauß zu Gott gesandt

In jenes Leben.

Du kömpst zu Ihm, nicht Er

Zu dir in diß Beschwer,

Da lauter Thränen fliessen,

Gott hat jhn sehr geliebt,

Der sich auch zeitig giebt

Ihm zu geniessen.

Vnd dem komm Du auch nach,

Herr Doctor, halt gemach

In diesem deinem Leyden,

Diß häufft nur Sünd vnd Schuld,

Du weist, wie Vngedult

So hoch zu meiden.

Ich führe dir das Wort,

Das du am heilgen Ort,

Offt predigst, zu Gemüthe,

Laß Heyden trawrig seyn,

Erkenn auch in der Pein

Des Herren Güte.

Wohn deiner Liebsten bey

Mit Troste, der Geschrey

Vnd Angst nicht zu ermässen,

Wo dient es jrgends zu,

Das Hertz jhm selbst ohn Rhue

Vmbsonst aufffressen.

Das Kind bewohnt den Saal

Der Sternen, kennt nicht Qual

Noch dieser Welt Getümmel,

Vnd sehn sein Engel nicht

Des Höchsten Angesicht

Ohn End im Himmel?

Ihr wisst, Gott nimmt, Gott gibt.

Auch ich gieng erst betrübt,

Jetzt sing ich Frewden-Lieder:

Gott sencket' in das Grab

Mir einen Sohn, vnd gab

Mir zweene wieder.