[Soll Celadon die stille Glutt]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Soll Celadon die stille Glutt

Denn sterbend unter einer Flutt

Von heissen Thränen sehn verglimmern?

Läst Celimene keinen Stral

Der Gütte nach so langer Qual

In sein getreues Hertze schimmern?

Es ist geraume Zeit dahin

Daß ich ihr Diener worden bin

Mann will mich nicht vor Sclav erkennen,

Man sieht die helle Flamme nicht:

Wenn Feuer aus den Augen bricht

Wie solte nicht das Hertze brennen!

Es brennet ja so viel es kan

Und zündt sich stets von neuem an

Von der erzürnten Augen Blitzen.

Der müste ja ein Demant seyn

Den der befunckten Lichter Schein

Nicht könt erweichen und durchhitzen.

Die Glutt die unser Hertz entsteckt

Wenn sie gleich Zorn und Unmutt deckt

Ist liebens werth und schön zu schätzen.

Ach wenn sie wolten freundlich seyn

Wie könten sie die schwere Pein

Mit überhäuffter Freud ersetzen!

Zwar hoffet solche süsse Gunst

Von Celimenen nur umsunst

Ein Hertze das verdammt zu leyden.

Sie glaubets nicht sie achtets nicht

Daß mich die heisse Sonne sticht

Biß ich mich werd in Asche kleiden.

Nur eine Sonne brennt den Mohr

Die dennoch offt den schwartzen Flor

Der Wolcken hengt für ihren Wagen:

Zwey Feuer sind zu viel! Wer kan

Zugleich wie ich bißher gethan

Die Schönheit und den Haß vertragen!

Doch wo hier kein Erbarmen gilt

So brenne ferner wie du wilt

Dein Celadon wird diß nicht achten

Er bleibet dir in stillem huld

Und wird mit freudiger Gedult

Von Celimenens Augen schmachten.