[Soll man allzu bald nicht]

By Georg Friedrich Daumer

Written 1823-01-01 - 1823-01-01

Soll man allzu bald nicht

Meinen Leib begraben,

Jenes schönen Fischers

Liebe muß ich haben;

Doch wie nah' ich ihm,

Der mir allzu ferne?

Doch wie spring' ich ihm

In die Augensterne?

Doch wie dring' ich ihm

In die süßen Kerne

Seines Liebelebens?

Doch wie fah' ich ihn? –

Nicht mit rechten Dingen

Wird es hier gelingen;

Zauberische Mächte

Müssen es vollbringen;

Nun so will ich kühnlich

Meine Künste brauchen,

Laufen nach dem Meere,

Mich hinuntertauchen,

Hier mich in ein Hechtlein

Listig umgestalten,

Heimlich unter'm Meergras

Meine Wache halten,

Und der Scene harren,

Die da Heil bescheere,

Die da lind beschwöre

Meiner Sehnsucht Weh. –

Sieh, da ist der Schöne,

Welchen ich begehre,

Mit dem Garn zur Stelle,

Wirft es in die Welle,

Lauschet in die See,

Meint, er hab' ein Hechtlein,

Schwärzlich anzuschauen,

Doch es ist ein Wesen

Stammend aus der Frauen

Zierlichem Geschlechtlein;

Eingekrümt im Netzlein

Liegt ein Minneschätzlein,

Lugt mit hellen Augen

Schelmisch in die Höh'.