Sommer-Lust im Winter.

By Barthold Heinrich Brockes

Mein Leser! denke nicht,

Ob sey dieß Kleinigkeit, und nicht der Mühe wehrt:

O nein! es lässet die Figur

Der Blätter, die den Bäumen gleich, die nette Arbeit der

Natur

Vom Grossen uns im Kleinen sehn;

Und was die Anmuht noch vermehrt

Ist, daß zugleich die Farben schön.

Zumahlen, wenn der Schnee dem, was so lieblich grünt,

Zu einem weissen Grunde dient.

Die holde Schönheit geht so weit,

Das frische, recht durchlauchtge Grün

Ist von so reizender und frischer Lieblichkeit,

Daß auch unaufmerksame Augen,

Sich kaum von ihrem Schmuck zu ziehn,

Von ihrem Glanz sich wegzuwenden, taugen.

Wer wollte denn ohn’ Aufwand, sonder Geld,

Und ohne Müh’, was uns so wohl gefällt,

Den Sommer nicht im Winter sehn?

Wer wollte, mit erlaubter Augen-Lust,

Und mit dadurch gerührter Brust,

Auch selbst im Frost, mit Lust, den Schöpfer nicht erhöhn?