Sonnen-Licht.
Jm Herbst, bey einer mehrentheils bedeckten und be- wölckten Luft,
Stand ich an einem glatten Wasser, das Rohr und schwan-
In einer angenehmen Landschaft. Das still’ und klare
Doch nur in schwach-und grauem Lichte. Ein sanfter zwar,
Der nicht allein die Luft erfüllte, der auch die Bäum’ und
Und, wo nicht gantz, doch guten Theils, der Landschaft
War allenthalben ausgespannt. Was man noch sah, war
Es wirckte die sonst helle Gegend dem, der sie jetzt voll
Mit einer schleichenden Gewalt,
Fast eine Dämmrung im Gemüth.
Ich schlug demnach von ungefehr, betrübt, die Augen vor
Jedoch nicht zwo Minuten lang. Darauf erhub ich ihre
Geschwinde wieder in die Höh’. Allein wie sehr entsetzt’
Als ich, mit fast geblendeten und gantz für Lust erstaunten
Der Landschaft gantzen Stand verändert, erleuchtet, ja
Erheitert und verklähret sah! Es nahm ein angenehm
Mein Hertz, mein gantzes Wesen ein.
Es ließ Feld, Wiese, Berg und Thal mit Anmuth nicht
Von einem hellen Meer von Glantz nicht nur umgeben
Es schien, in einem bunten Lichte, die Welt ein irdisch
Was ich, vor einem Augenblick, noch kalt gesehen und
Sah’ ich nunmehr erheitert, warm, und in gefärbtem
Des schwancken Schilffs polirte Blätter, der glatten Bin-
Sah man, da es der Sonnen Glantz, mit seinem heitern
Nicht minder die belaubten Bäume, zusammt den Blu-
Die Schönheit in der Fluht verdoppeln, und sich im kla-
Kurtz eine warm’ und laue Klarheit und eine licht’ und
Bedeckt’, umgab, befloß, durchstrahlte die gantze Gegend,
Ich stutzt und freute mich von Hertzen. Was werden
Für Wunder nicht bey uns gewircket! rief ich, für Freu-
Wie wird, durch sie, die gantze Welt belebt, erqvickt,
Und, fuhr ich fort bey mir zu dencken: dieß wircket eine
Was muß vor Anmuth, Pracht und Licht und Herrlichkeit
Wenn dort in jenen Himmels-Höh’n, nach diesem Leben,
Jm Stande sich befinden werden, von Sonnen, welche
Die Wirckungen zu sehn, zu fühlen? Mich nimmt ein
Wenn ich an solchen Glantz gedencke. Dies Dencken mehrt
Und ist mir, als ob ich darüber schon in Gedancken see-