Sonnen-Licht.

By Barthold Heinrich Brockes

Jm Herbst, bey einer mehrentheils bedeckten und be- wölckten Luft,

Stand ich an einem glatten Wasser, das Rohr und schwan-

In einer angenehmen Landschaft. Das still’ und klare

Doch nur in schwach-und grauem Lichte. Ein sanfter zwar,

Der nicht allein die Luft erfüllte, der auch die Bäum’ und

Und, wo nicht gantz, doch guten Theils, der Landschaft

War allenthalben ausgespannt. Was man noch sah, war

Es wirckte die sonst helle Gegend dem, der sie jetzt voll

Mit einer schleichenden Gewalt,

Fast eine Dämmrung im Gemüth.

Ich schlug demnach von ungefehr, betrübt, die Augen vor

Jedoch nicht zwo Minuten lang. Darauf erhub ich ihre

Geschwinde wieder in die Höh’. Allein wie sehr entsetzt’

Als ich, mit fast geblendeten und gantz für Lust erstaunten

Der Landschaft gantzen Stand verändert, erleuchtet, ja

Erheitert und verklähret sah! Es nahm ein angenehm

Mein Hertz, mein gantzes Wesen ein.

Es ließ Feld, Wiese, Berg und Thal mit Anmuth nicht

Von einem hellen Meer von Glantz nicht nur umgeben

Es schien, in einem bunten Lichte, die Welt ein irdisch

Was ich, vor einem Augenblick, noch kalt gesehen und

Sah’ ich nunmehr erheitert, warm, und in gefärbtem

Des schwancken Schilffs polirte Blätter, der glatten Bin-

Sah man, da es der Sonnen Glantz, mit seinem heitern

Nicht minder die belaubten Bäume, zusammt den Blu-

Die Schönheit in der Fluht verdoppeln, und sich im kla-

Kurtz eine warm’ und laue Klarheit und eine licht’ und

Bedeckt’, umgab, befloß, durchstrahlte die gantze Gegend,

Ich stutzt und freute mich von Hertzen. Was werden

Für Wunder nicht bey uns gewircket! rief ich, für Freu-

Wie wird, durch sie, die gantze Welt belebt, erqvickt,

Und, fuhr ich fort bey mir zu dencken: dieß wircket eine

Was muß vor Anmuth, Pracht und Licht und Herrlichkeit

Wenn dort in jenen Himmels-Höh’n, nach diesem Leben,

Jm Stande sich befinden werden, von Sonnen, welche

Die Wirckungen zu sehn, zu fühlen? Mich nimmt ein

Wenn ich an solchen Glantz gedencke. Dies Dencken mehrt

Und ist mir, als ob ich darüber schon in Gedancken see-