Sonnet an Mirabellen.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Es wundert mich nicht sehr daß Golgerus Melinden

Bald Mirabelle täufft bald ein vergöttert kind;

Weil ihre zierden ja fast mehr als göttlich sind

Die auch schon schimmernd stroh sind mächtig zu entzünden.

Der glieder haut gleicht sich der weichsten bircken-rinden

Der augen gold das fast den agtstein überwindt

Aus denen thränen-saltz wie fette milch abrinnt

Ist gut daß Venus ihr daraus läßt fackeln winden.

Ihr haar der liebes-strick ist weisser als der schnee

Die lippen dörffen nicht den blausten veilgen weichen

Kein mahler kan so gut das wang’ als sie bestreichen;

Den brüsten mangelt nichts als eine runde höh

Das rothe feuer strahlt ihr sichtbar aus den augen.

Warum denn solte sie dem Golgerus nicht taugen?