Sonnet. Er mahlet ihr bildnis. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ein antlitz welches nur dem himmel ähnlich stehet

Das angebohrne pracht vor tausenden erhöht

Und das kein pinsel sich zu mahlen untersteht

Ist meine feder hier zu bilden höchst bemühet.

Der wangen blumen-kreyß der voller rosen blühet

Der augen himmel-blau des mundes purpur-röth

Der stirne helffenbein die über marmel geht

Die brust die auch dem schnee den silber-glantz entziehet

Des geistes sittsamkeit den englischen verstand

Und so viel tugenden die aller welt bekant

Darff man in ewigkeit von keinem mahler hoffen;

Die kunst ist ihm zu hoch: ich sag’ es ohne scheu.

Wer aber siehet nicht daß diß Libore sey

Und daß mein feder-kiel sie gantz genau getroffen?