Sonnet Vff H. Michael Starcken Hochzeit.

By Martin Opitz

Ob schon von Kindheit an wir fast zugleich erzogen

So seind wir ietzund doch in gantz vngleichem Standt

Du bist Herr Breutigam bey demem Vatterlandt

Mich hat mein eygne Lust zuziehen weg bewogen

Die Liebe hat mich noch bißher nicht viel betrogen

Vnd ist das glücke Gut so bleib ich vnverwandt

Ein alter Junggesell schiff’ immer an dem randt

Cupido wie ich hör’ ist bey dir eingezogen

Gibt dir dein eigen theil daß du mit Lust vnd Ruh

(wo ruh bey Weibern ist ) die Zeit kanst bringen zu

Vnd darffst nit vieler Gunst wie mancher dich befleissen

Nun wohl ich gönn es dir gar gern thue nur das dein

Daß die so jetzt nit will vor Fraw gescholten sein

Sich müsse bald hernach gar lassen Mutter heissen.