SonnetEr ist ein unglücklicher wecker

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ich eilte Lesbien aus kurtzweil zu erwecken

Als gleich Aurorens glantz um ihr gesichte stund

Die rosen krönten ihr die wangen und den mund

Durch weisses helffenbein ließ sich der hals bedecken.

Ich wolte meine hand auff ihre brüste strecken

Es that ein nasser kuß ihr meine geilheit kund.

Es ruffte Lesbie: Ist dein verstand gesund

So führe kein brunst in meine keusche hecken.

Ich war darob bestürtzt und fluchte dem gelücke

Und fuhr den himmel an und seine reiche blicke.

Ich sprach: Wo rosen stehn da müssen dornen seyn.

Weil mich denn ihr befehl verjaget und vertrieben

So hab ich dieses wort in ihr gemach geschrieben:

Auff morgenröthe folgt gar selten sonnenschein.