SonnetEr liebt vergebens

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ich finde keinen rath die liebe wächst alleine

Und wenig neben mir es sey denn meine noth

Die brunst bestricket mich warum nicht auch der tod?

Frist jene marck und fleisch so fresse der die beine.

Was aber hilfft mein wunsch was hilffts mich daß ich weine?

Der tod hört nicht vielmehr als sonst der liebes-gott

Wo solte meine qual und meines lebens spott

Nun besser seyn bedeckt als unter einem steine?

Und bin ich endlich todt vergraben und verscharrt

So schwatzt die grabschrifft noch daß dieser mensch genarrt

Und sagt: Hier liegt ein narr und läst nicht wenig erben.

Ach! daß den schwartzen leib das erste wasser-bad

So mir die mutter gab nicht bald ersäuffet hat

So dörfft ich ietzt allhier nicht wie ein narr verderben.