SonnetEr schauet der Lesbie durch ein loch zu

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Es dachte Lesbie sie sässe gantz allein

Indem sie wohl verwahrt die fenster und die thüren;

Do ließ sich Sylvius den geilen fürwitz führen

Und schaute durch ein loch in ihr gemach hinein.

Auff ihrem lincken knie lag ihr das rechte bein

Die hand war höchst bemüht den schuch ihr zuzuschnüren

Er schaute wie der moß zinnober weiß zu zieren

Und wo Cupido will mit lust gewieget seyn.

Es ruffte Sylvius: wie zierlich sind die waden

Mit warmem schnee bedeckt mit helffenbein beladen!

Er sahe selbst den ort! wo seine hoffnung stund.

Es lachte Sylvius sie sprach: du bist verlohren

Zum schmertzen bist du dir und mir zur pein erkohren:

Denn deine hoffnung hat ja gar zu schlechten grund.