St . Meinrad .

By Clemens Brentano

Graf Berthold von Sulchen, der fromme Mann,

Er führt sein Söhnlein an der Hand;

Meinrad, mein Söhnlein von fünf Jahren,

Du mußt mit mir gen Reichenau fahren.

Hatto, Hatto, nimm hin das Kind,

Alle liebe Engelein mit ihm sind;

Die geistlich Zucht mag er wohl lernen,

Und mag ein Spiegel der Münche werden.

Er ging zur Schul barfuß ohne Schuh;

Und legt die geistlich Kunst sich zu;

Die Weisheit kam ihm vor der Zeit,

Da ward er zu einem Priester geweiht.

Da schickt ihn Hatto auf den Zürcher See,

Daß er ins Klösterlein bei Jona geh;

Bei Jona zu Oberzollingen,

Da lehrt er die Münch beten und singen.

Da er lange ihr Schulmeister war,

Und ihn die Brüder ehrten gar;

Thät er oft an dem Ufer stehen,

Und nach dem wilden Gebirg hinsehen.

Sein Gewissen zog ihn zur Wüste hin,

Zur Einsamkeit stand all sein Sinn;

Er sprach zu einem Münch: Mein Bruder,

Rüst uns ein Schifflein und zwey Ruder.

Ueber See zur Wildniß zur Wüsteney,

Hab ich gehört gut fischen sey;

Da gehn die Fischlein in den einsamen Bächen! —

Ja Herr, mein Meister, der Münch thät sprechen.

Sie führen gen Rapperswyl über See,

Zu einer frommen Wittib sie da gehn;

Bewahr uns die Gewand, sie zu ihr sprechen,

Daß sie uns nicht in der Wildniß zerbrechen.

Sankt Meinrad und der Bruder gut,

Sie folgten wohl der Bächlein Fluth:

Sie fischten hinan in dem Flüßlein Sille,

Bis in die Alp gar wild und stille.

O Herr und Meister, lieber Sankt Meinrad,

Wir haben Fischlein schon mehr als satt;

Noch nit genug Meinrad da saget,

Steigt wo der Finsterwald herraget.

Und da sie gegangen den dritten Tag

Im finstern Wald eine Matte lag;

Ein Born da unter Steinen quillet,

Da hat Sankt Meinrad den Durst gestillet.

Nun lieber Bruder, nun ists genug,

Gen Rapperswyl die Fisch er trug;

Die fromm Wittib stand vor der Pforten,

Und grüßt die Münch mit frohen Worten.

Willkomm, willkomm ihr bleibt schier lang,

Die reißende Thier, die machten mich bang;

Die Fisch, die thät sie braten und sieden,

Die assen sie in Gottes Frieden.

Frau hört mich an durch Gott den Herrn! —

Die Wittib sprach: Das thu ich gern!

Ein armer Priester hat das Begehren,

Sein Leben im Finsterwald zu verzehren.