Stephani Worte: Ich sehe den Himmel offen Bey Beerdigung Hn. S. S. d. R. den 26....
Jetzt seh' ich höchst erfreut die Schos des Himmels offen
Und gehe durch mein Grab zu jenem grossen Licht!
O Gnadenreiche Zeit! o seeligstes Verhoffen!
Jetzt kan ich erst recht sehn nun mir mein Auge bricht.
Nun kalter Todes-Schweiß auff meinen Gliedern klebet
So brennt mein Hertze mehr die Glaubens-Fackel an.
Ob die verzehrte Lung’ auch kaum mehr Athem hebet
Führt mich doch GOttes Geist auf einer guten Bahn.
Verlangte Finsternüß du kanst mich nicht erschrecken
Jhr Schatten voller Heil nehmt hin die Hand-voll Staub
Der Stern ist gar nicht schwer so meinen Leib sol decken
Ist noch was Fleisch an mir das sey der Wür mer Raub.
Hier wil ich gantz nicht weg. Aus dieser engen Höle
Hoff’ ich ins weite Reich des Himmels einzugehn.
Den Vorschmack hat schon längst empfunden meine Seele
Wenn sehnlich sie gewünscht für GOttes Stuhl zu stehn.
Ists möglich daß so scharff die Sterbenden noch sehen?
Ja Glaubens-Augen sind in letzten Zügen klar.
Versichert Sterbliche daß mein unendlich flehen
Nach einem sanfften Tod vor vielen Jahren war.
Ich konte mich so sehr nicht in die Welt vergaffen
Daß ich das ewige geschlagen in den Wind
Ich wuste schon den Lohn den sie pflegt zu verschaffen
Daß Diener ihrer Pracht verblendte Thoren sind.
Und freilich sehen wir den Schau-Platz dieser Erden
Mit blödem Angesicht und tuncklen Augen an.
Sind Gauckler nach der Zeit verstellen die Geberden
Und leben andrer Sinn und Meynung unterthan.
Das allerthörichste ist daß wir diß nicht achten
Was uns zum Untergang den ersten Fallstrick legt;
Nach Hoheit Ehre Stand und solchen Gütern trachten
Auff die die Eitelkeit ihr Bildnüß doch gepregt.
Wir meynen unserm Witz steh’ auch der Abgrund offen
Und den Begier den sey noch Ziel noch Mas gesteckt.
Und wenn wir nun allhier ein ewig bleiben hoffen
So kommt der blasse Tod der uns in Sarck hinstreckt.
Bey solcher Sicherheit denckt niemand an das sterben:
Wir hengen Künsten nach die meistens schädlich seyn:
Wie vielen dient ihr Witz und Wissen zum Verderben?
Die Weißheit dieser Welt ist ein betrüglich Schein.
Wir lernen Lufft und See und Erd’ und Himmel kennen
Und machen uns den Tod im Leben nicht bekannt
So daß wir gantz bestürtzt den Namen hören nennen
Und für dem Kirchhof fliehn als einem Hecken-Land.
Verwirrte Sterblichen! schweigt doch von Künsten stille:
Die allerschönste Kunst bleibt ein bereiter Tod.
Der Klugheit Inbegrieff der Wissenschafften Fülle
Ist wenn die letzte Fahrt gerichtet ist zu GOtt.
Da heist der Weisen Schul ein Marck voll Narretheyen
Es schweigt Pythagoras und Plato wird ein Thor;
Da kan nichts heilsames der harte Zeno schreyen
Und Seneca geräth zu der verdammten Chor;
Was hilfft uns nun die Welt? was hilfft uns dieses Tichten
Das uns zu Wundern hier für Menschen hat gemacht?
Was nutzt es daß man sich läst Ehren-Mahl auffrichten
Die offt die Nachwelt schilt und mehr der Neid verlacht?
Es schleust den Himmel zu und macht die Höllen offen
Wo nicht auff bessern Grund die Sterbe-Kunst gebaut:
Ach nein! mein Sinn ist nie in solchem Wahn ersoffen
Ich sag’ es frey mir hat stets für der Welt gegraut.
Und solt ich nicht die Welt den Sünden-Kercker lassen
Den Noth-Stall welcher stets hat meinen Leib gekränckt.
Und solt’ ich nicht mit Lust des Himmels Schloß umbfassen?
Das Heil und Seeligkeit auch mir Verblichnen schenckt.
Frolocket doch mit mir:
Mein JEsus nimmet mich zum Himmels-Bürger an.
Ach gönne mir mein Schatz den Wechsel den ich troffen
Daß ich aus meinem Bett’ in Himmel steigen kan.
Ich sehe mich ins Buch des Lebens eingeschrieben
Welch Schreiber auf der Welt schreibt diese Vorschrifft nach:
Dem ich bin treu gewest der wil mich ewig lieben
Und macht mir ietzt mein Grab zu einem Schlaf-Gemach.
Hier seh’ ich meinen Sarg! Sey tausendmahl gegrüsset
Du letzt- und bestes Hauß das mein Gebein beschleust;
Ich fühle wie den Kampff des Todes mir versüsset
Mein Heiland der ein Fürst des Lebens ist und heist.
Der Kirchen Andacht ehrt jetzt die hoch-heil’gen Krippen
Da ich Weihnachten gleich im Himmel halten sol!
Ich wil mit vollem Mund’ und Danck-verpflichten Lippen
Ein Halleluja schreyn: Der HErr macht alles wol!
Weint doch Geliebte nicht jetzt hab’ ich überwunden
Jhr wallet auff der See ich lauff’ in Hafen ein
Nach hartem Streit und Kampff hab’ ich die Krone funden
Die von GOtt beygelegt wird den Gerechten seyn.
Stadt Rathhauß gute Nacht ich mag nicht weiter sorgen
Des Höchsten Sorge schweb’ ob dem gemeinen Heil;
Und seine Güt’ und Treu verneu’ sich alle Morgen
Er wende gnädig ab des Krieges Donner-Keil.
Mein Ehschatz gute Nacht. Dein’ Ehre Treu und Liebe
Rühm ich nochsterbender so viel ich rühmen kan
Du hasts umb mich verdient daß man ein Lob dir schriebe
Das auch die Nach-Welt zög’ als ein Exempel an.
Mein eintzig Augen-Trost du Aertztin meiner Tage
Und treue Pflegerin stell’ jetzt das weinen ein
Verzehre nicht den Geist in Kummer-reicher Klage
Der Schluß ist Eisen-hart: Es muß geschieden seyn!
Es wird dich meine Hand nicht mehr in Garten leiten
Des Jahres grüne Lust und Blumen anzuschaun
Bis du im Paradies mir wieder stehst zur Seiten
Und GOttes Seegen wird auff unsre Scheitel thaun.
Mit dreymal grössrer Freud wil ich dich da umbfangen
Als dreymal grossem Leid ich dich jetzt lassen muß.
Der Höchste segne dich mein eintziges Verlangen
Mein ander Hertz Ade! Diß ist der letzte Kuß!
Nun ruh’ ich stört mich nicht:
In deine Hände HErr befehl ich meinen Geist
Der Helden Licht und Trost und aller Christen hoffen
Herr JEsu nimm mich auff und sey von mir gepreist.