Sterben ist nicht Rosenbrechen

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Die betrübte Zeit bricht an

Da die matten Kräffte schwinden

Und der Geist die enge Bahn

Zu der Himmels Ruh soll finden.

Laß die Welt von Großmutt sprechen:

Sterben ist nicht Rosenbrechen.

Bittre Wermutt saure Qual

Ist der herbe Todes-Saamen:

Solche Kosten allzumahl

Die von Adams Stamme kamen.

Drum muß ich mit Seuffzen sprechen:

Sterben ist nicht Rosenbrechen.

Leib und Seele trennen sich

Aller Safft entgeht dem Hertzen

Sünd und Reue drücken mich

Bey viel tausend Angst und Schmertzen

Muß ich nicht mit Zittern sprechen:

Sterben ist nicht Rosenbrechen.

Die gewünschte Zeit bricht an

Da die blassen Sorgen schwinden

Und der müde Lebens-Kahn

Soll den sichern Hafen finden:

Laß das Fleisch die Dornen stechen

Sterbend muß man Rosen brechen.

Eine Rose blüht im Thal

Sarons Blum in eignem Nahmen

Diese leben allzumahl

Die zu diesem Stocke kamen:

Wenn mein Mund vergist zu sprechen

Will ich diese Rose brechen.

Jesus der mein ander Ich

Der mein Alles lebt im Hertzen

Sein Blutt labt und reinigt mich

Wenn mich tausend Schulden schwärtzen

Daß ich wohlgemutt kan sprechen:

Sterbend muß man Rosen brechen.

Edle Blütte Davids Reiß

Das ich sah am Oelberg liegen

Kühle mich im Todes-Schweiß

Labe mich in lezten Zügen

Ob des Todes Dörner stechen

Laß mich Lebens-Rosen brechen!