[Still zu deinem Buche greifst du]

By Georg Friedrich Daumer

Written 1823-01-01 - 1823-01-01

Still zu deinem Buche greifst du,

Zum Pokale greift Hafis;

Zur Vollendungskrone reifst du,

Zum Verderben reift Hafis.

In gewohnter Schranke bleibst du,

Ein geduldig frommes Schaf;

Als ein Leu aus seinem Gitter

In die Wilde schweift Hafis.

Eitel gute Werke häufst du,

Strahlender Verdienste Berg;

Fürchterlich zu aller Stunde

Seine Sünden häuft Hafis.

Viele fromme Herzen stärkst du

Durch gelehrten Unterricht;

Mächtiglich in aller Thorheit

Alle Thoren steift Hafis.

Mörderische Klingen schleifst du,

Ziehend in den Ketzerkrieg;

Seine Versediamanten,

Seine schönen, schleift Hafis.

Hoch hinauf zum Himmel steigst du

Als ein qualmend Rauchgewölk;

Eine frische Felsenquelle,

Tief zu Thale läuft Hafis.

Fass' ich es in eine Stanze;

Ewig, o du armer Mann,

Träufst du nur von Bitterkeiten,

Und von Süße träuft Hafis.