Straf-Rede der Ehrbarkeit an das Frauenzimmer.

By Johann Georg Gressel

Jhr denen die Natur der Schönheit reiche Gaben

Als wie ihr eigen Gut auf Wang’ und Brust gelegt

Wo Rosen und

Und wo die Anmuth sich in güldne Tafeln prägt.

Jhr Töchter meiner Zucht die ihr die klugen Lehren

Aus meinem Munde saugt und mich als Mutter küßt

Was vor ein Aberwitz will euren Sinn bethören?

Welch Sturm-Wind reisset ein was kaum gebauet ist?

Vergeßt ihr allbereits womit ihr mir verbunden?

Steht euch mein Regiment nicht wie vor alters an?

Habt ihr mein sanfftes Joch vor euch zu schwer befunden?

Wird Zucht und Ehrbarkeit von euch in Bann gethan?

Ja freylich ist es so: mein finsteres Gesichte

Wo kein verbotner Schertz aus geilen Augen lacht

Und wo kein frecher Blick mit seinem Zauber-Lichte

Die Laster-volle Glut der Seelen kenntlich macht.

Mein Mund den niemahls nicht ein freyes Wort beflecket

Der Stirne reines Feld wo Ernst und Strenge blüht

Die nie befleckte Brust die sich mit Liljen decket

In deren Silber man der Keuschheit Bildnis sieht

Ist nicht vor eurem Sinn: ihr brecht durch Band und Ketten

Jhr wolt ein freyes Volck ob gleich mit Schanden seyn

Jhr last die Wollust euch auf Rosen-Blätter betten

Mein Dornen-Lager geht euch allzu sauer ein.

Ich mühe mich jetzt nicht dis alles zu berühren

Womit ihr mich erzürnt und fast zu tode kränckt

Man darff nur einen Blick in euren Busen führen

So sieht man mehr als wol wie schlecht ihr mich bedenckt.

Wie glücklich war ich doch als nur vor kurtzen Zeiten

Mein untergebnes Volck mir noch gehorsam war

Da ließ sich niemand nicht auf glattes Eiß verleiten

Ein jedes stellte sich in meinem Tempel dar.

Man hohlte damahls nicht aus Franckreich Putz und Kleider

Es war mein Teutsches Reich mit seiner Tracht vergnügt

Ein jeder kam zu mir ich war der Mode Schneider

Das war der beste Schmuck den man von mir gekriegt.

Man suchte nicht mit Fleiß vor alle Welt zu legen

Was aus des Himmels Gunst an Schönheit mitgetheilt

Man war nicht so bemüht die Lüste zu erregen

Als jetzo da fast nichts den geilen Schluß verweilt.

Ein vest geschloßner Rock bedeckte Brust und Lenden

Der Glieder Marmor-Bau ward sorgsahm eingeschnürt

Es herrschte Schaam und Zucht in den bemühten Händen

Und gab der finstern Nacht was unsre Sinnen rührt.

Der Schönheit holder Sitz war damahls im Gemüthe

Die Tugend legte selbst die reinen Flammen an

Kein Schweffel toller Brunst erhitzte das Geblüte

Kein fremdes Feuer ward auf mein Altaar gethan.

Doch diese güldne Zeit ist nach und nach verschwunden.

Kaum daß man noch die Spuhr von ihrer Keuschheit sieht

Es hat ein fremder Feind mich heimlich überwunden.

Mein Reich ist wie ein Feld wo nichts als Unkraut blüht.

Jetzt denckt man Tag und Nacht der gantzen Welt zu weisen

Was vor ein Heiligthum die Schönheit uns vertraut

Die Wollust findet hier ihr rechtes Feuer-Eisen

So bald ihr Zunder sich bey dessen Funcken schaut.

Kaum kleidet sich der Schnee der unbefleckten Glieder

Mit Hülffe der Natur in Alabaster ein

So reißt man alsofort die engen Wälle nieder

Die der erhabnen Brust fast unerleidlich seyn.

So bald die Liebe nur ihr Zeichen ausgehangen

So wird die Ehrbarkeit als Feindin fortgeschickt;

Ja manche sucht wol gar mit einer Frucht zu prangen

Die man im Geiste nur mit grosser Müh’ erblickt.

Da wirfft man alsofort die längst verhaßten Tücher

Als eine schwere Last des zarten Leibes hin:

Da spricht manch armes Kind Gott Lob! nun bin ich sicher

Nun weiß ich daß ich auch wie ander Mädgens bin.

Da soll die gantze Stadt die neue Zeitung wissen

Da muß so Knecht als Magd das grosse Wunder sehn.

Und niemand trauet sich den Kramen zu zuschliessen

Aus Furcht es möchte leicht der Sachen Leyd geschehn.

Drauf läst man alsofort die Kleider

Und schneidet Rock und Wamst zwey Zolle tieffer aus

Man kan uns nicht so hoch als wir es wünschen schnüren

Doch heckt der höchste Berg offt eine kleine Maus.

Indessen warten wir und möchten immer sterben

Wofern kein hohes Fest sogleich gefällig ist

Denn da will jede doch den größten Ruhm erwerben

Daß Lieb und Anmuth sich in ihren Busen küßt.

Wie pflegt man sich alsdenn so embsig zu bemühen

Die angebohrne Pracht der Liljen zu erhöhn.

Bald will man Spitz und Band durch ihre Fluren ziehen

Bald soll diß Paradies von Rosen trächtig stehn.

Und wer ist doch geschickt die Künste zu entdecken

Die ein verliebter Geist zu seinen Vortheil braucht?

Mein Atlaß schcuet sich vor solchen Laster Flecken

Mein helles Spiegel-Glas wird leichtlich angehaucht.

Durchaus bethörtes Volck! Vergißt du aller Schande?

Deckt deines Busens Flor anjetzt dein Auge zu?

So komm und folge mir biß zu des

Die so man

Es gehet da kein Weib mit offnen Angesichte

Die Schönheit ist alda wie dünner

Den ein geringer Stoß im Augenblick zu nichte

So wie den Türckis Gifft voll Flecken machen kan.

Du aber lässest dich an diesen nicht begnügen

Daß deiner Augen Paar mit freyem Feuer spielt.

Es soll auch das entdeckt und an der Sonnen liegen

Wornach der erste Wunsch verbotner Triebe zielt.

Das heißt vernünfftig seyn das heißt die Tugend kennen

Wenn uns ein wildes Volck durch seine Zucht beschämt

Und dieses Frechheit heißt was wir gefällig nennen.

Wenn man den Männern zeigt wie gern man sich bequemt.

Und o! betrognes Volck was denckst du zu erhalten

Wenn du dich halb entblößt als eine

Es muß dein bißgen Gut noch vor der Zeit veralten

Wenn Wetter Sturm und Wind an deinen Blumen reißt.

Erwegst du dieses nicht daß man die Kostbarkeiten

Des reichen

Vor Sand und Kieselstein will niemand nichts bereiten

Das macht es wird hierbey kein Diebstahl nicht befahrt.

Die Menschen pflegen dis am meisten zu verehren

Was ihnen unbekant und halb verborgen ist.

So pflegt man

Wenn sich das Sonnen-Rad mit neuen Feuer rüst.

Fragt nur wofern ihr wolt den Schnee der zarten Hände

Was ihren alten Wehrt so tieff herab gesetzt:

Fragt nach worum man sich alsbald von ihnen wende

Wenn uns ein nackter Fuß biß auf den Tod verletzt.

Ein schlechter Wasser Quell so bald er uns verboten

Kömmt uns weit süsser vor als

Des Frühlings erste Frucht die frühen Zucker-Schoten

Sind theurer weil sie rar und schwer zu haben seyn.

Gesetzt manch Auge klebt an euren Schwanen-Brüsten

Gesetzt daß es von euch die ersten Flammen fängt

So pflegt doch keinem leicht nach Stoffen zu gelüsten

Die man Jahr aus Jahr ein vor die Gewölber hengt.

Und habt ihr nicht gemerckt wie weit es schon gekommen

Daß man ein Possen-Spiel mit eurer Einfalt treibt

Nachdem ein frecher Kiel sich selbst die Macht genommen

Daß er mit Hohn von euch ja fast verächtlich schreibt.

Denckt albre denckt ihm nach: last euch die Mutter rathen

Die ehmals euren Fuß mit treuer Hand geführt.

Erzürnt mich weiter nicht durch tausend freche Thaten

Und traget Brust und Hals hinführo zugeschnürt.

Wo nicht so solt ihr bald den Ungehorsahm büssen

Und ungeacht der Hoff mich nicht zu lieben pflegt.

So wil ich es dennoch so weit zu bringen wissen

Daß wan