Straf-Rede der Ehrbarkeit an das Frauenzimmer.
Jhr denen die Natur der Schönheit reiche Gaben
Als wie ihr eigen Gut auf Wang’ und Brust gelegt
Wo Rosen und
Und wo die Anmuth sich in güldne Tafeln prägt.
Jhr Töchter meiner Zucht die ihr die klugen Lehren
Aus meinem Munde saugt und mich als Mutter küßt
Was vor ein Aberwitz will euren Sinn bethören?
Welch Sturm-Wind reisset ein was kaum gebauet ist?
Vergeßt ihr allbereits womit ihr mir verbunden?
Steht euch mein Regiment nicht wie vor alters an?
Habt ihr mein sanfftes Joch vor euch zu schwer befunden?
Wird Zucht und Ehrbarkeit von euch in Bann gethan?
Ja freylich ist es so: mein finsteres Gesichte
Wo kein verbotner Schertz aus geilen Augen lacht
Und wo kein frecher Blick mit seinem Zauber-Lichte
Die Laster-volle Glut der Seelen kenntlich macht.
Mein Mund den niemahls nicht ein freyes Wort beflecket
Der Stirne reines Feld wo Ernst und Strenge blüht
Die nie befleckte Brust die sich mit Liljen decket
In deren Silber man der Keuschheit Bildnis sieht
Ist nicht vor eurem Sinn: ihr brecht durch Band und Ketten
Jhr wolt ein freyes Volck ob gleich mit Schanden seyn
Jhr last die Wollust euch auf Rosen-Blätter betten
Mein Dornen-Lager geht euch allzu sauer ein.
Ich mühe mich jetzt nicht dis alles zu berühren
Womit ihr mich erzürnt und fast zu tode kränckt
Man darff nur einen Blick in euren Busen führen
So sieht man mehr als wol wie schlecht ihr mich bedenckt.
Wie glücklich war ich doch als nur vor kurtzen Zeiten
Mein untergebnes Volck mir noch gehorsam war
Da ließ sich niemand nicht auf glattes Eiß verleiten
Ein jedes stellte sich in meinem Tempel dar.
Man hohlte damahls nicht aus Franckreich Putz und Kleider
Es war mein Teutsches Reich mit seiner Tracht vergnügt
Ein jeder kam zu mir ich war der Mode Schneider
Das war der beste Schmuck den man von mir gekriegt.
Man suchte nicht mit Fleiß vor alle Welt zu legen
Was aus des Himmels Gunst an Schönheit mitgetheilt
Man war nicht so bemüht die Lüste zu erregen
Als jetzo da fast nichts den geilen Schluß verweilt.
Ein vest geschloßner Rock bedeckte Brust und Lenden
Der Glieder Marmor-Bau ward sorgsahm eingeschnürt
Es herrschte Schaam und Zucht in den bemühten Händen
Und gab der finstern Nacht was unsre Sinnen rührt.
Der Schönheit holder Sitz war damahls im Gemüthe
Die Tugend legte selbst die reinen Flammen an
Kein Schweffel toller Brunst erhitzte das Geblüte
Kein fremdes Feuer ward auf mein Altaar gethan.
Doch diese güldne Zeit ist nach und nach verschwunden.
Kaum daß man noch die Spuhr von ihrer Keuschheit sieht
Es hat ein fremder Feind mich heimlich überwunden.
Mein Reich ist wie ein Feld wo nichts als Unkraut blüht.
Jetzt denckt man Tag und Nacht der gantzen Welt zu weisen
Was vor ein Heiligthum die Schönheit uns vertraut
Die Wollust findet hier ihr rechtes Feuer-Eisen
So bald ihr Zunder sich bey dessen Funcken schaut.
Kaum kleidet sich der Schnee der unbefleckten Glieder
Mit Hülffe der Natur in Alabaster ein
So reißt man alsofort die engen Wälle nieder
Die der erhabnen Brust fast unerleidlich seyn.
So bald die Liebe nur ihr Zeichen ausgehangen
So wird die Ehrbarkeit als Feindin fortgeschickt;
Ja manche sucht wol gar mit einer Frucht zu prangen
Die man im Geiste nur mit grosser Müh’ erblickt.
Da wirfft man alsofort die längst verhaßten Tücher
Als eine schwere Last des zarten Leibes hin:
Da spricht manch armes Kind Gott Lob! nun bin ich sicher
Nun weiß ich daß ich auch wie ander Mädgens bin.
Da soll die gantze Stadt die neue Zeitung wissen
Da muß so Knecht als Magd das grosse Wunder sehn.
Und niemand trauet sich den Kramen zu zuschliessen
Aus Furcht es möchte leicht der Sachen Leyd geschehn.
Drauf läst man alsofort die Kleider
Und schneidet Rock und Wamst zwey Zolle tieffer aus
Man kan uns nicht so hoch als wir es wünschen schnüren
Doch heckt der höchste Berg offt eine kleine Maus.
Indessen warten wir und möchten immer sterben
Wofern kein hohes Fest sogleich gefällig ist
Denn da will jede doch den größten Ruhm erwerben
Daß Lieb und Anmuth sich in ihren Busen küßt.
Wie pflegt man sich alsdenn so embsig zu bemühen
Die angebohrne Pracht der Liljen zu erhöhn.
Bald will man Spitz und Band durch ihre Fluren ziehen
Bald soll diß Paradies von Rosen trächtig stehn.
Und wer ist doch geschickt die Künste zu entdecken
Die ein verliebter Geist zu seinen Vortheil braucht?
Mein Atlaß schcuet sich vor solchen Laster Flecken
Mein helles Spiegel-Glas wird leichtlich angehaucht.
Durchaus bethörtes Volck! Vergißt du aller Schande?
Deckt deines Busens Flor anjetzt dein Auge zu?
So komm und folge mir biß zu des
Die so man
Es gehet da kein Weib mit offnen Angesichte
Die Schönheit ist alda wie dünner
Den ein geringer Stoß im Augenblick zu nichte
So wie den Türckis Gifft voll Flecken machen kan.
Du aber lässest dich an diesen nicht begnügen
Daß deiner Augen Paar mit freyem Feuer spielt.
Es soll auch das entdeckt und an der Sonnen liegen
Wornach der erste Wunsch verbotner Triebe zielt.
Das heißt vernünfftig seyn das heißt die Tugend kennen
Wenn uns ein wildes Volck durch seine Zucht beschämt
Und dieses Frechheit heißt was wir gefällig nennen.
Wenn man den Männern zeigt wie gern man sich bequemt.
Und o! betrognes Volck was denckst du zu erhalten
Wenn du dich halb entblößt als eine
Es muß dein bißgen Gut noch vor der Zeit veralten
Wenn Wetter Sturm und Wind an deinen Blumen reißt.
Erwegst du dieses nicht daß man die Kostbarkeiten
Des reichen
Vor Sand und Kieselstein will niemand nichts bereiten
Das macht es wird hierbey kein Diebstahl nicht befahrt.
Die Menschen pflegen dis am meisten zu verehren
Was ihnen unbekant und halb verborgen ist.
So pflegt man
Wenn sich das Sonnen-Rad mit neuen Feuer rüst.
Fragt nur wofern ihr wolt den Schnee der zarten Hände
Was ihren alten Wehrt so tieff herab gesetzt:
Fragt nach worum man sich alsbald von ihnen wende
Wenn uns ein nackter Fuß biß auf den Tod verletzt.
Ein schlechter Wasser Quell so bald er uns verboten
Kömmt uns weit süsser vor als
Des Frühlings erste Frucht die frühen Zucker-Schoten
Sind theurer weil sie rar und schwer zu haben seyn.
Gesetzt manch Auge klebt an euren Schwanen-Brüsten
Gesetzt daß es von euch die ersten Flammen fängt
So pflegt doch keinem leicht nach Stoffen zu gelüsten
Die man Jahr aus Jahr ein vor die Gewölber hengt.
Und habt ihr nicht gemerckt wie weit es schon gekommen
Daß man ein Possen-Spiel mit eurer Einfalt treibt
Nachdem ein frecher Kiel sich selbst die Macht genommen
Daß er mit Hohn von euch ja fast verächtlich schreibt.
Denckt albre denckt ihm nach: last euch die Mutter rathen
Die ehmals euren Fuß mit treuer Hand geführt.
Erzürnt mich weiter nicht durch tausend freche Thaten
Und traget Brust und Hals hinführo zugeschnürt.
Wo nicht so solt ihr bald den Ungehorsahm büssen
Und ungeacht der Hoff mich nicht zu lieben pflegt.
So wil ich es dennoch so weit zu bringen wissen
Daß wan