Streit der Keuschheit und Liebe. Serenata.
Augen die dem Glantz der Sonnen
Mehr als doppelt abgewonnen
Müssen meine Fackeln seyn.
Solche Blicke zu verstricken
Daß sie gleich ein Hertz berücken
Gebe ich den
Augen die den Glantz der Sonnen
Mehr als doppelt abgewonnen
Müssen meine Fackeln seyn.
Ich zwinge alle Welt
Zu meiner süssen Dienstbarkeit
Ein Hertz von Stein und Stahl
Wird bald durch einen Strahl
Und holden Blick gefält.
Es kan sich keiner retten
Aus meinen starcken Ketten.
Zu mahl da solche Schönen
Zu meinem Dienst bereit
Die Pracht und Anmuht kröhnen.
Auch keine Lust
Jm Himmel und auf Erden
Kan einer Brust
Beliebter werden
Als wenn man liebt
Und Schönheit wieder Küsse giebt.
Wo reine Zucht und Tugend blüht
Da ist der Himmel auf der Erden.
Nichts giebt dem klugen Frauen-Zimmer
Mehr Ruhm und grössern Tugend-Schimmer
Als wenn die Keuschheit sich bemüht
Daß es zur Göttin möge werden.
Wo reine Zucht und Tugend blüht
Da ist der Himmel auf der Erden.
Wer in vergnügter Ruh
Den Frühling seiner Jahre
Wil in der Blühte sehn
Der gebe ja kein Lieben zu
Sonst fält er zeitig auf die Bahre
Und muß in kurtzer Zeit vergehn.
Liebe ist die Pest der Seelen
Liebe ist ein scharffes Gifft;
Zucker scheint sie zwar zu seyn
Doch der herbe Wermuhts-Wein
Muß zuletzt die Geister quählen.
Liebe ist die Pest der Seelen
Liebe ist ein scharffes Gifft.
Wie!
Ist
Kennt ihr
Wo ihr offtmahls mit Begier
Gantze Nächte habt gesessen
So daß auch das Sternen-Heer
Euch von euren süssen Küssen
Hat zurücke ruffen müssen
Wenn des Brudern güldner Schein
Ließ die Berge feurig seyn.
Was Götter und Menschen mit Anmuth ergötzet
Was Himmel und Erden mit Wollust vergnügt
Sind eintzig der Liebe
Annehmliche Triebe.
Was Götter und Menschen was alles besiegt
Ist eintzig die Liebe die lieblich verletzet.
Die
Denn wo die Augen Sonnen
Und wo die Schönheit blitzt
Da muß sich alles biegen
Ich selbst muß unterliegen
Mein Ansehn mich nicht schützt.
So offt
Mich hat verletzet
So offte hat mein Heyl
Die
Wer kan ihr nun widerstehen?
Da den Donner-Gott sie zwingt.
Wer kan ungefesselt sehen
Wunder-schöne Augen an?
Die mit Anmuht an gethan.
Wer kan ihr nun wiederstehen
Da den Donner-Gott sie zwingt?
Nun Mutter seyd vergnügt
Auch unser Freude zu vermehren
So lasse ich mich jauchtzend hören.
Ich muß zu meinem Siegen
Mich freudig zu dir fügen.
Jo! jo!
O! ungerechtes Siegen.
Jhr Thränen brecht hervor
Jhr Augen weint
Beweint mein Ungelücke
Das widrige Geschicke
Hebt
Und läst mich niederliegen.
Der Keuschheit ist man feind;
Ob schon der Schönheit-Strahlen
So Wang’ als Brust bemahlen
So ist man doch nicht schön;
Weil man die Keuschheit liebet
Und nicht das Buhlen übet.
Ach! ach! ich muß vergehn.
O! ungerechtes Siegen
Die Keuschheit soll darniederliegen.
Jhr Schönen sucht ihr ein Vergnügen
So bleibt der Freyheit zu gethan
Denn wird euch keine List besiegen
Wie schlau sie es auch fänget an:
Da wo verliebte Geister weinen
Könnt ihr vergnügt alsdenn erscheinen.
Jhr Schönen sucht ihr ein Vergnügen
So bleibt der Freyheit zugethan.
Wie so verzagt
Jhr steckt im falschen Wahne
Die Keuschheit bleibt geehrt
Die Liebe wird gepriesen
Wenn ihr den Argwohns-Riesen
In einen Zwerg verkehrt
So zeigt sich daß die Liebe
Der Schön-und Keuschheit Schwester ist.
So bin ich schon vergnügt
Jhr Augen lacht seyd nicht mehr trübe
Ich habe mit gesiegt.
Keuscher Seelen ihr Ergötzen
Kan gantz wol die Liebe seyn.
Wer sich Tugendhafft verliebt
Ein berühmtes Beyspiel giebt
Zu den Sternen sich zu setzen.
Keuscher Seelen ihr Ergötzen
Kan gantz wol die Liebe seyn.
Cupido.Frau Mutter seyd vergnügt
Wir siegen und verliehren
Zwey angenehme Schönen
Die Zucht und Schönheit ziehren.
Die machen daß ihr siegt
Und wollen auch
Selbst die Vollkommenheit lobt dis Geschwister
Sie sind an Zucht und Schönheit schön
Die Augen sind der Liebe-Spiegel
Jhr Strahl durchdringet Stein und Riegel
Die Wangen voller Rosen stehn.
Selbst die Vollkommenheit lobt dis Geschwister
Sie sind an Zucht und Schönheit schön.
Diese Schönen sollen werden
Auf der Erden
Was ihr in dem Himmel seyd.
Doch mit diesem Vorzugs-Rechte
Daß eure Eigenschafften
An jeder müssen hafften.
Es steige ihr Geschlechte
An Ruhm und Würdigkeit
Bis an die blauen Bühnen
Die uns zur Wohnung dienen.
Tutti.So scheint ihr angenehmen Sonnen
Zu dieser Stadt Zufriedenheit
Jupiter.Das Glücke selbsten soll euch dienen
Diana.Niemahls sey eur Vergnügen weit.
Venus.An Schönheit müst ihr täglich grünen
Cupido.Euch soll einjeder Dienstbahr seyn
Mercurius.Kein Neid verdunckle euren Schein.
Tutti.So scheint ihr angenehmen Sonnen
Zu dieser Stadt Zufriedenheit.