Streit der Keuschheit und Liebe. Serenata.

By Johann Georg Gressel

Augen die dem Glantz der Sonnen

Mehr als doppelt abgewonnen

Müssen meine Fackeln seyn.

Solche Blicke zu verstricken

Daß sie gleich ein Hertz berücken

Gebe ich den

Augen die den Glantz der Sonnen

Mehr als doppelt abgewonnen

Müssen meine Fackeln seyn.

Ich zwinge alle Welt

Zu meiner süssen Dienstbarkeit

Ein Hertz von Stein und Stahl

Wird bald durch einen Strahl

Und holden Blick gefält.

Es kan sich keiner retten

Aus meinen starcken Ketten.

Zu mahl da solche Schönen

Zu meinem Dienst bereit

Die Pracht und Anmuht kröhnen.

Auch keine Lust

Jm Himmel und auf Erden

Kan einer Brust

Beliebter werden

Als wenn man liebt

Und Schönheit wieder Küsse giebt.

Wo reine Zucht und Tugend blüht

Da ist der Himmel auf der Erden.

Nichts giebt dem klugen Frauen-Zimmer

Mehr Ruhm und grössern Tugend-Schimmer

Als wenn die Keuschheit sich bemüht

Daß es zur Göttin möge werden.

Wo reine Zucht und Tugend blüht

Da ist der Himmel auf der Erden.

Wer in vergnügter Ruh

Den Frühling seiner Jahre

Wil in der Blühte sehn

Der gebe ja kein Lieben zu

Sonst fält er zeitig auf die Bahre

Und muß in kurtzer Zeit vergehn.

Liebe ist die Pest der Seelen

Liebe ist ein scharffes Gifft;

Zucker scheint sie zwar zu seyn

Doch der herbe Wermuhts-Wein

Muß zuletzt die Geister quählen.

Liebe ist die Pest der Seelen

Liebe ist ein scharffes Gifft.

Wie!

Ist

Kennt ihr

Wo ihr offtmahls mit Begier

Gantze Nächte habt gesessen

So daß auch das Sternen-Heer

Euch von euren süssen Küssen

Hat zurücke ruffen müssen

Wenn des Brudern güldner Schein

Ließ die Berge feurig seyn.

Was Götter und Menschen mit Anmuth ergötzet

Was Himmel und Erden mit Wollust vergnügt

Sind eintzig der Liebe

Annehmliche Triebe.

Was Götter und Menschen was alles besiegt

Ist eintzig die Liebe die lieblich verletzet.

Die

Denn wo die Augen Sonnen

Und wo die Schönheit blitzt

Da muß sich alles biegen

Ich selbst muß unterliegen

Mein Ansehn mich nicht schützt.

So offt

Mich hat verletzet

So offte hat mein Heyl

Die

Wer kan ihr nun widerstehen?

Da den Donner-Gott sie zwingt.

Wer kan ungefesselt sehen

Wunder-schöne Augen an?

Die mit Anmuht an gethan.

Wer kan ihr nun wiederstehen

Da den Donner-Gott sie zwingt?

Nun Mutter seyd vergnügt

Auch unser Freude zu vermehren

So lasse ich mich jauchtzend hören.

Ich muß zu meinem Siegen

Mich freudig zu dir fügen.

Jo! jo!

O! ungerechtes Siegen.

Jhr Thränen brecht hervor

Jhr Augen weint

Beweint mein Ungelücke

Das widrige Geschicke

Hebt

Und läst mich niederliegen.

Der Keuschheit ist man feind;

Ob schon der Schönheit-Strahlen

So Wang’ als Brust bemahlen

So ist man doch nicht schön;

Weil man die Keuschheit liebet

Und nicht das Buhlen übet.

Ach! ach! ich muß vergehn.

O! ungerechtes Siegen

Die Keuschheit soll darniederliegen.

Jhr Schönen sucht ihr ein Vergnügen

So bleibt der Freyheit zu gethan

Denn wird euch keine List besiegen

Wie schlau sie es auch fänget an:

Da wo verliebte Geister weinen

Könnt ihr vergnügt alsdenn erscheinen.

Jhr Schönen sucht ihr ein Vergnügen

So bleibt der Freyheit zugethan.

Wie so verzagt

Jhr steckt im falschen Wahne

Die Keuschheit bleibt geehrt

Die Liebe wird gepriesen

Wenn ihr den Argwohns-Riesen

In einen Zwerg verkehrt

So zeigt sich daß die Liebe

Der Schön-und Keuschheit Schwester ist.

So bin ich schon vergnügt

Jhr Augen lacht seyd nicht mehr trübe

Ich habe mit gesiegt.

Keuscher Seelen ihr Ergötzen

Kan gantz wol die Liebe seyn.

Wer sich Tugendhafft verliebt

Ein berühmtes Beyspiel giebt

Zu den Sternen sich zu setzen.

Keuscher Seelen ihr Ergötzen

Kan gantz wol die Liebe seyn.

Cupido.Frau Mutter seyd vergnügt

Wir siegen und verliehren

Zwey angenehme Schönen

Die Zucht und Schönheit ziehren.

Die machen daß ihr siegt

Und wollen auch

Selbst die Vollkommenheit lobt dis Geschwister

Sie sind an Zucht und Schönheit schön

Die Augen sind der Liebe-Spiegel

Jhr Strahl durchdringet Stein und Riegel

Die Wangen voller Rosen stehn.

Selbst die Vollkommenheit lobt dis Geschwister

Sie sind an Zucht und Schönheit schön.

Diese Schönen sollen werden

Auf der Erden

Was ihr in dem Himmel seyd.

Doch mit diesem Vorzugs-Rechte

Daß eure Eigenschafften

An jeder müssen hafften.

Es steige ihr Geschlechte

An Ruhm und Würdigkeit

Bis an die blauen Bühnen

Die uns zur Wohnung dienen.

Tutti.So scheint ihr angenehmen Sonnen

Zu dieser Stadt Zufriedenheit

Jupiter.Das Glücke selbsten soll euch dienen

Diana.Niemahls sey eur Vergnügen weit.

Venus.An Schönheit müst ihr täglich grünen

Cupido.Euch soll einjeder Dienstbahr seyn

Mercurius.Kein Neid verdunckle euren Schein.

Tutti.So scheint ihr angenehmen Sonnen

Zu dieser Stadt Zufriedenheit.